Wenn der Mixer mit der Bohrmaschine vertauscht wird

- Barbara Nowak baut ihren Teewagen selbst -

Selbst ist die Frau, war schon immer ihr Motto und mit den HĂ€nden arbeitet sie gerne. Mit Hammer, Zange, Schraubenzieher kommt sie ganz gut klar, doch die Bohrmaschine, die sie einmal zum Geburtstag bekam, benutzt sie nur, wenn es nicht anders geht. Zu wenig Ahnung, zu unsicher im Umgang und was da so alles passieren kann - kurz und gut, Barbara Nowak-Hellbart aus Villingen hat einen Heidenrespekt vor dem brummenden Ding. Doch dann fĂ€llt ihr das Programm der LHS (LĂ€ndliche Heimvolkshochschule e.V. und Land-Hotel-SĂŒdbaden) in Waldshut-Tiengen in die HĂ€nde und was wird dort tatsĂ€chlich angeboten? Ein Kurs nur fĂŒr zukĂŒnftige Heimwerkerinnen und Gegenstand soll der Umgang mit Elektrowerkzeug sein. Keine MĂ€nner dabei, die spöttisch grinsen, dafĂŒr aber jede Menge Tipps und Tricks rund um alle im Haushalt anfallenden Reparaturen , so stellt Barbara sich die ganze Geschichte vor - und meldet sich spontan an. An einem Wochenende im Dezember macht sie sich auf nach Waldshut-Tiengen, ohne SchminktĂ€schen, dafĂŒr aber mit der Bohrmaschine im GepĂ€ck und zwei Tage Zeit, denn die LHS bietet preiswerte Übernachtungen an, die sie sich gönnt, um nicht noch Stunden auf der Straße zu verbringen. Was dabei herauskam erzĂ€hlt sie ,typisch frau`, natĂŒrlich mit dem Hintergrund anderen Frauen einfach eine Möglichkeit aufzuzeigen mit den kleinen Widrigkeiten des alltĂ€glichen, modernen Lebens besser fertig zu werden : "Der Werkraum besitzt acht sehr gut ausgestattete ArbeitsplĂ€tze und wir sind sieben wissensdurstige Aspirantinnen voller Tatendrang. Obwohl fast alle Frauen Partner mit recht gut ausgerĂŒsteten WerkstĂ€tten zu Hause haben, erzĂ€hlen sie alle das gleiche. Keiner der Herren der Schöpfung hat Lust und Geduld ihren Intensivsozialpartner in die geheimnisvolle Welt der Bohrer, StichsĂ€gen und, und, und... einzuweisen. Peter Castritius, unser Kursleiter, hat ganz andere Ambitionen. Zuerst fragt er unsere Kenntnisse ab, klĂ€rt uns geduldig ĂŒber Schrauben und SchrĂ€ubchen, ĂŒber ihren Sinn und Zweck und ĂŒber die unterschiedlichsten Bohrtechniken auf. Außerdem drĂŒckt er jeder von uns eine Übersicht ĂŒber die verschiedensten Werkzeuge in die Hand und dann macht er uns mit den Maschinen an den einzelnen WerkbĂ€nken ,,bekannt". Ach, wie ist das alles interessant und Respekt einflĂ¶ĂŸend! StichsĂ€ge, Winkel-, Band-, Schwingschleifer, Bohrschrauber,

FrĂ€se..... und einen riesigen Staubsauger an jedem Tisch (den wir wohl seiner Meinung nach etwas zu oft benutzten - doch was drin ist, ist einfach drin!) Dann zeigt er uns das Modell: Einen fertigen klappbaren Teewagen! Und genau den sollen wir bauen! Du meine GĂŒte, wie soll denn das gehen? Ein paar Bretter, ein paar Leisten, Latten und daraus sollen wir...? Doch Peter zeichnet uns die Umrisse auf, erklĂ€rt uns die einzelnen Schritte, und legt Hand an wo es schwierig wird. Aber ,,drĂŒcken" ist nicht! Wir mĂŒssen wirklich alles selbst machen, auch wenn wir manchmal recht zögerlich darangehen. Manchmal setzen wir die OhrenschĂŒtzer auf und dann komme ich mir schon richtig professionell vor. Am liebsten hĂ€tte ich auch eine Schutzbrille gehabt, doch dann geht es an die Feinheiten. Beim Schleifen etwas zu fest gedrĂŒckt - oje! Eine Delle, beim FrĂ€sen zu langsam - ein dunkler Fleck, aber nur ein ganz kleiner...Aber ein herrliches GefĂŒhl, wenn die geraden Klötze schließlich ,,Figur" annehmen. Wenn man langsam eine Vorstellung bekommt, dass es wirklich ein Klapptischchen werden könnte. Selbst gebaut! Und wenn ,,der Boss" vor meiner Werkbank steht und mit erhobenem Daumen Lob ausdrĂŒckt (hören kann man ja bei dem Krach nix) - hach, vor stolzgeschwellter Brust kann ich mich fast nicht mehr bĂŒcken! Zwischendurch wird Pause gemacht. Mittagessen, Kuchen, Kaffee und andere GetrĂ€nke - alles gibt`s im Haus. Ein netter Speiseraum, aus dessen großen Fenstern man einen herrlichen Blick ĂŒber Tiengen und Umgebung hat.
Am Sonntag geht`s weiter. Jetzt ist der Arbeitsplatz schon vertrauter, die AtmosphĂ€re lockerer und die Sache nimmt langsam Formen an. Und zum Schluss kommen wir ein wenig in Zeitnot. Zum Zusammenbauen braucht man mehrere HĂ€nde, selbstverstĂ€ndlich helfen wir uns dabei gegenseitig. Eine von uns muss dringend weg, bevor ihr Tischchen ganz fertig ist. Das wird natĂŒrlich von den anderen noch endgĂŒltig zusammengebaut - Ehrensache. Sie wird es in den nĂ€chsten Tagen in der Schule abholen. Selbst der Schulleiter schaut jetzt öfter zu uns herein und schaut, wie weit wir sind, weil wir schon ziemlich ĂŒberziehen. Doch er macht Fotos und bringt etwas zum Naschen, wie nett. Aber jede von uns will natĂŒrlich ein fertiges Produkt mit nach Hause nehmen. Um 20 Uhr (geplant war eigentlich 16 Uhr) sind alle Teewagen fertig zum Abtransport. Daheim mĂŒssen sie nur noch gestrichen

werden. Wir bekommen noch eine Kopie des ,,Gruppenfotos mit Teewagen", ArbeitsplĂ€tze aufrĂ€umen - und tschĂŒs. Schön war`s. Spaß hat`s gemacht. Und das Ergebnis macht stolz. Ich werde bestimmt noch mal so etwas in der Art machen, das habe ich mir fest vorgenommen. Aber Respekt vor den Maschinen habe ich immer noch gehörig. Peter meint, das sei gut so, dann wird man nicht leichtsinnig." Barbara Nowak-Hellbart bleibt noch eine weitere Nacht und ist froh, dass sie nicht so spĂ€t noch so weit fahren muss. Aus den Tipps und Tricks rund um den Haushalt ist zwar nichts geworden, doch sie ist hellauf begeistert. Und den Teewagen habe ich erst mal bewundert, als ich sie besucht habe. Keine Frage, ich hĂ€tte ihn nie zusammenbauen können! Selbst-verstĂ€ndlich hat er einen Ehrenplatz in Barbara`s Wohnung erhalten. Gekostet hat der Kurs 99,-- Euro, darin waren Kaffee und Kuchen bereits enthalten. Peter, ihr Kursleiter, war wohl am Anfang etwas zurĂŒckhaltend, doch nachher taut er richtig auf und lacht viel. "Es wĂ€re schön, wenn es so einen Kurs hier in der Region auch geben wĂŒrde", meint Barbara und deshalb geben wir diese Anregung nicht nur weiter an unsere ,typisch frau-Leserinnen, sondern ganz besonders an unsere ,typisch frau-Leser `(siehe nebenstehenden Aufruf an die Herren der Schöpfung).
Heimwerkerkurs der LHS Die LHS Tiengen e.V. bietet vom 19.6. bis 20.6.04 wieder einen Kurs nur fĂŒr Frauen an (siehe Bericht von Barbara Nowak-Hellbart) mit dem Ziel, allen Teilnehmerinnen einen fundierten Überblick ĂŒber die Verwendung der verschiedensten Werkzeuge aus dem Holzbereich und Baubereich zu geben. Durch den richtigen Einsatz von Zubehör kann dazu das Anwendungsgebiet der Werkzeuge erweitert werden und natĂŒrlich steht dabei die praktische Arbeit im Vordergrund. ZusĂ€tzlich können Sie Reparaturmöglichkeiten an Haushalts-gegenstĂ€nden lernen und auch gerne defekte (kleinere) GegenstĂ€nde mitbringen und Sie erhalten das Buch ,,Designermöbel". Kurse jeweils Samstag von 10 - 17 Uhr und Sonntag von 10 - 15.30 Uhr, GebĂŒhr jetzt Euro 119,-- inkl. Materialkosten, Übernachtung im Hotel Euro 36,-- incl. FrĂŒhstĂŒck. Auskunft unter Tel. 07741/68220 und im Internet unter www.lhs@tiengen.de.

Barbara Dickmann