Wenn der Sprössling uns die letzten Nerven raubt

- ADS - eine Herausforderung für die Eltern -


Oschi Patricia Rist, niederlassene Allgemeinmedizinerin, gründete den Arbeitskreis ADS Villingen-Schwenningen. Zur Zeit arbeiten Brigitte Walter-Vetter, Katharina Hirt, Bea Dambitz und Virginia Bucher aktiv mit. Bild: Privat.

Zugegeben, das Leben mit Kindern verläuft meistens anders, als man es erwartet. Hat der kleine Engel schon bei der Geburt diesen besonders hellwachen Blick, will als Baby gut beschäftigt werden, schläft wenig, schreit dafür viel, nimmt man das noch gelassen hin. Er ist halt besonders lebhaft, oder vielleicht sogar besonders intelligent, trösten sich die Eltern nach der dritten, schlaflosen Nacht. Doch stülpt er als Dreijähriger mit Wonne seine Spielkisten einfach nur um, bis es ein einziges Chaos gibt und sind Sie bald Stammgast in der Unfallambulanz, weil dem goldigen Mäuschen keine Mauer zu hoch, es äußerst experimentierfreudig und wirklich alles ausprobiert, was nicht niet- und nagelfest ist, dann wird das Leben als Eltern zur Herausforderung. Das gemeinsame Einkaufen wird zum Horrortrip, dank etlicher Wutanfälle, ja selbst die Oma ist froh, wenn ihr kreative r Enkel schnell wieder verschwindet. Denn kreuzt er bei ihr auf, steht bald kein Teller mehr im Schrank, sehnt sich der Gummibaum nach seiner Erde, quillt das Klopapier aus der Toilette und liegt das frische Brot fein säuberlich zerkrümelt auf dem Teppichboden - das ist der Preis für zwanzig Minuten Kaffee trinken in relativer Ruhe.
Im Kindergarten ist die kleine Nervensäge aggressiv und bockig, schubst, boxt, stört die anderen Kinder und kann sich an keine Regeln halten. Freunde zu finden ist fast unmöglich und irgendwann, spätestens wenn der kleine Liebling in die Schule kommt und der nächste Albtraum beginnt steht eine große Frage im Raum. Liegt es am Kind oder liegt es an den Eltern? Ist man einfach unfähig ein Kind zu erziehen, oder stimmt da etwas wirklich nicht? Die Antwort ist schnell gefunden. Es liegt natürlich an den Eltern. Sie sind einfach unfähig Kinder zu erziehen! ,,Wenn das meiner wäre, den würde ich schon....", raunt es bald mehr oder weniger leise hinter vorgehaltener Hand, wenn am Elternabend mal wieder über den eigenen Sprössling hergefallen wird. Sie fühlen sich hilflos, sind verzweifelt und haben ständig ein schlechtes Gewissen. Längst liegen die Nerven blank, werden die Freunde immer weniger und oft genug geht die Ehe in die Binsen.
Doch genauso unglücklich ist der trotz aller Schwierigkeiten so heiß geliebte jüngste Spross der Familie. Er ist weder bösartig noch dumm und merkt genau, dass bei ihm irgendetwas anders ist. Tag für Tag strengt er sich an, will doch so gerne alles richtig machen und macht ganz viel falsch. Immer nur schreit man ihn an, schimpft mit ihm, an manchen Tagen so oft, dass er es gar nicht zählen kann. In der Schule will er so gerne aufpassen, doch wenn`s langweilig wird, kann er einfach nicht stillsitzen, zappelt rum und ,,stört". Dass Mama so viel weint, kann er gar nicht vertragen und eigentlich möchte er so sein, wie die anderen und wie seine blöde große Schwester, die so gut in der Schule ist, so viele Freundinnen hat und nie ihre Hausaufgaben vergisst....
Längst wurden die geplagten Eltern wahrscheinlich schon von professionellen Ansprechpartnern aus dem medizinischen, psychologischen und pädagogischen

Bereich mit den unterschiedlichsten Erklärungen bedacht. ,,Nicht so schlimm, das ändert sich in der Schule", hieß es im Kindergarten. Doch im Schulalter wird dann schon genauer hingeschaut. Denn kommt aggressives Verhalten oder Verweigern hinzu, wird das Kind als ,,unverschämt frech und ohne Gefühl für das alltägliche Miteinander, als Klassenkasper und mit dem Bedürfnis immer im Mittelpunkt zu stehen", bezeichnet, kommt die Eltern-Kind-Beziehung auf den Prüfstand. Und natürlich finden Fachleute einiges, denn Eltern sind nun mal keine perfekten Menschen. Sie appellieren, korrigieren, schreien, vergleichen mit der großen Schwester, die so wunderbar funktioniert und verletzten damit ungewollt ihr jüngstes Kind. Doch früher oder später, wenn Unruhe und Konzentrationsmangel immer größer werden, vielleicht eine Lese-Rechtschreib-Schwäche hinzugekommen ist, wird ein ,,hyperkinetisches Syndrom" diagnostiziert. Das kann alles und nichts sein - von leichter Unruhe, die sich in der Pubertät angeblich ,,auswächst" über schwerste Störungen bis zum Nägelkauen. Doch steckt mehr dahinter, als ein bisschen Zappeln, muss weiter geforscht und sehr sorgfältig diagnostiziert werden. Kinderneurologische Untersuchungen und psychologische Tests durch speziell ausgebildete Ärzte und Psychologen gehören genauso dazu, wie Gespräche mit Eltern und Lehrern. Kommt dann ein ,,Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit und ohne Hyperaktivität" (kurz ADS/ ADHS) heraus, ist man als Eltern erst einmal erleichtert. Also doch etwas körperliches, etwas medizinisches, das man vielleicht mit Tabletten heilen kann! Doch so einfach ist die ganze Geschichte nicht. Die Diagnose ADHS ist keine Entschuldigung, sondern nur der Anfang eines weiten Weges. Bis heute gibt es keine Therapie, die spontan Wutanfälle, Unruhe oder den exzessiven Gebrauch von peinlichen Schimpfwörtern abstellt. Viel Geduld, viel Verständnis und viel Liebe ist angesagt, denn Eltern müssen lernen mit der Problematik des Kindes zu leben, nicht dagegen zu kämpfen und einfach zu akzeptieren, dass ihr Kind einfach nicht anders sein kann, als es ist. Und doch ist es nicht hoffnungslos, denn Eltern können lernen, die Herausforderung anzunehmen und ihr Kind zu lenken. Sind Sie tatsächlich Eltern eines ADS-Kindes müssen Sie sich von einigem verabschieden. Zum Beispiel von Harmonie unter den Geschwistern, Sie werden ein Kinderleben lang rund um die Uhr gefordert werden, Sie müssen konsequent und strukturiert handeln, vielleicht sogar zu Medikamenten greifen und sich trotzdem darüber im klaren sein, dass ihr Kind immer eine Außenseiter-Position einnehmen wird. Doch belohnt werden Sie oft mit einem Kind, das sehr sensibel ist, ein großes, gutmütiges Herz hat, begeisterungsfähig und verblüffend kreativ ist. Und nicht nur der berühmte ,,Zappelphilipp" war ein ADS-Kind, sondern auch Einstein, Mozart, Dustin Hoffmann und Thomas Alva Edison. Egal ob Sie betroffene Eltern, Erzieher oder Pädagogen sind, verpassen Sie auf keinen den Vortrag von Cordula Neuhaus am 20. d.M. Sie zählt zu den besten Spezialistinnen auf dem Gebiet des ADS/ADHS und hat mehrere Fachbücher herausgebracht.(siehe nebenstehenden Bericht).
Vortrag mit Cordula Neuhaus, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin, Dipl.-Heilpädagogin, Dipl.-Psychologin, Verhaltenstherapeutin, Supervisorin, Dozentin , Lehrtherapeutin und eine der wenigen deutschsprachigen Spezialisten auf dem Gebiet des ADS/ADHS. Wann: 20. Oktober, 19 Uhr. Wo: Aula der Golden-Bühl-Schule, Offenburger Straße 32, Villingen. Titel: ,,Das Kind mit ADHS im Kindesalter", interessant für Eltern, Lehrer, Erzieher (keine Kosten).

Cordula Neuhaus kommt - hier ihr Buch
Das hyperaktive Kind und seine Probleme

,,Kai ist nicht tragbar in einer Klasse mit 28 Kindern. Ständig ist er mit etwas anderem beschäftigt, folgt nicht, ist unruhig, stört die anderen, zum Teil mit ausgeprägter Aggressivität und steht dann noch nicht einmal dazu...." Mit diesem Brief einer Lehrerin an die Mutter beginnt ,,Das hyperaktive Kind und seine Probleme" (ISBN 3-332-00872-2). Ein Buch von Cordula Neuhaus, Dipl.-Heilpädagogin, Dipl.-Psychologin und Verhaltenstherapeutin. Sie arbeitet in einer eigenen Praxis mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, ist Dozentin und Supervisorin in der Fort- und Weiterbildung in Klinischer Verhaltenstherapie in Stuttgart, Bad Dürckheim und Tübingen und begehrte Referentin. Sie zählt zu den besten Spezialistin auf dem Gebiet des ADS (Aufmerksamkeitsdefizitsyn-drom) /ADHS (Aufmerksamkeits-defizitsyndrom mit Hyperaktivität) und wird am 20 d.M. in Villingen referieren. Eingeladen vom Arbeitskreis ADS, der von Oschi Patricia Rist, niedergelassene Fachärztin für Allgemeinmedizin mit etlichen Zusatzausbildungen, gegründet wurde, wird sie Informationen aus erster Hand geben. Ihr Buch spiegelt die besondere Problematik eines ADS-Kindes wieder, seine Defizite und Störungen, aber auch seine besonderen Fähigkeiten. Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten geben betroffenen Eltern absolut notwendige Informationen. Aber auch jede Menge konkrete Hilfe für die alltäglichen Probleme zu Hause und in der Schule bietet dieses Buch. Es ist ein Begleiter durch die Kinder- und Teeanger-Zeit. Es gibt Eltern die Chance, sich zu professionellen Erziehern und kompetenten Gesprächspartnern zu entwickeln und stärkt ihnen den Rücken, damit sie die Kraft haben, stets zu ihren Kindern zu halten und für sie einzutreten. ,,Auch ADS-Kinder haben ein Anrecht auf ein glückliches Kinderleben", schreibt Cordula Neuhaus und mit diesem wichtigen Satz endet ihr Buch.
Dieses Glück hat nicht jede Frau in Silvias Situation, denn nicht jeder Mann wird damit fertig. Oft zerbricht die Ehe und macht das Unglück doppelt groß. Was heute Silvia mit ihrem Mann verbindet, ist viel, viel mehr als Liebe, Sexualität, Kinder, gemeinsame Vergangenheit. Es ist Urvertrauen in den Partner, es sind unsichtbare Bänder, die sie aneinanderschweißen, es ist fast etwas spirituelles, was jeder ahnt, der sie zusammen sieht. Es ist das Glück, dass man einander hat und die Freude über jeden Tag. Zu kleine Brüste, zu hängende Brüste, zu spitze Brüste? Ein Problem, dass man mit viel Geld und Silicon beseitigen sollte? Doch ist das wirklich ein Problem? Und danach? Kommt dann das Glück ins Haus?

Tipp
Gymnastiklehrerin und Buchautorin Heike Höfler bietet eine besondere Atem- und Meditationsstunde am Dienstag, 29. November von 18.30 bis 19.30 Uhr im Diakoniewerk, Trossingen, Wagnerstr. 5, an. Ziel ist die Entspannung verkrampfter Muskeln, Wohlfühlen und zur Ruhe kommen. Sie lernen den tiefen Atem kennen und wie man über den ruhigen Atem zur Entspannung und zur tiefen Ruhe kommt. Kosten: € 8,-- , Anmeldung bei Heike Höfler, Tel. 07425-27947 oder HeikeHoefler@web.de. Jeden ersten Mittwoch im Monat bietet Angelika Ertle von 19 bis 20 Uhr eine kraftvolle Heilmeditation (von der russischen Volksheilkunde) im Vitalon im Hotel Ochsen (neben Donauhalle in Donaueschingen) an. Kosten: € 10,--, persönliche Heilgespräche sind im Anschluss möglich (zusätzlich € 5,--). Mehr unter Tel. 076547-8307 oder www.heil-seminar.de. ck.

Barbara Dickmann