
Hoch die Tassen - es gibt nur Kaffee und Wasser, denn die Mitglieder der Selbsthilfegruppe wissen ganz genau, dass der kleinste Tropfen Alkohol einen Tsunami auslösen kann
Gabi ist neu in der Gruppe – Gerda auch! Sie haben gerade eine Entgiftung hinter sich und starten wieder durch. Gabi und Gerda sind Alkoholikerinnen und alle Menschen, die hier bei Kaffee, Sprudel und Plätzchen am Tisch sitzen, wissen genau, wovon diese beiden Frauen sprechen...
Dienstag, 12. Juli, 19.30 Uhr in den Räumen der Fachstelle Sucht in Villingen (siehe Info-Kasten).
Die Selbsthilfegruppe „Vorwärts“ hat zu ihrem 14tägigen Treff eingeladen. „Wie geht es Euch“, fragt die Gruppenleiterin, selbst seit 14 Jahren trockene Alkoholikerin. Vier Frauen und drei Männer berichten kurz, wie sie sich fühlen, was sie bedrückt und wie sie ihre Probleme lösen. Sigrid leidet unter Schlafstörungen und versucht es mit Lesen, Monika ist depressiv und schluckt Tabletten, Heinz hat schweres Asthma, das sei eben so und Erwin versucht sich selbst positiv zu motivieren.
Doch alle haben eins gemeinsam: sie fühlen sich auf einem guten Weg, sie sind zufrieden! Und zwar mit sich selbst! Oder anders gesagt: sie haben ein gesundes Selbstbewusstsein entwickelt. „Das ist der Grundstock um clean zu bleiben“, sagt die Gruppenleiterin und Gabi und Gerda können das nur bestätigen. Genau das muss ihr Weg sein, doch im Augenblick hadern sie mit sich selbst, mit ihrer Unfähigkeit trocken zu bleiben – mit ihrem Rückfall, den sie sich nicht verzeihen können. „Wir alle haben das schon erlebt – den Rückfall!“ Es gibt keinen in der Runde, der nicht nickt.
Bei Gabi ist es der zweite in fünf Jahren und was sie erzählt, klingt ziemlich dramatisch. Sie wollte doch nur alles richtig machen: Die Geburtstagsparty des Sohnes steht an.
Doch Gabi ist schon seit Wochen wieder auf dem Tripp sich abends ein Viertele Wein zu gönnen – manchmal auch zwei oder drei.
„Die letzte Phase meines Arbeitslebens hat mich unheimlich belastet und ich konnte nicht mehr schlafen. Im Ruhestand wollte ich wieder aufhören“, erklärt sie ihre Motive.
Doch zwei Tage vor dem Fest wird sie immer hektischer und trinkt immer mehr. In 12 Stunden drei Flaschen Wein! Das Essen vergisst sie völlig und zu allem Überfluss fällt sie auch noch hin. Gabi verbringt den Geburtstag ihres Sohnes in der Klinik für Psychiatrie Rottenmünster in Rottweil auf der Entgiftungsstation. Und dort lernt sie Gerda kennen.
Gerdas Alkoholikerkarriere beginnt schleichend. Hineingeboren in einen Akademiker-Haushalt, später verheiratet mit einem Akademiker und selbst erfolgreich im Beruf wird sie die gewünschte Vorzeige-Tochter. Doch irgendwie funktioniert das nicht. Gerda langweilt sich, Geld spielt keine Rolle. Das Abendessen beginnt mit einem Aperitif, zum Fisch gibt es Weißwein und so weiter. Irgendwann lernt sie einen anderen Mann kennen und zieht mit ihrer kleinen Tochter aus. Gerda wird alleinerziehend, das Geld ist knapp und ein chaotisches Leben beginnt, das sie nur noch mit 1,5 Promille im Blut ertragen kann. „Mir ging es einfach zu gut und ich war ziemlich rücksichtslos“, sagt sie im Nachhinein.
Gerda arbeitet trotzdem, doch man sieht es ihr an, man riecht es, ihre Schrift ist kaum zu lesen und morgens greift sie als erstes zur Flasche. „Wie ich den Alltag überhaupt durchgehalten habe, ist mir heute ein Rätsel“, sagt Gerda immer noch fassungslos. Als die Polizei sie mit einer Fahne im Auto erwischt und auch noch ihre Tochter im Polizeiauto von der Schule abgeholt werden muss, wird sie schlagartig nüchtern, trinkt eine Woche keinen Tropfen und geht in den Entzug. Gerda schämt sich. Auch ihre Mutter lässt sie fallen. „Meine Tochter ist für mich gestorben“, sagt sie und erst als es wieder aufwärts geht, nimmt sie den Kontakt wieder auf. Das ist jetzt elf Jahre her. Doch immer, wenn es besonders chaotisch wird, erlebt Gerda einen Rückfall. Und jedes Mal beginnt es mit einem kleinen Gläschen Wein, um mit anstehenden Problemen fertig zu werden. Aus dem Gläschen wird dann schnell eine Flasche und dann noch eine. Doch beim letzten Rückfall läuft die Geschichte anders. Gerda zieht selbst die Reißleine und geht zum Hausarzt bevor sie wieder voll auf Droge ist. „Ich schaff es nicht mehr“, sagt sie zu ihm und auch zu ihrem Chef. Gerda sagt ihm die Wahrheit, stößt auf großes Verständnis und geht nach Rottweil.
Doch zwei Tage vor dem Fest wird sie immer hektischer und trinkt immer mehr. In 12 Stunden drei Flaschen Wein! Das Essen vergisst sie völlig und zu allem Überfluss fällt sie auch noch hin. Gabi verbringt den Geburtstag ihres Sohnes in der Klinik für Psychiatrie Rottenmünster in Rottweil auf der Entgiftungsstation. Und dort lernt sie Gerda kennen.
Gerdas Alkoholikerkarriere beginnt schleichend. Hineingeboren in einen Akademiker-Haushalt, später verheiratet mit einem Akademiker und selbst erfolgreich im Beruf wird sie die gewünschte Vorzeige-Tochter. Doch irgendwie funktioniert das nicht. Gerda langweilt sich, Geld spielt keine Rolle. Das Abendessen beginnt mit einem Aperitif, zum Fisch gibt es Weißwein und so weiter. Irgendwann lernt sie einen anderen Mann kennen und zieht mit ihrer kleinen Tochter aus. Gerda wird alleinerziehend, das Geld ist knapp und ein chaotisches Leben beginnt, das sie nur noch mit 1,5 Promille im Blut ertragen kann. „Mir ging es einfach zu gut und ich war ziemlich rücksichtslos“, sagt sie im Nachhinein.
Gerda arbeitet trotzdem, doch man sieht es ihr an, man riecht es, ihre Schrift ist kaum zu lesen und morgens greift sie als erstes zur Flasche. „Wie ich den Alltag überhaupt durchgehalten habe, ist mir heute ein Rätsel“, sagt Gerda immer noch fassungslos. Als die Polizei sie mit einer Fahne im Auto erwischt und auch noch ihre Tochter im Polizeiauto von der Schule abgeholt werden muss, wird sie schlagartig nüchtern, trinkt eine Woche keinen Tropfen und geht in den Entzug. Gerda schämt sich. Auch ihre Mutter lässt sie fallen. „Meine Tochter ist für mich gestorben“, sagt sie und erst als es wieder aufwärts geht, nimmt sie den Kontakt wieder auf. Das ist jetzt elf Jahre her. Doch immer, wenn es besonders chaotisch wird, erlebt Gerda einen Rückfall. Und jedes Mal beginnt es mit einem kleinen Gläschen Wein, um mit anstehenden Problemen fertig zu werden. Aus dem Gläschen wird dann schnell eine Flasche und dann noch eine. Doch beim letzten Rückfall läuft die Geschichte anders. Gerda zieht selbst die Reißleine und geht zum Hausarzt bevor sie wieder voll auf Droge ist. „Ich schaff es nicht mehr“, sagt sie zu ihm und auch zu ihrem Chef. Gerda sagt ihm die Wahrheit, stößt auf großes Verständnis und geht nach Rottweil.
„Es ist, als wenn sich ein Schalter umlegt, sobald ich den ersten Schluck trinke“, sagt sie .
„Rottenmünster“ das Stichwort für Psychiatrie, Entgiftung und Therapie wird an diesem Abend oft in den Mund genommen.
Doch war für Außenstehende eine schreckliche Vorstellung ist, ist für alle Anwesenden die Rettung schlechthin. „Rottenmünster ist für mich die zweite Geburtsstätte ich gehe immer wieder gerne hin“, sagt die Gruppenleiterin und spricht damit allen aus dem Herzen.
Die eigentliche Entgiftung ist nach drei Tagen ausgestanden, doch danach kommen die unterschiedlichsten Therapien. „Danach fühlst Du Dich unheimlich stark“, sagt Gerda, doch die Stärke verschwinde im Alltag ganz schnell wieder. Stärke und Halt bringt die Gruppe – darin sind sich alle einig. Auch Gerda und Gabi, die beiden „Neuen“ fühlen sich aufgenommen und motiviert. Sie müssen nach vorne schauen, lernen sich selbst zu verzeihen, müssen selbstbewusster werden und einen großen Grundsatz verinnerlichen: Alkohol kann keine Probleme lösen.
Nach knapp zwei Stunden ist dieser Abend vorbei. Gabi und Gerda haben in den Anwesenden Erinnerungen an ein Leben geweckt, in dem sie nichts mehr fühlen wollten und keine Kraft mehr hatten. Alle Namen in dieser Reportage haben wir geändert und natürlich dringt kein Wort aus dieser Gruppe von Menschen nach draußen, die sich gegenseitig stützen und verstehen.
Selbsthilfegruppen
Die Selbsthilfegruppe „Vorwärts“ für trockene Alkoholiker trifft sich 14-tägig dienstags um 19.30 Uhr in Villingen, Großherzog-Karl-Str. 6 in den Räumen der Fachstelle Sucht.
Kontakt: 07721-878646. Sie ist offen für Jeden, der trocken ist. Weitere Selbsthilfegruppen in Villingen: Anonyme Alkoholiker , Kontakt: 01714108711, AL-ANON, Angehörigengruppe, Kontakt: 07721-2064489, mit Nebenstellen in Schwenningen und St. Georgen.
Hier werden auch Alkoholiker akzeptiert, die noch trinken.
Blaukreuz-Gruppe in VS-Schwenningen, Kontakt: 07720-64812, mit Nebenstellen in St. Georgen , Trossingen, Tuningen, Blumberg, Selbsthilfegruppe in St. Georgen, Kontakt: 07722-869731.
Wichtig: In der Regel sind die Gruppenleiter Alkoholiker, haben aber eine spezielle Ausbildung zum Gruppenleiter absolviert.
„Rottenmünster“ das Stichwort für Psychiatrie, Entgiftung und Therapie wird an diesem Abend oft in den Mund genommen.
Doch war für Außenstehende eine schreckliche Vorstellung ist, ist für alle Anwesenden die Rettung schlechthin. „Rottenmünster ist für mich die zweite Geburtsstätte ich gehe immer wieder gerne hin“, sagt die Gruppenleiterin und spricht damit allen aus dem Herzen.
Die eigentliche Entgiftung ist nach drei Tagen ausgestanden, doch danach kommen die unterschiedlichsten Therapien. „Danach fühlst Du Dich unheimlich stark“, sagt Gerda, doch die Stärke verschwinde im Alltag ganz schnell wieder. Stärke und Halt bringt die Gruppe – darin sind sich alle einig. Auch Gerda und Gabi, die beiden „Neuen“ fühlen sich aufgenommen und motiviert. Sie müssen nach vorne schauen, lernen sich selbst zu verzeihen, müssen selbstbewusster werden und einen großen Grundsatz verinnerlichen: Alkohol kann keine Probleme lösen.
Nach knapp zwei Stunden ist dieser Abend vorbei. Gabi und Gerda haben in den Anwesenden Erinnerungen an ein Leben geweckt, in dem sie nichts mehr fühlen wollten und keine Kraft mehr hatten. Alle Namen in dieser Reportage haben wir geändert und natürlich dringt kein Wort aus dieser Gruppe von Menschen nach draußen, die sich gegenseitig stützen und verstehen.
Selbsthilfegruppen
Die Selbsthilfegruppe „Vorwärts“ für trockene Alkoholiker trifft sich 14-tägig dienstags um 19.30 Uhr in Villingen, Großherzog-Karl-Str. 6 in den Räumen der Fachstelle Sucht.
Kontakt: 07721-878646. Sie ist offen für Jeden, der trocken ist. Weitere Selbsthilfegruppen in Villingen: Anonyme Alkoholiker , Kontakt: 01714108711, AL-ANON, Angehörigengruppe, Kontakt: 07721-2064489, mit Nebenstellen in Schwenningen und St. Georgen.
Hier werden auch Alkoholiker akzeptiert, die noch trinken.
Blaukreuz-Gruppe in VS-Schwenningen, Kontakt: 07720-64812, mit Nebenstellen in St. Georgen , Trossingen, Tuningen, Blumberg, Selbsthilfegruppe in St. Georgen, Kontakt: 07722-869731.
Wichtig: In der Regel sind die Gruppenleiter Alkoholiker, haben aber eine spezielle Ausbildung zum Gruppenleiter absolviert.
