Das Ende von: "Brille vergessen"

- Hilfe für Analphabeten -

Mehr als vier Millionen erwachsene Menschen in Deutschland haben Probleme mit dem geschriebenen Wort. Sie schummeln sich so durch, vermeiden es, zu schreiben und sind oft auf dem Stand eines Drittklässlers. Sie sind sogenannte funktionale Analphabeten und jährlich kommen etwa 80.000 Hauptschul-abbrecher hinzu, die nicht über die nötige Grundbildung verfügen. (Quelle: Bundes-verband Alphabetisierung und Grund-bildung). Die meisten Betroffenen versuchen, ihr Manko zu verbergen. "Ich habe meine Brille vergessen", ist ein typischer Trick im Restaurant, wenn sie

Schilder nicht lesen können, fragen sie die Leute auf der Straße und beim Fahrplan an der Bushaltestelle wissen sie mittlerweile, dass "Sonn- und Feiertage" immer ganz rechts stehen.
Wie man überhaupt den Alltag bewältigt, ohne richtig lesen und schreiben zu können, ist für Nicht-Betroffene ein Rätsel. Wie macht man Bankgeschäfte, geht einkaufen oder schließt gar Verträge ab? Und welche Berufe kann man heute noch ausüben, wenn das geschriebene Wort ein Buch mit sieben Siegel ist? In der Großstadt ist kompetente Hilfe leicht gefunden.

Doch wer in der Kleinstadt oder auf dem Land sich zu seiner Schwäche bekennt und einen Volksschulkurs besucht, muss schon sehr mutig und selbstbewußt sein. Hilfe bietet hier das Internet. Unter www.alphabetisierung.de oder www.ich-will-schreiben-lernen.de findet man etliche Angebote und Unterrichtsmaterialien. Sollten Sie vielleicht Vertrauensperson eines Menschen sein, der Probleme mit dem geschriebenen Wort hat, gehen Sie mit ihm einfach mal gemeinsam ins Netz. Vielleicht ist das ein erster Schritt in die richtige Richtung. Denn das Internet hat einen großen Vorteil - man bleibt anonym.

Barbara Dickmann