Anna B. ist 21 Jahre jung, als ihr Sohn geboren wird. Anna B., gerade im zweiten Lehrjahr als Bürokauffrau, schafft die Doppelbelastung und das komplizierte Zusammenleben mit ihrem Freund nicht. Sie bricht die Ausbildung ab und versucht, ihr Leben neu zu regeln. Heute ist sie 25, lebt allein mit ihrem Sohn in einer kleinen Wohnung und arbeitet halbtags in einer Bäckerei. So manches Mal denkt sie wehmütig an ihre begonnene Ausbildung zurück und es tut ihr Leid, dass sie damals aufgegeben hat.
Keine Frage, Anna B. braucht eine zweite Chance, denn gerade als Alleinerziehende ist ein guter Beruf wichtig. Anna B. bekommt eine zweite Chance, denn im Rahmen des neuen Projektes Diana des Diakonischen Werks Baden-Württemberg e.V. und des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Baden-Württemberg e.V. kann sie eine Teilzeitausbildung absolvieren, die speziell für junge Frauen und Männern mit Kindern angeboten wird und die sich an ihren Wünschen und Neigungen und an die Gegebenheiten des regionalen Arbeitsmarktes orientiert.
Anna B. informiert sich beim Berufsförderungszentrum Möhringen gGmbH und Katrin Mummenthaler, Dipl.-Sozialpädagogin, geht mit ihr die Rahmenbedingungen dieser Ausbildungsart durch. Voraussetzung ist keine abgeschlossene Berufsausbildung, mindestens ein Kind oder ein anderer, wichtiger Grund, warum eine Ausbildung nur in Teilzeit absolviert werden kann, Motivation und schulische Voraus-setzungen für eine Berufsausbildung, eine abgeschlossene Schulpflicht und möglichst nicht älter als 27 Jahre. Das trifft alles auf Anna B. zu und sie erkundigt sich, wie denn nun diese Teilzeitausbildung im Detail aussieht und Katrin Mummenthaler erklärt ihr folgendes: "Die Wochenarbeitszeit
beträgt in der Regel 25 Stunden, die Ausbildungsdauer vier Jahre, bei regulär zweijährigen Ausbildungsgängen drei Jahre. Die Fortsetzung einer bereits begonnenen Ausbildung ist möglich. Die betriebliche Ausbildung erfolgt in Betrieben des ersten Arbeitsmarktes und die Berufsschule wird vom 2. bis zum 4. Ausbildungsjahr besucht. Der Ausbildungsvertrag wird zwischen ihr und dem Ausbildungsbetrieb unmittelbar abgeschlossen und ergänzt durch einen Kooperationsvertrag mit dem Berufs-förderungszentrum Möhringen." Hört sich gut an, doch was ist, wenn Anna B. wieder nicht durchhält? Doch die Sozialpädagogin hat auch darauf eine Antwort, denn die Besonderheit dieses Programmes ist außerdem, dass die Teilnehmer intensiv beraten und unterstützt werden. Gemeinsam wird ein Ausbildungsbetrieb gesucht, eine wohnortnahe Kinderbetreuung organisiert, über die Sicherung des Lebensunterhalts nachgedacht, Praktiken in den verschiedenen Betrieben organisiert und etliche Seminare zu den Themen Bewerbung und Vorstellungsgespräche, Rechte und Pflichten als Auszubildender, Lernen und Prüfungsangst und Elternschule.
Was sie sich ohne Hilfe nicht zugetraut hätte, scheint jetzt möglich und Anna B. ist fest entschlossen, ihre begonnene Ausbildung als Bürokauffrau zu beenden... 2004 wurde dieses Projekt ins Leben gerufen und auch für 2005 besteht für junge Männer und Frauen mit Kindern die Chance, eine Ausbildung zu beginnen oder eine abgebrochene abzuschließen. Das Projekt stößt vor allem bei jungen Müttern auf sehr großes Interesse, was deutlich macht, wie wichtig eine solide Berufsausbildung ist, damit junge Väter und Mütter nicht auf dem Abstellgleis
landen. Und sollten Sie in einer ähnlichen Situation wie Anna B. sein, finden Sie in Katrin Mummenthaler oder Frau Sina Holste unter Tel. 07462-209332 kompetente Ansprechpartner, die für die gesamte Region zuständig sind.
Ausbildungsbetriebe in Villingen und Umgebung gesucht Zugegeben, es ist heute nicht leicht, einen mittelständigen Betrieb zu führen. Die Luft wird immer dünner und das Gerangel um Umsätze und Aufträge gleicht einem Krieg. Auszubildende sind kein Geschäft, sondern eher Belastung. Trotzdem hier die Bitte des Berufsförderungszentrums Tuttlingen-Möhringen an Betriebe, die insbesondere Ausbildungsplätze zur Bürokauffrau, Friseurin, Kosmetikerin nach dem oben beschriebenen Modell zur Verfügung stellen können. Helfen Sie mit, berufliche Chancengleichheit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf praktikabel umzusetzen und ermöglichen Sie jungen Männern und Frauen eine abgeschlossene Berufsausbildung zu erlangen. Alle Berufe nach dem Berufsbildungsgesetz und der Handwerksordnung kommen in Frage. Während der Ausbildungszeit erhalten die Teilnehmerinnen umfassende, konti-nuierliche und regelmäßige Beratungs- und Unterstützungsangebote zur Prävention und Intervention bei persönlichen Problemstellungen sowie zur Stabilisierung im Anforderungsgefüge von Elternschaft und Berufsausbildung. Hierzu zählt auch die Unterstützung bei schulischen oder beruflichen Lernproblemen. Bitte melden Sie sich bei ,typisch frau`(Telefonnummern siehe oben) oder direkt beim Berufs-förderungszentrum in Möhringen, Tel. 07462-209332, Email: teilzeitausbildung@bfz-moehringen.de
Barbara Dickmann
