Schon wie man am Seil zieht, verrät viel über die Art der Beziehungsgestaltung.
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Reden ist Silber - Schweigen ist Gold. Dieses alte Sprichwort hat Gabi B. eine "typisch frau"-Leserin aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis verinnerlicht. Sie schafft es einfach nicht, über ihre Gefühle, ihre Probleme zu reden, ja eigentlich weiß sie auch gar nicht so genau, was die Ursachen sind - was sie so niederdrückt. Gabi B. ist krank, zumindest fühlt sie sich so. Sie hat Ängste, die schon fast Panik-attacken sind. Und manchmal isst sie den ganzen Kühlschrank leer, um es sofort wieder zu erbrechen. Oft wird sie morgens wach und ihr Körper tut einfach weh. Wo genau, kann sie manchmal gar nicht lokalisieren. Dann will sie nur noch im Bett bleiben und vor dem Alltag fliehen.
Alles psychosomatisch, sagt nun auch schon der dritte Arzt und schickt sie zum Psychologen. Der will erst mal mit ihr reden, doch das funktioniert eben bei Gabi B. überhaupt nicht. Sie kann es einfach nicht. Ihre Erlebnisse und Erfahrungen einem Wildfremden mitzuteilen, ist nicht ihr Ding. Gabi B. wird ein klassischer Fall für die Konzentrative Bewegungstherapie (KBT). Sie geht davon aus, dass alles, was ein Mensch erlebt und erfährt, im Körper irgendwie hängen bleibt. In seiner Körperhaltung, seinen Bewegungen, seinem Auftreten, bis hin zu Schmerzen und Erkrankungen. Was im Umkehrschluss natürlich nichts anderes bedeutet, als das man über den Körper auch an die Psyche kommen kann.
Viel schlauer hat das der Arzt Viktor von
Weizsäcker (1886 - 1957) in seiner Gestaltkreislehre ausgedrückt: jedes Bewegen verändert unsere Wahrnehmung, was wiederum "innere Bewegungen" und somit einen seelischen Heilungsprozess in Gang setzen kann. Konzentrativ bedeutet, dass man sich in einer Therapiestunde mit allen Sinnen auf das Wahrnehmen des eigenen Körpers im Hier und Jetzt einlassen soll. Klingt einfach - ist es aber nicht.
Bei Gabi B. klappt schon die einfache Übung, durch den Raum zu laufen und die eigenen Bewegungen zu erspüren, überhaupt nicht. Irgendwelche Gefühle oder gar Erinnerungen kann sie nicht in Worte fassen. Erst beim dritten Versuch wird sie auf einmal wütend und ärgerlich. Sie sei wütend auf den Therapeuten, meint sie zuerst. Doch als der sie sogar noch ermuntert, diese Wut einfach heraus-zulassen, stampft sie mit den Füßen auf und plötzlich kann sie sogar erzählen. Sie merkt auf einmal, was sich da aufgestaut hat und jetzt kommt es aus ihr heraus...
Die Konzentrative Bewegungstherapie tritt in die Phase des Gesprächs. Oft geht das so im Wechsel über einen längeren Zeitraum. Erst Bewegung, oft auch mit Gegenständen wie Bällen, Stäben, Tüchern und dann das Gespräch.
Doch damit nicht genug. Die Anhänger dieser Therapie-Methode meinen, dass durch neue Bewegungen auch neue Wege erprobt werden können. Dass fixierte Haltungen und falsche Erwartungen quasi durch andere Bewegungen abtrainiert werden können. Dass man sogar die Fähigkeit wiedergewinnt zu wählen und zu entscheiden. Die Anfänge von KBT reichen zurück in die 20-iger Jahre. Damals lehrte die Berliner Gym-nastiklehrerin Elsa Gindler, wach und konzentriert und dem eigenen Körper zugewandt, ihre Bewegungen auszuführen. Ihre Schülerin Gertrud Heller brachte diese Methode nach Schottland. Dort erprobte sie der Arzt und Psychotherapeut Helmuth Stolze und stellte sie 1958 in Lindau als Konzentrative Bewegungstherapie vor.
Doch erst 1990 wurde sie in 23 Studien erprobt und ausgewertet und ist heute nach der reinen Gymnastik das am häufigsten eingesetzte körperorientierte Verfahren. Die Einschränkung: so gut die Erfolge bei Essgestörten sind, so wenig schätzen ältere Menschen diese Behandlung.
In Deutschland bieten derzeit ca. 100 Kliniken die Konzentrative Bewegungs-therapie an, zusätzlich gibt es über 250 Therapeuten. (Quelle: Gehirn & Geist) Eine davon ist Sybille Schmid, Praxis für Körpertherapie in Donaueschingen, in deren eigener Lebensgeschichte KBT eine große Bedeutung hat. Wir werden berichten.
Der Schlüssel zu Körper und Seele
Das Wort "ganzheitlich" spukt sofort im Kopf herum, wenn man sich mit der Konzentratriven Bewegungstherapie beschäftigt. Und der Ansatz leuchtet ein. Wenn Gespräche im Körper etwas bewirken, warum soll dann nicht der Körper etwas im Gehirn, in unserer Psyche bewirken. Jeder, der anfängt sich irgendwie zu bewegen, kann das bestätigen. Schon ein Spaziergang am Morgen verändert das Lebensgefühl. Regelmäßig joggen oder schwimmen ist nicht nur gut für den Kreislauf.
Doch hier scheint die ganze Sache noch etwas tiefer zu gehen und der Schlüssel liegt wohl in der Kombination. Der Kombination zwischen Bewegung und Gespräch. Warum laufen dann psycho-somatisch Kranke nicht einfach oder gehen schwimmen? Warum belasten sie unser Gesundheitssystem mit teuren Klinik-aufenthalten? - wird jetzt so mancher fragen! Weil sie nicht mehr können, sagt darauf jeder Therapeut zu Recht. Denn wenn man so weit unten ist, hat man auch nicht mehr die Kraft sich aufzuraffen. Dann braucht man einen Therapeuten, der die Bewegung quasi vorschreibt oder auf Rezept verschreibt. Was danach kommt, hat man dann selbst in der Hand, bzw. in den Beinen.
Barbara Dickmann
