Eine junge Frau mit einer Epithese. Bild: Firma Thämert, Burgwedel
Irmgard ist Model. Zwar nicht mehr die Jüngste, doch für ihr Alter äußerst attraktiv. Braun gebrannt, mit hellen Strähnchen im dunklen, modisch geschni-ttenen Haar, den Körper gerade und den Kopf hoch erhoben, läuft sie äußerst selbstbewusst über die Bretter, die die Welt bedeuten. Oft trägt sie dann zur langen Hose nur einen BH, der äußerst wohl gefüllt und gut geformt ist, denn Irmgards Busen kann sich sehen lassen.
Dann der Schock. Irmgard lässt den rechten Träger runter, ein schneller Griff und sie hat ihn in der Hand. Wen? Den rechten Busen, denn der ist aus weichem Silikon, leicht und anschmiegsam. Er haftet von allein und genau dort, wo früher einmal ihre rechte Brust war. Heute ist dort Haut, flach und braun und ästhetisch. Das
"früher" ist jetzt 18 Jahre her und damals stand sie genau am gleichen Fleck, verunsichert und voller Ängste, wenige Wochen nach ihrer Brustoperation. "Hier habe ich meine Reha gemacht", erzählt Irmgard völlig locker. Hier, das ist die Asklepios Klinik in Triberg, die zu einer Modenschau der besonderen Art eingeladen hat.
"Ich freue mich, dass ich heute hier bin und Ihnen zeigen kann, was Sie für Möglichkeiten haben!" Irmgard lächelt und das allein macht schon Mut und lässt die Welt wieder etwas bunter aussehen. 13 Frauen lächeln zurück. 13 besondere Frauen für eine besondere Modenschau. Einige haben ganz kurz Haare, einige tragen Perücken. Manche sehen aus wie das blühende Leben und manche sind gezeichnet von den Strapazen der letzten Wochen. Egal ob jung oder älter, ob kurze Haare oder Perücke - was sie verbindet ist der Krebs, der irgendwann in ihrem Körper wucherte und den sie in den Griff bekommen möchten.
Das geht! Irmgard ist das strahlende Beispiel dafür. So war es nicht immer, das gibt sie zu. Direkt nach OP und Chemo ging es ihr ziemlich schlecht. Und der Gedanke an weite, schlabberige Kleider, an BHs aus dem Sanitätshaus, im Styling passend zu Gesundheitsschuhen, ließen ihr Herz nicht gerade höher schlagen. Irmgard ist flott im Umziehen. Mal trägt sie "Lola", einen Traum aus schwarzer Spitze, mal "Flora", das Pendant in weiß. Mal kommt sie in ,,Elena" oder ,,Apart" oder ,,Galant" und zeigt viel Dekolleté. Hört sich das nach Sanitätshaus oder Krankenschein an? 13 Frauen lächeln und ihr Interesse ist geweckt. Kleine und große, leichte und
ultra leichte Brustepithesen (so nennt man jetzt den "modellierten Organersatz, oder früher Brustprothese) wandern von Hand zu Hand, selbsthaftende Mamillien (Brust-warzen) lassen die ganze Geschichte perfekt aussehen. Irmgard in den verschiedensten Badeanzügen ist der krönende Abschluss. Rot-Schwarz, Lila, Türkis! Mutige Farben für mutige, selbstbewusste Frauen! Wirklich super! Kein noch so scharfes Auge würde nur im Ansatz merken, dass eine Brust eine Epithese ist. Und schaut man auf die Verarbeitung, wird es klar. Wirklich ausgereift und mit viel Liebe zum Detail sitzt alles perfekt, kann nichts rutschen und sind genau die kritischen Stellen geschickt verdeckt. Kaufen kann und soll man nichts. Dafür aber ausprobieren und ganz in Ruhe fragen, was im Kopf herumschwirrt.
Ja sogar eine Fachfrau aus dem Sanitätshaus steht für Kosten- und Kassenfragen zur Verfügung. Zum Abschied wird Irmgard doch noch ernst: "Von Herzen alles Gute und vor allen Dingen Gesundheit", sagt sie und 13 Frauen spüren, dass das keine platte Redewendung ist.
"Silima" nennt die Hersteller-Firma diese Produktreihe (viele Infos unter www.silima.com). Silima kommt aus dem Summerischen und bedeutet: Es möge Dir wohl ergehen! Seit Januar bietet die Asklepios Klinik in Triberg diese spezielle Modenschau für alle brustoperierten Frauen aus der Region an. Scheuen Sie den Weg nicht, falls Sie Betroffene sind - es lohnt sich.
Hier die nächsten Termine: 30. April und 14. Mai, jeweils um 18.45 Uhr im Nebenraum der Cafeteria.
Barbara Dickmann
