Die Astral-Combo mit Sängerin Conny K.: Ein Hautnah-Konzert der Sonderklasse, powered by "typisch frau". Gitarrist Uli Dieser alias Ken Always, Initiator des einmal im Jahr stattfindenden Konzerts und Sängerin Conny K. im Dialog (links). Bilder: S. Przewolka
Mord und Totschlag, Krieg und Hungersnöte in der Welt. Jeden Tag das Gleiche . Die Nachrichten sind kaum noch zu ertragen. Und dann kommen die Einschläge immer näher - wird es fast hautnah. Junge Menschen werden in der Schule getötet, Kinderpornografie, Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Kurzarbeit, Entlassungen! Die Ärzte streiken, die Lehrer klagen, unsere Kinder und das Internet - und die Preise fallen. Ist das jetzt tatsächlich schon die Deflation? Und wenn ja, wie geht es weiter... Ängste, Ängste, Ängste. Am Abend ist man fix und alle, hat keine Lust auf gar nichts und möchte nur noch eins - den Kopf in den Sand stecken und nichts mehr hören und sehen, einfach darauf warten, dass es besser wird.
Doch hilft das wirklich? Vielleicht hilft hier ein kleines Quäntchen Glück, das Besinnen auf die kleinen Freuden, die den Kopf frei machen. Vielleicht sollte man sich den einen oder anderen Abend einfach nur fallen lassen...
Samstagabend, 14. März, 20.30 Uhr im El Greco in Villingen. Ein Blick auf die Bühne genügt. Denn das griechische Restaurant
weckt heute Abend nicht nur die Lust auf gutes Essen, sondern auf Fetz und Fun. Auf heiße Musik, auf Rock, auf Soul, auf Funkcovers. Angesagte, lang ersehnte Macher: Die Astral-Combo, eine heiße Partyband, die zu den Kultklassikern der Region gehört und seit 14 Jahren auftritt.
Acht Männer und Conny K., im Augenblick noch hinter der Bühne, freuen sich auf ihr Publikum und machen sich bereit, um "The Very Best Of" zu präsentieren. Friedlich aber geräuschvoll warten um die 160 Fans - ganz wenige sitzen, die meisten stehen oder lehnen an Tischen und Wänden, mehr oder weniger dicht gedrängt. Mittendrin wir "typisch frau"- Autorinnen mit Kind und Kegel. "Typisch frau" ist nicht Veranstalter, sondern Medienpartner und deshalb läuft die ganze Geschichte anders als Sie es, liebe "typisch frau"- Leserinnen und -Leser gewohnt sind. Keine Gespräche, keine Diskussionen, kein kostenloser Vortrag. € 12 Eintritt, viele neue Gesichter und ein bunt gemischtes Publikum.
Es ist nach 21 Uhr. Ohne viel Gerede legen acht Männer ganz in weiß mit Schlaghosen los. Da bleibt kein Auge trocken. Mit absolut perfekter musikalischer Qualität spielen sie, wie um ihr Leben. Ihre Instrumente lassen die Luft erzittern, ja selbst ihre Astral-Körper sind voll im Einsatz - einschließlich Stimme, Seele, Leidenschaft. Das Publikum ist fasziniert. Die bewegungsfreudigen unter ihnen beginnen zaghaft.
Doch dann kommt Conny K., die Sängerin, die Attraktion aus München. Bekannt für ihr heißes Outfit, das Männer genauso
lieben, wie ihre Stimme. Ihr Spitzname: Die Shirly Bassey aus dem Bayernland, die Diva mit der Lizenz zum Singen. Ihr Einstieg: Der Titelsong von "Goldfinger", dem James Bond Klassiker. Den Zuhörern bietet sich ein nahezu sahniger Klang. Selbst sehr nachdenkliche Gäste lächeln jetzt. Auch das ältere Semester (wie zum Beispiel ich mit 57 Jahren), genießen die ganze Geschichte und schwelgen still in Erinnerungen an den Superschwarm der schlaflosen, jugendlichen Nächte: Sean Connery - mittlerweile auch ziemlich in die Jahre gekommen.
Ein Glas Rotwein wäre nicht schlecht und das gibt es sogar zu zivilen Preisen. Auf der Bühne wird es jetzt fetzig. Conny K. und ihre Männer bewegen nicht nur Stimme, sondern auch ihre Körper. Das lässt sich das jüngere Semester unter den Zuhörern nicht zweimal sagen. Sie wippen, rocken, klatschen, springen, gehen einfach mit. Wer jetzt kein gutes Antitranspirationsmittel hat, ist verloren. Dann wieder ein melodisch getragener Song voller Emotionen, ehe es wieder zur Sache geht - etliche Stunden. Ihr Erfolg: einfach umwerfend. Professionelle Arbeit, jedes Detail der Show sitzt. Ihr Programm: eine bunte Mischung, die anmacht. Die Zeit vergeht schnell, für etliche viel zu schnell. Nur unfreiwillig verlassen die ersten diese heiligen musikalischen Hallen. Zu Hause wartet der Baby-Sitter, der Hund, oder einfach nur das Bett, wenn bei den älteren Semestern die Vernunft siegt.
Keine Frage, dieser Abend war nichts für Leute mit Platzangst. Und wenn Sie sich jetzt fragen, warum wir das gemacht haben. Hier die Antwort: Einfach mal den Kopf frei machen, keine ernsten Themen über Krankheit, Selbstfindung. Kein Gedanke an Wirtschaft und Finanzen. Dafür das Besinnen auf die kleinen Freuden, ein netter Abend mit netten Menschen und guter Musik, der nicht viel kostet. Einfach mal ein kleine Quäntchen Glück...
Barbara Dickmann

