Unsere Kinder werden mit dem Computer groß - kein Problem, wenn man gewisse Regeln beachtet. Bild: S. Dickmann
Keine Frage: ein Computer ist eine nützliche Sache. Was wären wir ohne Internet und Emails. Wie wunderbar lassen sich Texte bearbeiten, wie schnell ist ein Hotel gebucht und mit etwas Übung findet man auch genau die Information, die man gerade braucht. Es gibt sogar einige wenige Computer-Spiele, die ganz lehrreich und spaßig sind. Unsere Kinder werden damit groß. Ganz selbstverständlich gehört der Computer zum Kinderleben wie die Bauklötze oder ein Fahrrad. "Wenn Kinder erhebliche Schulprobleme haben und damit in meiner Praxis landen, ist übermäßiger Computer- und Fernsehkonsum fast immer ein Thema", schreibt Marion Hoffmann in ihrem Buch Muckis und Köpfchen, Kinesiologische Übungen für gestresste Kids (ISBN 978-3-0350-3033-4).
Das Problem: Wenn man auf den Bildschirm schaut, fehlt dem Sehvorgang die dritte Dimension - die Tiefe. Und je länger man schaut, umso mehr schaltet sich die Tiefenwahrnehmung aus. Wer häufig vor dem Fernseher oder Computer sitzt, bewegt sich oft auch zu wenig. Gerade Jungs sind sehr viel empfänglicher dafür, sich regelrecht in Computerspiele zu verkriechen. Eine weitere Gefahr ist die Einschränkung der Lern- und Gedächt-nisleistung. Was unsere Kinder morgens in der Schule lernen, wird bei den Hausaufgaben vom Gehirn verarbeitet und wandert erst innerhalb der nächsten 12 Stunden in das Langzeitgedächtnis. Doch der fließende Übergang vom Kurz- in das Langzeitgedächtnis wird wieder stark von Gefühlen beeinflusst.
Sind die Kids aufgeregt oder gestresst, klappt die ganze Geschichte nicht. Die im Kurzzeitgedächtnis abgelegten Erinner-ungen werden verdrängt und landen gar nicht erst im Langzeitgedächtnis.
Computerspiele bauen fast immer auf viel Action und Schnelligkeit auf und sind dabei von wilden, nervigen Geräuschen begleitet. Spielt man sie ausgerechnet noch vor dem Einschlafen, werden genau die Schlafphasen gestört, die dafür sorgen, dass im Schlaf Gedächtnisarbeit geleistet wird. Wie lange Kinder vor dem Computer (oder dem Fernseher) sitzen können, bevor es für ihr Gehirn brenzlig wird, ist von Kind zu Kind verschieden. Ingrid Hoffmann, von Beruf Sozialpädagogin mit eigener Praxis für Kinesiologie, Selbsthilfe und Therapie kommt im Durchschnitt auf etwa zwei Stunden. Alles, was darüber hinausgeht, schränkt die Hirnleistung der meisten Kids ein.
Hier einige Tipps für Ihr Kind und für Sie: Zeichnen Sie ein X auf und kleben es in die Ecke Ihres Computers. Dadurch, dass das Auge immer wieder mal auf das X schaut, bekommt das Gehirn den Anstoß, auch bei längerer Bildschirmarbeit gut zu funktionieren. Die "liegende Acht" hat in der Kinesiologie eine besondere Bedeu-tung. Unter www.marion-hoffmann.de kann man ein Programm als Bildschirmschoner herunterladen, das einen Punkt in Form der liegenden Acht über den Bildschirm wandern lässt. "Das finde ich sehr schön und es tut auch mir gut, wenn ich in meinen Arbeitspausen durch die liegende Acht geführt werde", schreibt die Sozialpädagogin in ihrem Buch. Ihre Augen und Ihre Gedanken ermüden dann nicht so schnell. Und wenn Sie und Ihre Kinder dann noch viel, viel Wasser trinken, sich gesund ernähren und sich auch noch so oft wie möglich bewegen, wird Ihr Gehirn auch noch den Computer locker verkraften.
Wichtig: Marion Hoffmann richtet sich in ihrem Buch direkt an unsere Kids. Sie steigt auf ihre Sprache ein und versucht mit ihren leichten, kinesiologischen Übungen Hilfestellung gegen Unsicherheit, Blockaden, Stress, Leistungsdruck und Prüfungsängste zu geben. "Der Kopf wird wieder frei, der Glaube an sich selbst gestärkt und das Lernen auf einmal fühlbar leichter", so Marion Hoffmann (Quelle: Buch Muckis und Köpfchen). Dass stundenlanges arbeiten, chatten oder spielen am Computer negativen Einfluss auf unsere Gehirnleistung haben kann, ist nur ein Effekt. Wenn es zur Sucht wird, wenn das Leben sich nur noch vor dem Computer abspielt, nutzen auch kein X und keine "liegende Acht". Dann hilft nur noch der Entzug.
Ein X macht wieder munter
- Was ist Kinesiologie? -
Kinesiologie verbindet sehr altes chinesisches Wissen mit modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Entwickelt wurde sie Anfang der 60iger Jahre von Dr. George Goodhardt. Er hat entdeckt, dass jeder Muskel am Körper mit Organen im Gehirnbereich in Verbindung steht. Wenn er mit einem Muskel gearbeitet hat, der schlapp war, musste das dazu gehörige Organ ein Energieproblem haben.
Dr. Goodhardt hat über die Arbeit am Muskel das Energieproblem ausgeglichen und es musste erst gar nicht dazu kommen, dass das dazugehörige Organ krank wurde. Aus diesen Anfängen haben sich ganz verschiedene Kinesiologie- Richtungen entwickelt. Es gibt heute Richtungen, die sich vorrangig mit der Gesunderhaltung beschäftigen und dem Lösen von Lernblockaden. Allen gemeinsam ist der kinesiologische Muskeltest. Zur Aktivierung des Gehirns und Lösung von Blockaden, wurden verschiedene Übungen entwickelt, die mit Bewegung oder mit dem Rubbeln von Anfangs- und Endpunkten von Energiebahnen zu tun haben. (Quelle: Buch s.o.)
Hier noch ein kleiner kinesiologischer Tipp für müde Autofahrer:
Auto fahren macht mich total müde. Nach zwei Stunden habe ich keine Lust mehr und merke, wie ich immer unkonzentrierter werde. Außer dem guten Rat, dann einfach Pause zu machen, gibt es noch einen kleinen Trick aus der Kinesiologie, der so ähnlich ist, wie die liegende Acht: Malen Sie ein X auf die Windschutzscheibe - natürlich nur mit dem Finger. Auch wenn man es eigentlich nicht "sieht" - es hilft Ihrem Gehirn nicht zu ermüden. Klingt zwar etwas seltsam, doch vielleicht hilf es ja auch Ihnen. Schaden kann es auf keinen Fall.
Barbara Dickmann
