Thekla Duldinger, Enkelin Jasima und Tochter Jutta Weißer - drei Generationen Power-Frauen, die das Schuhhaus Duldinger in Donauschingen selbstständig leiten.
Bild: B. Dickmann
Eine Frage: Wie viel Paar Schuhe stehen in Ihrem Schrank? Sind es fünf oder zehn? Oder zwanzig oder dreißig? Wie viele Schuhe braucht Frau eigentlich? Und wissen Sie, warum wir so gerne Schuhe kaufen? Ganz einfach, weil die Größe ein Leben lang bleibt. 38 bleibt eben 38, egal ob wir achtzehn oder 68 Jahre alt sind - egal ob wir fünfzig Kilo wiegen oder später achtzig.
Keine Frage: Schuhe waren schon immer etwas Besonderes und hatten einen hohen Stellenwert. In Ägypten trugen die Priester hohe Absätze um ihre gesellschaftliche Stellung zu repräsentieren, die Römer verzierten sie mit Edelsteinen und Sklaven durften überhaupt keine Schuhe tragen. Auch heute schaut nicht nur Frau sondern auch Mann auf die Schuhe. Denn teure, möglichst handgenähte, Schuhe zeigen, dass man(n) Stil und eine gehobene Stellung hat. Außerdem sind Schuhe einfach praktisch, bequem und gleichzeitig schön - zumindest sollten sie das sein.
"Auf die Beratung kommt es an", sagt Thekla Duldinger aus Donaueschingen, eine Frau, die ein ganz besonderes Verhältnis zu Schuhen hat. Egal ob Sandalen, High Heels, Ballerinas oder Sportschuhe, egal ob Kinder- oder Herrenschuhe - es gibt nichts in dieser Richtung, was ihr fremd ist. Und was Qualität ist, erkennt sie auf den ersten Blick.
Thekla Duldingers Schuhgeschichte beginnt 1974. Sie ist Familienfrau, versorgt und erzieht drei Kinder im Alter von elf, neun und sieben und hält ihrem Mann den Rücken frei. Denn der ist oft unterwegs, weil er mit dem Aufbau einer Schuhfabrik in Griechenland beschäftigt ist. Doch der gelernten Verkäuferin, die auch drei Jahre als Filial-Leiterin gearbeitet hat, reicht diese Aufgabe nicht. " Die Kinder waren
sehr selbständig und mir war einfach langweilig", sagt sie und als dann noch ein Ladenlokal frei wird, überlegt sie nicht lange. Die Geburtsstunde des `Schuhhaus Duldinger `schlägt. Thekla Duldinger steigt ins Geschäftsleben ein. Völlig eigenverantwortlich beginnt sie in einem kleinen Ladenlokal in Donaueschingen mit einem Sortiment von Kinderschuhen. Ihr Motto: gut und günstig. Ihr Lieferant: Die Schuhfabrik in Griechenland. 1976 erweitert sie ihr Sortiment um Damen- und Herrenschuhe. Thekla Duldinger hat Erfolg. "Vom ersten Tag an lief mein Geschäft", sagt sie. Ihr Mann hilft wo er kann und die Kinder bessern nach der Schule im Geschäft ihr Taschengeld auf. Schon bald stellt sich heraus, dass die Liebe zu Schuhen und zur Selbständigkeit vererbt worden ist. Denn schon in der vierten Klasse kann es ihre Tochter Jutta nicht mehr erwarten. "Mama, wann kann ich endlich zu dir in den Laden kommen?" fragt sie immer wieder. Der Betrieb wächst. 1980 zieht das Schuhhaus Duldinger, deren alleinige Chefin nach wie vor Thekla Duldinger ist, in ein größeres Ladenlokal. Und 1984 beginnt Tochter Jutta nach ihrem Realschulabschluss eine Lehre als Einzelhandelskauffrau im mütterlichen Betrieb. 1987 schließt sie ihre Ausbildung überaus erfolgreich ab.
Aus Jutta Duldinger wird Jutta Weißer, 1992 wird das erste Kind geboren und 1996 das zweite. Der Betrieb wächst und wächst. Thekla Duldinger beschäftigt mittlerweile vier Verkäuferinnen. Jutta Weißer arbeitet Teilzeit, ihre Schwiegermutter versorgt die Kinder oder sie nimmt sie einfach mit. "Manchmal stand halt der Laufstall im Geschäft", erinnert sich Jutta.
Ab 2000 arbeitet sie Vollzeit. Und in 2004 legt sie die Ausbildungseignungsprüfung ab. Fortbildung ist Juttas Ding. Sie ist fit in allen kaufmännischen und fachlichen Bereichen und liebt ihren Beruf. 2009 schlagen mütterliche und großmütterliche Gene wieder zu. Tochter Jasmina Weißer beginnt ihre Lehre als Kauffrau im Einzelhandel im Schuhhaus Duldinger. Das Drei-Mädel-Haus ist perfekt, denn nach wie vor leiten die Frauen der Familie den Betrieb. Eine ungewöhnliche, aber ausgesprochen erfolgreiche Konstellation.
60 Prozent Stammkundschaft, die älteren mit Problemfüßen schätzen Thekla Duldinger, Jutta Weißer ist die Fachfrau für Kinderschuhe und zu Jasmina kommen
die jüngeren Kundinnen und Kunden.
Ob sie etwas von der Wirtschaftskrise merke? Fragen wir. Thekla Duldinger überlegt einen Augenblick. "Eigentlich gar nicht, doch die Leute kaufen mehr hochwertige Schuhe, die lange halten. Und mehr denn je möchten sie gut beraten und bedient werden".
Doch genau das ist das Erfolgsrezept der Duldinger-Frauen: hochwertige Qualität zu vernünftigen Preisen, gute fachliche, ehrliche Beratung, viel, viel Zeit für zarte Kinderfüße, für ältere Menschen, für junge Erwachsene und Liebe und Begeisterung für den Beruf. Thekla Duldinger ist schon viele Jahre Witwe und Griechenland als Schuhlieferant ist Legende. Längst müsste sie nicht mehr arbeiten, doch nach wie vor ist sie die Erste am Morgen und die Letzte am Abend. "Nur am Samstag bleibe ich zu Hause", sagt sie und, "solange die Kunden mich akzeptieren, mache ich weiter".
Zugegeben: Unseren Männern reichen oft ein Paar braune und ein Paar schwarze Schuhe. Doch wir? Wir verwandeln uns: Mit flachen Sportschuhen wirken wir lässig und hohe Stilettos wählen wir für den rauschenden Auftritt. Faszination Schuhe - gepaart mit der Leidenschaft und der unermüdlichen Arbeit dreier Generationen von Power-Frauen - die Erfolgsstory schlechthin.
Frauen und Schuhe
Jede zweite Frau hat mehr als 25 Paar Schuhe. Lediglich siebzehn Prozent haben "nur" zehn Paar. Imelda Marcus, Frau des philippinischen Ex-Diktators Ferdinand Marcos hatte rund dreitausend und Popstar Maria Carey angeblich mehr als 10.000 Paar (Quelle Gewis-Institut). 29 Prozent der Frauen kaufen schon mal Schuhe, um sich zu belohnen. Knapp 50 Prozent leisten sich alle sechs bis zwölf Monate neue Schuhe. 46 Prozent interessieren sich für die neuesten Modetrends und für 37 Prozent ist modisches Aussehen wichtig. Trotzdem geben 80 % an, dass bequemer Sitz und gute Passform von entscheidender Bedeutung sind, 89 Prozent bevorzugen ein Fachgeschäft (Quelle Institut Ipsos). Absätze von mehr als vier Zentimetern Länge gelten unter Experten als gesundheitsschädlich. Zu den möglichen Folgen gehören eine Verkürzung der Wadenmuskulatur oder gar Arthrosen in den Kniegelenken.
Barbara Dickmann
