Eifersucht ist eine Sucht

- Wenn Zwangsverhöre die Partnerschaft bestimmen -

Eifersucht ist die Seele der Liebe, sagt ein japanisches Sprichwort. Eifersucht ist Liebesneid, der Zweifel an sich selbst, die Angst vor dem Vergleich und die Sorge, zu verlieren was man liebt. Ein bisschen Eifersucht kann eine Partnerschaft beleben und kann das Bemühen um den anderen verstärken. Um die Eifersucht ranken sich nicht nur klassische Dramen oder alltägliche Schlagzeilen. Und man muss auch nicht blind oder rasend vor Eifersucht sein. Doch dieses unsagbar quälende Gefühl begegnet uns oft im alltäglichen Leben - immer dann, wenn wir glauben zu wenig Liebe und Aufmerksamkeit zu bekommen. Geschwister sind eifersüchtig, wenn sie um die Liebe der Eltern buhlen, Eifersucht auf den Sportverein oder sogar den Computer des Partners, weil diese Dinge seine ganze Aufmerksamkeit beanspruchen. Wer eifersüchtig ist, vergleicht sich mit anderen, doch sollte man lieber überlegen, sich um sich selbst zu kümmern. In einer Liebesbeziehung kann Eifersucht auch durchaus angebracht sein, man muss den Anderen nicht bei einem Seitensprung noch unterstützen.
Doch führt schon das Gespräch mit einer attraktiven Frau, ein beiläufiger Scherz, eine charmante Bemerkung ihres Partners dazu, dass Sie ihm Vorhaltungen machen, traut er sich nicht mehr zu erzählen, dass er mit einer Kollegin essen war, weil Sie dann eine Szene hinlegen, sich zurückgesetzt, gekränkt oder minderwertig fühlen, dann sieht die ganze Geschichte schon etwas anders aus.
Denn Eifersucht kann eine Sucht werden, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft. Wenn wir schlimme Vermutungen nicht mehr hinterfragen, förmlich zerfressen werden und in ständiger Anspannung leben, den Partner kontrollieren und manipulieren und nur noch Vorwürfe und Zwangsverhöre die Beziehung bestimmen, dann erweist uns die Eifersucht einen schlechten Dienst. Wer ständig eifersüchtig ist und sich von diesen Gefühlen nicht mehr distanzieren kann, sieht sich selbst als Opfer und hält nicht viel von seinen eigenen Fähigkeiten. Und macht sich Eifersucht immer mehr im Leben breit, kann sie krankhaft werden. Wenn aus Liebe plötzlich Hass wird, Depressionen, Selbstmorddrohungen oder Wutausbrüche hinzukommen, können das Zeichen für eine übertriebene, eigentlich schon krankhafte Eifersucht sein. Eifersüchtige Menschen wollen die emotionale Zuwendung einer Person für sich allein besitzen und genau dafür setzen sie ihre Leidenschaft ein. Sie fühlen sich innerlich verwundet, unbedeutend, sind völlig irritiert, haben ein übersteigertes Kontrollbedürfnis, oft Rachegefühle, Selbstmitleid und Angst. Denn Eifersucht ist auch die Angst, dass jemand so sein könnte, wie man selbst sein möchte.
Die beste Hilfe gegen Eifersucht ist die Stärkung des Selbstbewusstseins. Denn Menschen, die an sich selbst glauben, nicht von der Meinung anderer abhängig und

eigenständig sind, einen eigenen Freundeskreis haben und sich selbst für liebenswert halten, kann anderen den nötigen Freiraum geben. Nur wer seinen eigenen Wert kennt, neigt weniger zur Eifersucht. ,,Eifersucht könnte man als die Krankheit der zu kurz Gekommenen bezeichnen, die mit ihren fixen Ideen versuchen, die Welt zu beherrschen, anstatt sie so zu nehmen, wie sie sich gibt. Versucht der Betroffene sein Leid zu verringern, sucht er meistens in die verkehrte Richtung. Anstatt seine Angst vor dem Alleinsein zu akzeptieren, loszulassen und die Fülle des Lebens kennen zu lernen und anzunehmen, versucht er noch stärker sein Eifersuchtsobjekt für sich zu sichern." (Zitat Peter Thiel)
Doch es gibt auch eine neue Eifersucht, mit der sich Ina Grau, Psychologin an der Universität Bielefeld beschäftigt. Sie heißt: Eifersucht im Freundes- und Bekanntenkreis. Wenn man am Montag erfährt, dass die Arbeitskollegen am Samstag weg waren, eine neue Frau im Verein auftaucht, die der besten Freundin so gut gefällt oder man nicht zum gemeinsamen Ski-Urlaub gefragt wird, kommt oft ein nagendes Gefühl auf - die Eifersucht. ,,Beziehungen zu Freunden sind wichtiger geworden," sagt die Psychologin, denn oft sind sie stabiler als Paarbeziehungen. Doch Kontakte zu pflegen ist ziemlich anstrengend und kompliziert, weil man sich bei Freundin Monika und beim Kollegen Klaus genauso melden muss, wie bei Hans, Peter, Ilse und, und, und... und im Nu ist der Terminkalender voll. Und trotzdem bleibt das Gefühl noch jemanden vergessen zu haben.
Aus Angst vor der Einsamkeit, pflegen manche Menschen nicht nur einen, sondern gleich mehrere Freundeskreise, da muss man schon ein Meister im Kommunizieren sein. Doch ob Partner oder Freunde, die Qualität der Beziehung hat einen entscheidenden Einfluss auf den Ausbruch von Eifersucht. Je abhängiger man sich macht, desto größer ist sie und je höher das Selbstwertgefühl ist, desto unabhängiger ist man und kann nehmen, was sich in einer Beziehung freiwillig bietet - ohne Zwang und Druck.

Wie Eifersucht eine Familie zerstört
Eine junge Frau erlebt die krankhafte Eifersucht ihres Vaters, als die Familiensituation sich verändert. Hier ihre Geschichte: ,,Ich bin 18 Jahre alt, noch in der Ausbildung und wohne zu Hause. Ich habe drei Geschwister, die alle älter sind und bis vor 8 Jahren war alles in Ordnung. Doch dann kauften meine Eltern ein Haus, renovierten es und das Geld wurde knapp. Meine Mutter, die bis dahin immer zu Hause war und für uns und meinen Vater sorgte, suchte sich einen Job im Büro. Sie blühte förmlich auf, die Arbeit gefiel ihr, schon nach kürzester Zeit übernahm sie immer mehr Verantwortung, verdiente

mehr Geld und hatte guten Kontakt zu ihren Arbeitskolleginnen und Kollegen. Auch zu Hause funktionierte alles gut. Meine älteren Geschwister und ich halfen mit - doch wer völlig aus dem Ruder lief, war mein Vater. Seit meine Mutter arbeitet, macht er ihr das Leben zur Hölle. Er bildet sich ein, meine Mutter hätte einen Freund, er verdreht jeden Satz im Mund, hört überhaupt nicht zu und jedes Wort, was er auffängt bastelt er in seinen Wahnvorstellungen zu irgendeiner total aus der Luft gegriffenen Beschuldigung um. Mindestens zwanzig Mal am Tag, ruft er sie im Büro an, kontrolliert die Telefonnummern im Speicher und wühlt die Post durch. Sie darf nicht mal alleine einkaufen, ohne dass er wieder ausrastet und wehe, sie kommt auch nur fünf Minuten zu spät. Oft nimmt er sich früher frei und holt sie von der Arbeit ab - einmal hat er sogar einen Arbeitskollegen von ihr auf offener Straße beschimpft. Manchmal habe ich richtig Angst, denn er ist an den schlimmen Tagen richtig bösartig, dann verändert sich sein Gesicht, seine Augen haben ein seltsames, eigentlich irres Leuchten und auf welche Ideen er dann kommt, kann sich ein Gesunder nicht ausmalen. Ich glaube wirklich, dass das krankhaft ist, denn an guten Tagen, wenn meine Mutter bei ihm zu Hause ist und sich nur um ihn kümmert, geht es ihm richtig gut. Er schleimt sich förmlich ein, holt ihr die Sterne vom Himmel, schenkt ihr Blumen, entschuldigt sich für sein Verhalten und schwört Besserung. Eigentlich könnte alles so schön sein, meine Geschwister haben alle einen Abschluss und gute Berufe, auch ich funktioniere gut, es ist genug Geld da und keiner von uns ist krank - außer Vater. Doch jetzt ist es fast nicht mehr zum Aushalten, unsere Familie geht vor die Hunde. Meine Geschwister sind schon längst ausgezogen, doch ich traue mich nicht, meine Mutter allein zu lassen. Sie ist so lieb und harmoniebedürftig und wird jetzt so fertig gemacht. Ich glaube, Vater ist einfach krankhaft eifersüchtig auf alles - auf ihren Erfolg bei der Arbeit und wie sie einfach alles managt. Wir haben alle versucht, mit ihm zu reden, doch Vater blockt sofort, er will nicht zum Arzt, er ist ja nicht krank - Mutter soll einfach nur bei ihm sein, nicht arbeiten gehen und mit keinem anderen sprechen. Wir haben mittlerweile auch keine Freunde mehr und ziehen uns immer mehr von allen sozialen Kontakten zurück, weil man nie weiß, wann Vater wieder seine Eifersuchtsphase bekommt und Mutter vor allen möglichen Leuten beschimpft. Ich habe mich beraten lassen und weiß, was ich tun sollte. Doch ich kann Mutter einfach nicht alleine lassen, nachdem schon meine Geschwister ausgezogen sind. Auch meine Mutter geht jetzt in eine Beratungsstelle und darüber bin ich froh, denn lange kann ich es auch nicht mehr aushalten - und sie auch nicht. Aufgezeichnet von

Barbara Dickmann