Laura Pasquale, Annette Kliche, Inh. Margot Schwörer, Petra Fritsch, Manuela Roeder. (von links) Bild: Alexandra Adelbrecht
Kann sein, dass Margot Schwörer aus Hüfingen zum ,,Modellprojekt" wird. Dass sie ein ,,gutes Beispiel" wird und Ideengeber. Kann sein, dass sie in einem Kalender auftauchen wird und in einer zugehörigen Homepage. Warum? Weil sie, ohne das geringste zu ahnen, dem Trend der Stunde gefolgt ist und der heißt: Corporate Citizenship (CC) - zu deutsch: Unternehmerisches bürgerschaftliches Engagement. Was war geschehen? Margot Schwörer, selbständige Friseur-meisterin aus Hüfingen will am Samstag, dem 9. September ihren Betrieb nicht wie immer um 14 Uhr schließen. Sie will bis in den späten Abend hinein weiter arbeiten und das eingenommene Geld in voller Höhe dem Förderverein für krebskranke Kinder spenden. Mit dabei: Das ganze Team und ,typisch frau` mit dem Hintergrund, nur eine kleine Notiz zu bringen. Doch ihre Idee, die sie fast als Nebensatz erzählt, dass an diesem Tag vielleicht noch etliche andere Betriebe genau das gleiche machen könnten und eine richtig stolze Summe den Kindern zugute käme, schlägt bei uns ein, wie der Blitz. Aus der kleinen Notiz wird eine große Reportage und ein Aufruf, der widerhallt. Nicht nur bei acht weiteren
Ideengeberin Margot Schwörer - hier bei der Autogrammstunde mit Sportler As Alexander Herr - macht mit ihrer Friseur-Spendenaktion für krebskranke Kinder zusammen mit "typisch frau" Furore an höchster Stelle. Bild: Alexandra Adelbrecht
Betrieben und einigen Privatinitiationen, die spontan mitmachen, sondern auch beim ,,Unternehmen BE", einem Landesprojekt der Stabstelle für Bürgerengagement beim Sozialministerium Baden-Württemberg. Genauer gesagt, bei Christoph Schlegel, Dipl. Sozial- Arbeiter und Geschäftsführer des Projektfachbüros Netzwerk CC, Hochschule Ravensburg-Weingarten. Sein Job: Abzuklopfen, wie die Stimmung ist, ob Betriebe überhaupt offen für mehr soziale Aktionen und mustergültige Betriebe am Start sind. Bereits am 23. August, also bevor überhaupt abzusehen ist, wie erfolgreich unser Aufruf sein wird, schreibt er: ,, Diese Aktion ist aus unserer Sicht besonders interessant, da es sich nicht nur um eine Einzelaktion handelt, sondern durch ihr Engagement in ,typisch frau` zu einem großen Projekt einer ganzen Zunft werden kann."
Unternehmerisches, bürgerschaftliches Engagement bedeutet im groben: Mit guten Taten auch etwas für den guten Ruf tun. Also nicht einfach Plakate aufhängen oder
einen Scheck überreichen, sondern durch persönlichen Einsatz Verantwortung tragen. So könnten die Mitarbeiter einer Firma anstelle des Betriebsausflugs die längs überfälligen Klassenräume der Grund- und Hauptschule streichen, Spielplätze richten und, und, und ... Ob ein sozialer Einsatz tatsächlich höhere Umsätze bringt, kann man so nicht sagen. Doch so eine Aktion verbindet querbeet: Die Mitarbeiter untereinander, mit dem Unternehmen und mit der Region. ,,Im Rahmen dieses Projekts versuchen wir am Modellstandort Bodenseeregion ver-schiedene gute Beispiele unter-nehmerischen Engagements in einem Kalender und einer zugehörigen Homepage darzustellen", schreibt Christoph Schlegel weiter. Sinn der Sache:
Unterschiedliche Engagementformen und Engagementbereiche exemplarisch auf-zuarbeiten, um einerseits bestehendes Engagement zu würdigen und andererseits Ideen und Anregungen für weiteres Engagement zu geben. Und jetzt wissen Sie auch, warum Margot Schwörer im Kalender landen wird und welcher Monat ist wohl sonnenklar - es wird der September sein. September 2007, genau dann, wenn wir wieder die Aktion starten werden: Haare schneiden für krebskranke Kinder". Wetten, dass wir diesmal im zweistelligen Bereich liegen werden! Übrigens: Christoph Schlegel ist von dem Ergebnis, dass mittlerweile € 6.500,-- erreicht hat, total begeistert. Großes Kompliment an alle, die mitgemacht haben. Wodurch die wundersame Vermehrung? Ein paar Geburtstage standen bei den teilnehmenden Betrieben an und anstelle von Geschenken wurde das große Sparschein gefüttert - zugunsten von krebskranken Kindern, die unserer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen.
Barbara Dickmann
