Kinder stark machen der beste Schutz

typisch frau-Event mit Polizei-Psychologe

Professor Adolf Gallwitz: Die Kriminalitätsrate bei sexuellem Kindesmissbrauch steigt

Die Jacke bleibt im Schrank und Eisbecher sind der Renner. Keine Frage: das typisch frau-Event steht unter einem sonnigen Stern und beginnt mit einem dunklen Thema, das nichts fĂĽr zarte GemĂĽter ist.
9. April, 15 Uhr, Parkcafé Stern im Kurpark, Königsfeld. Professor Adolf Gallwitz, medienbekannter Polizei-Psychologe, legt los. Sein Thema: Wie schütze ich meine Kinder vor Sexualstraftätern. Schon sein erster Satz raubt alle Illusionen. „Es gibt eine Zunahme zur Gewaltbereitschaft in allen Bereichen“, sagt der Prodekan der Sozialwissenschaftlichen Fakultät und Professor für Psychologie und Soziologie an der Hochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen. Und wo Gewalt herrscht ist sexueller Missbrauch nicht weit. Die Ware „Kind“ ist heiß begehrt, als billige Arbeitskraft, als Bettler, den man absichtlich verstümmelt, als Organträger und Sexdienstleister. Und überall wo es Krieg, Katastrophen und tausende von Waisen gibt, wo der Überblick verloren geht, ist es für Pädophile besonders leicht. Diese Kinder sind praktisch Freiwild, sie verschwinden einfach und tauchen wieder auf – auch in Deutschland, doch nur in pornografischen Filmen, die so heiß begehrt sind, wie noch nie. Sie leben in Japan, im ehemaligen Jugoslawien, in Libyen, in Tunesien, in Polen oder Tschechien. In Deutschland manchmal sogar mit der Erlaubnis der Eltern und mit der Illusion, dass da nur ein „Kinderfilm“ gedreht wird und so schlimm wird es wohl nicht sein, schließlich soll die

Kleine ja mal berühmt werden, da muss man auch mal Opfer bringen! Und je echter Gewalt, Missbrauch und Vergewaltigung gedreht werden, je unprofessioneller die ganze Geschichte aussieht, desto begehrter sind die Filme in einschlägigen Kreisen.
Sextourismus gibt es auch mitten in Europa und in jedem Alter, trauen Sie auch nicht einem 75jährigen, der so gerne mit Ihrer kleinen Tochter oder Ihrem Sohn spielt, „ und erst recht nicht, wenn er ein Einreiseverbot in die Dominikanische Republik hat“, warnt Adolf Gallwitz, selbst Vater von vier Kindern. Doch das ist nicht alles, es gibt viel unbegreiflich Neues auf dem Gebiet des sexuellen Missbrauchs. „Die Täter werden immer jünger, die sexuelle Verwahrlosung nimmt zu und die Aufklärung nimmt ab “, sagt der Psychologe. Im Internet kann sich jeder frei bewegen und soziale Netzwerke sind bei den Mädchen ganz besonders beliebt. Sie machen sich bewusst zwei Jahre älter, stellen manchmal sogar ziemlich aufreizende Bilder ins Netz und haben das unheimlich große Bedürfnis nach Anerkennung. `Ich bin jemand, meine Bilder werden toll gefunden....` und damit fallen immer mehr Mädchen im Kindes- und Jugendalter in das Beuteschema männlicher Pädosexueller, die sich dann mit ihnen treffen möchten. So wurde aus einer 14jährigen eine 16jährige und aus einem 44jährigigen ein 22jähriger. Heidi Klum leistet auch gute Arbeit. Germanys next Topmodell zeigt, dass man nicht zickig sein darf und sich ausziehen muss, um berühmt zu werden. Und berühmt zu werden ist das große Ziel – egal wie und womit, alle Mittel sind erlaubt.
„Chaträume sind für unsere Kinder und Jugendlichen nicht geeignet, sie sind ein regelrechtes Schlachtfeld“, mahnt der Professor. „38 Prozent werden sexuell angesprochen, 26 Prozent nach ihrem körperlichen Aussehen gefragt und genauso viele sollen über ihre eigenen, sexuellen Erfahrungen berichten und bei 15 Prozent hat eine Person versucht, sich offline mit der Jugendlichen zu treffen!“.

Kein Wunder, bei solch aufreizenden Bildern, werden Sie jetzt vielleicht denken. Doch Adolf Gallwitz wehrt das entschieden ab. „Kinder haben nie Schuld und Kinder haben nie eine Mitschuld!“ und das ist einer der wichtigsten Sätze an diesem Nachmittag. Es liegt an uns Erwachsenen, Kinder zu schützen, ein Umfeld zu schaffen, das Gefahren einschränkt, Kindern Selbstbewusstsein zu geben und aufzuklären. „Eltern müssen die modernen Medien und ihre Gefahren kennen, sie müssen mitreden können – ob sie es nun gut finden oder nicht!“
17 Prozent der Jungen sehen im Internet zwischen einer und mehr als fünf Stunden Pornografie tagtäglich. Bei den Mädchen sind es immerhin 13 Prozent – Tendenz steigend....
Die Lust auf einen Eisbecher ist inzwischen vergangen, es ist mucksmäuschenstill im Saal, doch Adolf Gallwitz ist noch lange nicht fertig. Mehr darüber in der kommenden typisch frau – siehe Infokasten.
17 Uhr in Parkcafé Stern. Wir haben uns etwas erholt und erfreuen uns an frischen, jungen Gesichtern. Der Chor der Zinzendorfschule und die Hip-Hop AG sind genau der richtige Ausgleich nach dem Vortrag. Um Kinder großzuziehen braucht es nicht nur Familie, sondern auch engagierte Pädagogen, die den Kindern Werte vermitteln, Anregungen geben und Ausgleich schaffen zu den modernen Medien. Um 18 Uhr gehen wir nach Hause, das bedrückende Gefühl noch im Hinterkopf, doch davor hat sich das Bild fröhlicher junger Menschen gelegt.