Steht bei Ihnen ein Koffer mit Geld?

- 12,6 Millionen US Dollar schwirren vielleicht durch den Schwarzwald -

Kiste oder Koffer mit Geld gesucht: Wer kann helfen? Bild: B. Dickmann

Heute wende ich mich in einer ganz persönlichen Sache an Sie, liebe Leserinnen und Leser. Denn mir ist ein Koffer abhanden gekommen. Ein sehr wichtiger Koffer mit äußerst wertvollem Inhalt. Wie er aussieht? Keine Ahnung. Wie groß? Kommt darauf an, ob große oder kleine Scheine. Also, die Sache ist einfach kompliziert, deshalb will ich lieber von vorne anfangen, damit Sie auch genau wissen, wonach ich so verzweifelt suche.
Die ganze Geschichte beginnt mit einer Email, Eingang 1. Mai: "Mein Name ist Frau Agnes G. aus der Bundesrepublik der Congo. Ich habe die Summe von USD 12.6 Millionen von meinem verstorbenen Ehemann geerbt. Und das Geld ist momentan in der Sicherheitsfirma für sicheres Behalten. Nun möchte ich das Geld in ihrem Land per ihre Hilfe anlegen, weil es bei uns immer noch politische Unruhe gibt. Ich werde mich freuen, wenn Sie mir helfen können. Ich werde Ihnen auch mehr Einzelheiten mitteilen, gleich nach Ihrer Antwort!"
Natürlich hab ich gleich zurück geschrieben, denn der Frau kann geholfen werden. Antwort: "Sehr geehrte Frau G., sehr gerne werden wir ihr Geld anlegen - teile ihnen sofort meine Konto-Nr. mit, sobald Sie sich legitimiert haben. Wir bieten Ihnen gute Zinsen und haben bereits etliche Kunden, die auch viel Geld geerbt haben und es uns anvertrauen. So haben wir jetzt ca. 120 Millionen Euro, die wir gut verwalten. Möchten Sie sofort einen Vertrag haben?"
Jetzt muss ich natürlich zugeben, dass das nicht ganz der Wahrheit entspricht. Genau genommen, ist es komplett gelogen, doch irgendwie muss man ja mal anfangen, um an das große Geld zu kommen!!! Antwort am 2. Mai: "Ihre Antwort hat uns gezeigt, dass sie bereit das Geld, USD 12.6 Millionen für uns in ihrem Land zu investieren sind. Sie sollten das Geld in den benannten Branchen investieren, bitte! Ich

bin momentan schwer krank und werde nicht mehr lang leben. Aus diesem Grund, mein einzigen Sohn Forster wird mit ihnen Kontakt aufnehmen. Wir werden im Laufe dieser Woche die Kiste, die das Geld enthält aus Sicherheitsfirma bei uns in Elfenbeinküste auslösen. Dann wird die Kiste an sie in Deutschland per Privattransporteur geliefert. Wir werden den Transporteur beauftragen, die Kiste an sie zu liefern. Nach seiner Ankunft in Deutschland ruft er sie an. Bei ihnen zu Hause oder wo sie wollen, wird die Kiste geöffnet, dann bekommen sie ihre Provision 20 % für ihre Unterstützung und bekommen sie ihre Aufwand zurück zum Beispiel Telefonkosten und so weiter. Der Rest wird dann in ihrer Firma oder in günstigen Sektor per ihre Hilfe investiert aber mit Sicherheit. Auf diesem Punkt benötigen wir von ihnen ihre Daten wie Name, Adresse, Telefonnummer und Foto und zwar die Adresse des nächsten Flughafens von ihnen. Unsere Daten sind wie folgt: Sassandrien 10 BP 76 Sassandrien 10, Sassandrien Elfenbein-küste, Alter 51 Jahre, Sohn Forster 22 Jahre. Sie sollten bitte alle Angabe über dieses Geschäft diskret und vertraulich behalten. Es geht um die Sicherheit des Geldes in der Kiste. Wir warten auf ihre baldige Antwort."
Also bitte, Diskretion, den Rest hab ich natürlich prompt erledigt: " Es tut uns sehr leid, dass sie so krank sind. Wir freuen uns auf ihren Sohn Forster und auf die Kiste mit dem Geld. Der nächste Flughafen ist Stuttgart, selbstverständlich holen wir Sie mit einem Sicherheitsgeldtransporter, den wir selbstverständlich immer zur Verfügung haben ab. Unsere Adresse lautet..." Nun muss ich gestehen, dass auch dass nicht ganz der Wahrheit entspricht, doch im Bedarfsfall muss halt mein Auto der "Sicherheitsgeldtransporter" werden.
Und dann ist es soweit. Email Agnes G.: "Nun wird die Kiste an Sie in Deutschland am Mittwoch per einen Privattransporteur geliefert. Der Transporteur ruft Sie nach seiner Ankunft an."
Leider war nun genau an diesem Tag eine große Geburtstagsfeier und wir haben natürlich lange überlegt, ob wir nicht doch zu Hause bleiben sollen!!! Na ja, haben wir gedacht, soll er halt die Kiste mit den vielen Dollars einfach vor die Tür stellen. Als wir spät in der Nacht nach Hause kamen, haben wir natürlich alles, aber auch alles abgesucht - keine Kiste, kein Koffer. Email an Agnes G.: "Wo ist die Kiste mit dem Geld? Habe heute den ganzen Tag auf

Ihren Anruf gewartet?" Die Antwort: "Der Transporteur hat uns gerade mitgeteilt, dass er am Flughafen in London ist. Und er braucht ihre Anweisung bevor er weiter nach Deutschland fliegen kann. Sein Name ist Winfred K. und sie können unter Rufnummer ... Bitte versuchen sie mit ihm sofort zu erreichen!"
Das habe ich natürlich sofort versucht, doch leider gibt es diese Nummer gar nicht. Agnes G. muss sich wohl vertan haben. Geantwortet hat sie auch nicht mehr und deshalb vermute ich, dass der Koffer (oder die Kiste) irgendwo anders gelandet ist. Bitte, schauen Sie doch mal überall nach. Im Flur, im Schuppen, im Garten oder vielleicht in der Scheune, falls Sie eine haben. Und rufen Sie gleich an, wenn Sie sie finden - Sie bekommen auch "Provision 20 %" von meiner Provision für Ihre Unterstützung, Telefonkosten und Auslagen und so...

Vorsicht
Achtung Trickbetrüger: Diese E-Mails haben wir tatsächlich erhalten und einfach mal ausprobiert, wie weit Agnes G. wohl geht. Wir haben wohl etwas übertrieben und sie hat Lunte gerochen. Doch in der Regel steckt dahinter ein handfester Betrug. Man wird aufgefordert etwas Geld zu schicken, oder erhält einen hohen Scheck mit der Bitte, einen wesentlich kleineren Betrag auf eine ausländische Bank zu überweisen, damit der Überbringer des Geldes die anfallenden Kosten schon mal bezahlen kann. Fällt man darauf rein und bringt den Scheck zur Bank, dann wird dieser erst mal gutgeschrieben. Doch diese Gutschrift ist nur unter Vorbehalt der Einlösung. Ob dieser Scheck nun gedeckt ist oder nicht (das heißt: ob der Scheckaussteller überhaupt genug Geld auf dem Konto hat), merken Sie erst nach ein paar Tagen, nämlich dann, wenn Ihre Bank auf einmal den Betrag wieder von Ihrem Konto abbucht. Haben Sie aber jetzt schon den "kleineren" Betrag überwiesen, dann ist das Geld weg, denn Überweisungen kann man nicht rückgängig machen.
Und hat die Bank ihren Sitz im Ausland, müssen Sie erst gar nicht über einen Prozess nachdenken. Natürlich war uns von Anfang an klar, dass die ganze Geschichte ein Schwindel ist - doch mal ehrlich, eine winzig, klitzekleine Hoffnung, dass auf einmal Geld vom Himmel regnet, bleibt doch immer. Oder?

Barbara Dickmann