Erfolgsautorin Claudia Haarmann-Paasche spricht für "typisch frau" über das brisante Thema Sexualität.
Eigentlich geht sie zum Friseur, weil ihr die Haare zu Berge stehen. Doch als ihre Friseurin erfährt, dass sie über weibliche Sexualität nachdenkt, ja sogar ein Buch darüber schreiben will, redet sie: ,, Kennen Sie denn eine, die keine Probleme hat?" Und dann legt sie los, aus einem unerschöpflichen Informationspool und mit einer Erfahrung, auf die mancher Psychologe neidisch wäre: Es gibt Frauen, die keine Lust auf Sex haben, andere die gerne wollen - aber ihre Partner sagen nein. Es gibt Frauen, die sich viel mehr wünschen, aber nicht darüber reden können. Andere glauben, nicht orgasmusfähig zu sein, weil sie beim Geschlechtsverkehr nicht zum Höhepunkt kommen, die im Bett so tun ,als ob`, die beim Sex Schmerzen haben...
Claudia Haarmann-Paasche bleibt lange beim Friseur. Sie ist Freie Journalistin, arbeitet für Hörfunk und Fernsehen, ist als Lehrbeauftragte und Kommunikations-trainerin tätig und recherchiert für ihr Buch. Monate lang führt sie unzählige Gespräche mit Frauen und Männern zwischen zwanzig und siebzig Jahren. 97 Mal tun es die Deutschen im Schnitt pro Jahr. Sagt die Statistik. 96 Mal bedeutet achtmal im Monat, zweimal die Woche - das zusätzliche Mal liegt sicherlich im Wonnemonat Mai. Und alles ist möglich - alles darf sein. Sexuelle Freiheit wird groß geschrieben. Frau von heute ist frei, enthemmt und selbstbewusst, überaus aktiv und lebt erfüllten Sex. Wirklich?
Wo findet der statt? Bei Claudias Freundinnen und den Frauen, mit denen sie arbeitet, sieht die Geschichte ganz anders aus. Sie sind mit den Mühen des Alltags voll und ganz beschäftigt. So fern von makellosen Körpern wie der Mond, platt von der Arbeit und mit Fantasien, die sie nie im Leben aussprechen würden, geschweige denn, sie tatsächlich zu leben. Claudias Gesprächpartnerinnen sind ganz normale Frauen. Sie sind nicht ausgesucht, weil sie bestimmte Lebensgeschichten haben. Sie lernt sie durch ihre Arbeit kenne, oder auch ganz zufällig. Manche melden sich von allein, um zu reden, nachdem sie gehört haben, dass sie mit Frauen über das Thema redet. Sie leben allein, in Beziehung, verheiratet, in Trennung, mit und ohne Kinder ...
Alle willigen sofort in ein Interview ein und Claudias Liste mit Namen von Frauen, die unbedingt von sich erzählen möchten, wird immer länger. ,,Es war, als gehe eine Schleuse auf. Als sei da ein immenses Bedürfnis, endlich einmal offen zu reden - über den Körper, die Schwierigkeiten, die Sehnsüchte. Endlich aus der Sprachlosigkeit herauszukommen", sagt sie. Für ihr Buch sucht sie Lebensskizzen und Momentaufnahmen heraus, die ihr typisch und wichtig erscheinen. Sie haben keinen Anspruch, repräsentativ zu sein. Doch für Claudia verdeutlichen sie eins: Die Scham ist nicht vorbei - von einem wirklich befreiten, selbst bestimmten, lustvollen Leben sind viele Frauen weit entfernt. Titel ihres Buches: ,, Unten rum.." Die Scham ist nicht vorbei (ISBN 3-936360-15-4).
,,Wir schämen uns andauernd", sagt Claudia in ihrem Buch. Wir schämen uns, dass wir nicht so heiße Nummern sind, wie wir sein sollten. Wir schämen uns für unsere Bedürfnisse und Bedürftigkeit. Wir schämen uns für den vorgetäuschten Orgasmus. Und sollte die Leidenschaft tatsächlich mit uns durchgehen und unsere Gesichtszüge nicht mehr zu kontrollieren sind - schämen wir uns auch. Scham ist uralt. Sie ist das Erbe unserer Urgroßmutter, Großmutter, Mutter - ob wir es wollen oder nicht. ,,Die sexuelle Unfreiheit von Jahrtausenden kann nicht in zwei Generationen ad acta gelegt werden", meint die Journalistin.
Dieses Buch hätte sie nicht schreiben können, wenn es dabei nicht um ihr eigenes Thema ginge. Claudia kennt viele Stationen eines Frauenlebens. Mit 18 zieht sie die Studentenbewegung an. Mit ihren
Freunden diskutiert sie Stunden und Tage über Haupt- und Nebenbeziehungen. Kann man neben einer festen Partnerschaft auch lose, vor allem sexuelle Kontakte haben? ,,Damals war ich Häschen, tat aber wie eine ausgewachsene Häsin!" Sie ist lange verheiratet, ist mit Leidenschaft Mutter, kennt Alleinsein, Einsamkeit und das Leben in Beziehung. Sie war manchmal überall zu Hause, nur nicht in ihrem Körper. All das, was ihr die anderen Frauen erzählen, kann sie verstehen. Und was sie in ihrem Leben wirklich interessiert ist folgendes: Warum ist das alles so und wo bitte ist der Ausweg? Was kann ich tun? Diesen Fragen geht sie seit Jahren stetig nach.
Die Antwort: ,, Der Weg zu mehr Freiheit erfordert keine besondere Landkarte, er fordert Aufrichtigkeit. Vor allem aber erfordert er das, was ich die Tankstelle nenne: Den Kontakt mit Frauen, mit Freundinnen. Mit ihnen wirklich offen zu reden - jenseits aller Vorstellungen und Konzepte, jenseits des So-tun-als-ob, des ,Wie geht`s?`, Danke, gut` - das ist Nahrung. Es ist wie ein Auftanken. Immer, wenn wir uns trauen, über das zu reden, was wirklich ist, geht diese Tür auf. Dann stellt sich Nähe ein. Eine Nähe die nährt und stärkt". (Quelle ,, Unten rum… "Die Scham ist nicht vorbei). Erleben Sie diese Nähe im Gespräch mit der Autorin, im Gespräch untereinander, im intimen Kreis ohne Männer, die hier ausnahmsweise nicht erwünscht sind. Wann: Siehe Infokasten. Wir freuen uns auf Sie.
Vortrag nur für Frauen
Sie gibt ein Interview nach dem anderen, ist im Radio, im Fernsehen in den Print-Medien und jetzt life für ,typisch frau` in Villingen-Schwenningen, Waldshut-Tiengen und Singen - Trauen Sie sich und hören Sie einer Frau zu, die kein Blatt vor den Mund nimmt, die ein hohes Fachwissen hat und gerne diskutiert. Hier die Termine: am 24. Oktober im ,,Hotel Schwanen" in Waldshut- Tiengen, Amthausstr. 2, am 25. Oktober im ,Gasthaus Jägerhaus` in Villingen-Schwenningen, Kalkhofenstr. 10 und am 26. Oktober im ESV-Südstern-Clubheim in Singen,... jeweils um 19.30 Uhr. Dieser Vortrag ist nur für Frauen. Wie immer bei ,typisch frau` ist die Veranstaltung kostenlos - wie freuen uns auf Sie. ck.
Barbara Dickmann
