Schönes Leben mit Beruf und Familie

Fernsehpfarrer Fliege spricht im Europa-Park ĂĽber Berufung

Lisa Haller arbeitet in ihrer Dissertation an einer sozial gerechten Gleichstellungspoltik.

Der Mann geht arbeiten und die Frau bleibt zu Hause. Sie versorgt den Haushalt, hütet die Kinder und kümmert sich um die alten Eltern. Denn was der Herr des Hauses verdient, reicht völlig aus, um die Familie zu ernähren. Keine Frage: Deutschland war berühmt für das männliche Ernährer-modell. Doch das ist vorbei, die Löhne sind nicht mehr so hoch und immer mehr Frauen arbeiten zusätzlich, um auch ihren Teil am Familieneinkommen beizutragen. Der neue Trend der Frauenerwerbstätigkeit ist also nicht nur eine Errungenschaft der Frauenbewegung, sondern dient auch zum Teil der Existenzsicherung der Familien. Auch das ist natürlich nur die halbe Wahrheit, denn viele Frauen sind heute so gut ausgebildet und/oder haben einfach das Bedürfnis nach Selbstständigkeit und nach mehr als den berühmten drei K`s – Kinder, Kirche, Küche.
„Und das ist auch so gewollt“, sagt Lisa Haller. Denn seit Amtsantritt der zweiten rot-grünen Koalition mit Renate Schmidt (SPD) als Familienministerin gab es eine Wende der Familienpolitik, die von den Familienministerinnen Ursula von der Leyen und Kristina Schröder (CDU) weitergeführt wird. „Das familienpolitische Leitbild sieht eine Steigerung der weiblichen Erwerbsquote vor. Bis ins Jahr 2013 sollen bundesweit 230.000 zusätzliche Kinderbetreuungs-plätze geschaffen

werden“. Lisa Haller ist Diplom-Politologin, 29 Jahre jung und lebt in Berlin. Geboren und aufgewachsen ist sie in Buchenberg, in der totalen Freiheit eines Bauernhofes mitten im Wald und mit Kindern im gleichen Alter, die sie als ihre „Schwestern“ bezeichnet. Schon vor dem Abitur geht sie nach Berlin und studiert sofort im Anschluss Politikwissenschaften. Ihr Diplomarbeitsthema wird die Reform des Unterhaltsrechts. Und im Speziellen deren Auswirkungen auf das Steuerrecht, von denen kaum einer etwas mitbekommen hat. „Die neue Regelung bewirkt, dass zunächst das Kind und nicht der erziehende Elternteil unterhaltsberichtigt ist. Weil der Kindesunterhalt im Einkommensteuerrecht ungleich weniger als der Ehegattenunter-halt absetzbar ist, verringert sich hierüber das Netto-Einkommen des Familien-ernährers. Dadurch erhöhen sich zwar die Steuereinnahmen, doch im Umkehrschluss kann insgesamt weniger Unterhalt an diejenige Familie ausgezahlt werden, in der das Kind lebt. Oft genug wird der betreuende Elternteil von Sozialleistungen abhängig – falls er sie denn auch beantragt“. Ziemlich kompliziert, werden Sie jetzt denken, doch Politik ist nicht einfach.
Seit eineinhalb Jahren promoviert Lisa. Ihr Thema: Familienpolitik und damit sind wir wieder bei den berufstätigen Frauen und Müttern. Denn die große Frage ist: Wenn immer mehr Frauen immer mehr arbeiten, wer kümmert sich dann um den Haushalt, um die Kinder, um die alten Eltern – mit einem Wort: um die Reproduktionsarbeit? Also um die Arbeit, die nicht bezahlt wird und bis heute zum größten Teil von den berufstätigen Frauen zusätzlich geleistet wird? Lisa Haller sagt dazu: „Die Funktion von Sozial- und Familienpolitik ist es, zum einen für die partielle Freistellung einiger Bevölkerungsgruppen zur Verrichtung

der elementaren Reproduktionsarbeit zu sorgen sowie zum anderen die kontinuierliche Eingliederung von Arbeitskräften in die marktvermittelte Lohnarbeit sicherzustellen. Nicht zuletzt hat Sozial- und Familienpolitik die Funktion, den Reproduktionsaufwand der gesamten Bevölkerung durch eine gewissen Umverteilung des über die marktvermittelte Lohnarbeit erzeugten Mehrwerts zu garantieren“. Nach Lisas Meinung besteht die politische Herausforderung auch darin, der Doppelbelastung von Frauen entgegen zu treten ohne sie damit abermals in die Abhängigkeit eines männlichen Ernährers zu treiben. Also irgendwie muss sich alles verändern.
Klingt wieder kompliziert. Doch Lisa Haller liefert nicht nur fundierte Aussagen, sondern auch gleich ein paar Ideen, die leicht umsetzbar wären. Zum Beispiel: Haushaltsunterricht für Jungen, „ damit sie endlich putzen lernen“, gleicher Unterhalt für alle Kinder - und nicht gestaffelt nach dem Einkommen. Und dann gibt es Ideen, die schwieriger umzusetzen sind: Arbeitszeitverkürzung, Kinderbetreuung kostenlos, Bildungsgutscheine für alle Kinder , Umverteilung des Geldes, denn Geld ist genug da.....
Lisa, möchtest du eigentlich Kinder haben? „Oh ja, „ sagt sie, „ doch in Berlin und ohne großelterliche Betreuungshilfe ist eine Doppelbelastung voraus zu sehen.“ Keine Frage: Lisa steckt genau in dem Dilemma, in dem viele junge Akademikerinnen stecken. Und das wäre auch ein großer Wunsch von ihr: dass sich die ganze Geschichte entzerrt. Deswegen arbeitet sie in ihrer Dissertation an den Konstitutionsbedingungen einer sozial gerechten Gleichstellungspolitik. Die Herausforderungen, die sich dabei ergeben, stellt Lisa im Rahmen der Frauenwoche am 24. März vor.