Heike Moser, Krankenschwester, Heilpraktikerin und Leiterin für Tanztherapie hat einen eigenen Tanz der Elemente entwickelt.
Bild: B. Dickmann
Eine intakte Beziehung mit gesunden, mittlerweile erwachsenen Kindern, ein gutes Auskommen, ein anspruchsvoller Beruf... das Leben von Heike Moser, 46 Jahre jung, aus Unterkirnach, könnte nicht besser laufen. Und doch schwebt über ihrem Kopf seit ungefähr sechs Jahren ein Wort. Es heißt "Rezitiv" und bedeutet soviel wie "Rückfall". Es ist fast immer mit großen Ängsten verbunden ist und spielt in der Behandlung von Krebs eine große Rolle.
Anfang 2002: Heike Moser ist von Beruf Krankenschwester. Seit 1982 arbeitet sie Teilzeit in einem Klinikum, davon acht Jahr auf der Onkologie. Zusätzlich stehen wichtige Prüfungen bevor, denn Heike hat schon vor Jahren eine zusätzliche Ausbildung als Heilpraktikerin begonnen. Sie erlernt Fußreflexzonenmassage und Ohrakupunktur, besteht alle Prüfungen und eröffnet eine Naturheilpraxis in Unterkirnach. "Ich habe mich schon immer für Naturheilkunde interessiert, das ist für mich die optimale Ergänzung zu meinem Beruf und zur Schulmedizin", sagt sie.
In 2003 steht sie auf der anderen Seite. Heike Moser wird Patientin auf der Onkologie und muss operiert werden. Heike erinnert sich:"Das war schon ein seltsames Gefühl, einerseits konnte ich die
Situation aus medizinischer Sicht mit all den Prozenten und Statistiken besser abschätzen, andererseits wusste ich genau, was an Therapien mit allen Nebenwirkungen aber auch Chancen auf mich zukommt!"
Anfang 2004: Heike Moser erholt sich in der Reha und lernt dort eine besondere Art von Therapie kennen. Heike bewegt sich - Heike tanzt. Sie spürt ihren Körper, hört ihm aufmerksam zu, sie denkt nicht, sie fühlt einfach. Der Kopf schaltet ab, nur noch der Körper spricht. Und er reagiert. Mitten in der Runde kollabiert sie. Sie weiß, was das bedeutet: Du bist noch lange nicht O.K., signalisiert ihr Körper, obwohl sie gerade vorher in der Runde gesagt hat, wie gut es ihr doch ginge.
Womit Heike in der Reha behandelt wird, ist eine klassische Tanz- und Körpertherapie. Man nimmt an, dass Erfahrungen - egal ob positiv oder negativ - im Körper gespeichert werden und deswegen in Haltung, Muskelspannung, Koordination und Atemmuster ablesbar sind. Der Körper hat sozusagen sein eigenes Erinnerungsvermögen, das oft über das hinausgeht woran wir uns erinnern können. Dieses Körpergedächtnis kann man in der Tanztherapie hilfreich nutzen. "Tanz und Körpertherapie ist ein anderer Weg mit so einer Krankheit umzugehen, " sagt Heike Moser. Für sie sei es sehr wichtig gewesen, das Vertrauen zum eigenen Körper wieder aufzubauen und dadurch mit der Angst vor einer Rezitiverkrankung besser umgehen zu können. "Ich habe einfach gespürt, dass doch noch sehr viel in meinem Körper funktioniert, denn in so einer Krankheitssituation denkt man manchmal, man besteht nur noch aus einem einzigen kranken Organ". Am Ende der Reha ist Heikes Lebenslust enorm gesteigert und ihre Lebensfreude hat sie sich förmlich
ertanzt.
In 2006 lässt sie sich zur Leiterin für therapeutischen Tanz bei der Deutschen Gesellschaft für Tanztherapie in Tübingen ausbilden und überlegt, wie sie diese Kurse anbieten soll. Heike entwickelt den Tanz der fünf Elemente, denn den emotionalen Anteil findet sie sehr interessant.
Und so funktioniert er: Mit Liedern unterschiedlichster Musikrichtungen vermittelt sie neue Bewegungs- und Ausdrucksmöglichkeiten und informiert über die Denkweise der Chinesischen Medizin. Und die sieht in den fünf Elementen folgendes: Holz steht für Aggression als Chance, Wasser für den Mut zum Loslassen, Erde - finde deine Mitte, Feuer - entdecke die eigene Sinnlichkeit und Metall bedeutet: neue Grenzen setzen. Seit Frühjahr 2009 bietet sie den Tanz der Elemente einmal im Monat in Unterkirnach (Tel. 07721-54377) in einer kleinen Gruppe von drei bis vier Teilnehmerinnen an (Kosten: € 10,--, ca. 2 Stunden). Jedes Mal bietet sie ein anderes Programm. Die Teilnehmerinnen sind zwischen 40 bis über 60 Jahre alt und natürlich nur Frauen. "Ich habe sehr positive Rückmeldungen", sagt Heike und geht jetzt auch nach Villingen und Bräunlingen (siehe Termine). "Tanzen nach einer onkologischen Erkrankung" bietet sie als Extrakurs und auch Selbsthilfegruppen an.
Keine Frage: Das Leben von Heike Moser läuft wieder rund. Nach wie vor arbeitet sie Teilzeit als Krankenschwester in einem Klinikum und in ihrer Freizeit tanzt sie - gemeinsam mit anderen Frauen. Natürlich ist der Gedanke an ihre onkologische Erkrankung immer im Hinterkopf, doch die Angst ist gewichen. Sie hat wieder Vertrauen in ihren Körper gefunden und weiß, dass sie es schaffen wird.
Barbara Dickmann
