Achtung, eine angebliche Statistik will an ihr Geld. Bild.: B. Dickmann
Mindestens einmal im Monat ,,gewinne" ich einen Urlaub. Eine Woche Türkei mit Flug und Übernachtung/Frühstück für eine Person. Wohlgemerkt, nur für eine! Ich habe also ein halbes Doppelzimmer. Der Einzelzimmerzuschlag kostet ein Vermögen und ein weiterer Mitreisender auch. Mittendrin gibt es einen Zwei-Tages-Ausflug, dem man sich nicht entziehen kann. Dass das eine mehr oder weniger gut versteckte aggressive Kaffee-Fahrt mit ausgiebigem Stopp in Teppichfabriken, Schmuckläden und, und, und... ist, erkennt man erst auf den zweiten Blick und auch nur, wenn man sehr sorgfältig die umfangreichen ,,Informationen für Ihren Traumurlaub" liest.
Außerdem bin ich bald glücklicher Besitzer eines Autos oder der Lotto-Zahlen für die Ziehung in zwei Wochen, wenn ich einfach am Telefon bleibe (1,90 € die Minute) oder schlappe 19 € für die Hellseherin investiere. Nichts Neues, werden Sie jetzt sagen, denn das kennt mittlerweile doch jeder. Doch jetzt ist eine neue Masche aufgetaucht, die sich speziell ältere Men-
schen als Zielgruppe ausgesucht hat. Es beginnt mit einem Schreiben. "Achtung Aufstand der Alten" prangt mit großen Buchstaben auf der Vorderseite. Und dann geht es weiter: Wir, das Institut für Jahrgangserfassung, möchten auf diesem Weg, der zwar neu, aber gleichzeitig reizvoll und den Sinn erfüllt, das reale Verhältnis zwischen Jung und Alt in Deutschland ermitteln. Daher möchten wir Sie höflichst bitten, an dieser Statistik mitzuwirken. Das Ergebnis werden wir an die Politik dieses Landes weiterleiten."
Zusätzlich ist ein Quiz auf der Karte abgedruckt, als Anreiz um die Fragen zu beantworten und eventuell der glückliche Gewinner von zusätzlichen 2.500 € monatlicher Rente, einem Mercedes-Benz B-Klasse oder einem Wellness-Urlaub zu sein. Insgesamt 499 Gewinner sollten ermittelt werden. Dass das Lösungswort auch ohne abgeschlossenes Hochschul-studium zu ermitteln ist und nicht gerade eine Herausforderung an unsere Intelligenz stellt, liegt wohl auf der Hand.
Etliche Menschen in Thüringen beantworten brav die Fragen, schicken die Karte ab und bekommen bald Post. "Vielen Dank für Ihre Mitarbeit", steht dort "wenn Menschen wie Sie und ich mitwirken, kann man auch etwas bewegen - danke im Namen aller Senioren des Landes". Das ist ja wirklich nett. Doch noch schöner ist es, dass die Gewinner schon ermittelt waren. Und, oh Wunder, "Sie sind ein Hauptgewinner!" , steht es dort schwarz auf weiß und vor dem geistigen Auge sehen sich schon etliche Thüringer Senioren im Mercedes durch die Gegend fahren, oder ihr Bankkonto jeden Monat
um schlappe 2.500 € anschwellen. Dass das natürlich gefeiert werden muss, leuchtet jedem ein. Am 24. Januar steht der Bus bereit, um die Glücklichen irgendwo in der Region Erfurt reichlich zu beschenken. Neben kostenlosem Frühstücksbuffet würde die Gewinn-übergabe natürlich der absolute Höhepunkt sein.
Was dabei herauskam, können Sie sich sicher denken. Die ganze Geschichte war eine schön verpackte Kaffeefahrt. Hauptgewinner gibt es keine, lediglich ein Bus voller ,,Endnominierter auf den Hauptgewinn", die dann mitten in der Pampas eingesperrt in einem großen Saal förmlich zum Kauf vom irgendwelchen Dingen zu völlig überteuerter Preisen fast genötigt werden. Als "Geschenk" gibt es irgendwelches wertloses Zeugs, das nachher gleich in den Mülleimer landet. Rechtlich kann man nichts machen, denn in dem Schreiben steht nicht, dass man wirklich etwas gewonnen hat. Und die monatliche Rente wird zwar erwähnt, doch nicht wirklich als Gewinn. Außerdem steht da noch etwas von einem Massagesessel im Wert von 1.398 €, der schon unterwegs sei. Leider ist er bei keinem der Glücklichen bisher angekommen!
Mittlerweile sind die ersten, angeblichen Statistiken bei den älteren Menschen in der Region gelandet. Titel, wie gehabt und bereits bewährt: "Der Aufstand der Alten". Und hier möchten wir die Idee eines älteren Mannes weitergeben, wie dieser "Aufstand" aussehen könnte: Schicken Sie die ,,Antwortkarte" unfrei zurück, dann muss der Empfänger bezahlen! Und schreiben Sie dick darauf: "Mit mir nicht!"
Barbara Dickmann
