
Katharina Rüb hinter ihrem Tresen im
"La Palma" in Donaueschingen.
Samstag-Abend 24 Uhr. It`s Partytime im „La Palma Club Bar & Lounge“ in Donaueschingen. Coole Hits, die Luft ist rauchgeschwängert und die Lichtorgel setzt ihre rhythmischen Effekte. Die Bartische leuchten in grün, blau, orange und sind besetzt mit Teens und Twens. Alles, was über dreißig ist, fällt auf und doch kommt der ein oder andere „ältere“ Stammgast kurz auf ein Bier in das Kellerlokal. Keine Frage: Hier fühlt sich die Jugend wohl bis der Morgen graut. Passionierte Nichtraucher sind hier fehl am Platze, zumindest im Winter. Doch im Sommer lockt ein herrlicher Biergarten alle Raucher und Nichtraucher gleichmäßig. Hinter der Theke steht Katharina Rüb. 23 Jahre jung, blond, schlank und selbständige Gastronomin.
Ihr gehört diese Bar. Sie bedient, sie kauft ein, sie kümmert sich um die Buchhaltung und sie putzt den ganzen Laden. Katharina Rüb ist nicht vorbelastet. Ihre Eltern sind keine Gastronomen und eigentlich war ihr beruflicher Werdegang auch völlig anders einstielt worden.....
Katharina legt ihr Abitur ab und beginnt eine Ausbildung zur Handelsfachwirtin. Doch nach drei Monaten gibt sie auf. „Das ist einfach nichts für mich“, sagt sie, „ ich will mich selbständig machen“. Die Eltern sind etwas irritiert. Katharina will in die Modebranche einsteigen und eine Boutique eröffnen. Doch dafür scheint die Zeit nicht reif. Katharina sucht weiter und denkt genau nach. Wenn nicht Mode, dann soll es etwas mit Party und Musik sein – ein Lokal in einer guten Lage. Doch das ist nicht so einfach.
Dann wird das „La Palma“ frei und Katharina verhandelt sofort mit dem Vermieter.
Fünf andere Bewerber stehen ebenfalls auf der Matte, doch Katharina setzt sich durch und unterschreibt sofort den Mietvertrag. Ihre Eltern sind dagegen.
Das „La Palma“ muss komplett renoviert werden. Die junge Frau und ihr Vater krempeln die Ärmel hoch und legen los. „Das ist bei meinem Vater immer so“, sagt Katharina, „ auch wenn er dagegen ist hilft er trotzdem.“ Von einem Getränkelieferanten erhält sie ein Darlehen. Während der Umbauzeit muss sie zwar keine Miete zahlen, doch die Renovierungskosten laufen ihr davon – das Geld reicht einfach nicht. Katharina braucht mehr.
„Zur Bank bin ich erst gar nicht gegangen“, sagt sie, sondern sucht im Internet nach potentiellen Geldgebern. Warum eigentlich nicht zur Bank? „Alles, was mit Gastronomie zu tun hat, ist von vorn herein schwierig und nicht kreditwürdig“, meint Katharina.
Im Internet findet sie MONEX Mikrofinanzierung Baden-Württemberg e.V., die ihre Angebote grundsätzlich auf UnternehmensgründerInnen und kleine Bestandsunternehmen mit einem kleinen Kreditbedarf abgestimmt haben. Sie ist völlig überrascht, dass es ein Büro in Donaueschingen gibt. Katharina ruft an und hat Angelika Stolarski am Telefon, die auch gleich einen Termin mit ihr vereinbart. Doch zu diesem Termin soll sie schon mal einen Businessplan mitbringen. Katharina sucht weiter im Internet und bastelt sich einen Unternehmensplan zurecht, über den sie heute nur lachen kann.
Viel Spaß gibt es auch bei dem persönlichen Termin mit Angelika und Ralf Stolarski, denn der Businessplan ist wirklich kein Meisterwerk geworden. Es wird ein langes Gespräch, Katharina muss beweisen, dass sie es ernst meint, dass ihr soziales Umfeld hinter ihr steht und sie die nötige Disziplin und das Durchhaltevermögen hat. Zusätzlich muss sie ihren Mietvertrag, ihre Gewerbeanmeldung, eine Selbstauskunft, eine Schufa-Datenübersicht einreichen.
Ihre Pläne für die Zukunft: Weiter Gastronomin bleiben und zusätzlich eine Boutique eröffnen. Welche Art von Mode da verkauft werden soll, weiß sie schon ganz genau.
Wie Monex Mikrofinanzierung Baden-Württemberg e.V. funktioniert, erfahren Sie in der kommenden `typisch frau`.
Was Du bedenken solltest:
Wir haben Katharina gefragt, welche Tipps sie an junge Frauen und Männer weitergeben kann, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen, in die Gastronomie einzusteigen. Hier ihre Antwort: „Gastronomie ist einfach hart. Wenn die anderen Party machen, musst Du arbeiten. Und in der Woche hast Du Zeit aber deine Freunde nicht. Wenn Du das machst, dann bist Du wirklich allein und das musst Du einfach wissen. Und wenn Du Hilfe brauchst ist auf einmal keiner mehr da, was bedeutet, dass Du Dich nicht auf andere verlassen sollst. Ich habe Glück mit meiner Familie, die hilft immer. Und Du hast einen harten Job, hast Umsatzschwankungen, musst Dich mit der Buchhaltung rumärgern und immer Ideen haben. Die Schulden dürfen nicht zu hoch sein, das finde ich sehr wichtig. Ich bin nach drei Jahren schuldenfrei und mein Vermieter ist sehr großzügig, er würde mich auch früher aus dem Pachtvertrag lassen.
Gastronomie ist eigentlich der größte Mist – entweder Du willst, oder Du willst nicht!“
