Patricia Kunz hat sich schon sehr früh mit Pädagogik und den unterschiedlichsten Lernmethoden beschäftigt, denn bis heute weiß sie noch genau, welche Schwierigkeiten sie als Kind hatte bestimmte Dinge zu begreifen und welche Blockaden entstehen, wenn sie falsch angefasst werden. ,,Streng dich doch endlich an", oder ,,Konzentrier dich jetzt, schreib doch schöner" erhöhen nur den Druck und verändern gar nichts, außer dass die Lernblockade noch verstärkt wird. Sie will es bei den eigenen drei Kindern besser machen und versucht, das richtige Umfeld zu schaffen, damit sich die Kinder entwickeln können und ihre Talente sichtbar werden, denn genau das ist ihr Anspruch als Mutter. Sie stößt auf Kinesiologie und besucht1996 mehrere Seminare im Freiburger Institut für Angewandte Kinesiologie und setzt ihre Ausbildung in München fort. Heute ist sie Mitglied im Berufsverband der Euopäischen Gesellschaft für Praktische Pädagogik e.V. und betreibt seit September 2002 eine Pädagogische Praxis als Lernberaterin P.P. in Aichhalden (Tel. 07422/55730). Pädagogische Kinesiologie ist für sie der Schlüssel schlechthin und das nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern für alle Menschen. Denn Lernen geschieht am leichtesten, wenn man in einem entspannten Zustand ist und die Sinneskanäle geöffnet sind. Das Denken erfolgt in drei Dimensionen, die Logik und Gefühl, Herz und Verstand aber auch Kampf und Flucht beinhalten. Dafür muss einfach die Verbindung zwischen linker und rechter Gehirnhälfte, die Verbindung oben unten - also Organisation von Körper und Kopf und Vorderhirn zum Stammhirn erfolgen. ,, Jeder, der in seinem Leben etwas verändern will, im Beruf schnell, effizient und kreativ arbeiten möchte, Stressabbau in privaten oder beruflichen Krisensituationen benötigt, Kommunikationsprobleme in Beziehungen hat, oder eine Kompetenzerweiterung in Entscheidungssituationen anstrebt, kann mit dieser Methode viel bewirken", sagt die Lernberaterin. Doch die Verbindung Musikunterricht und Musikkinesiologie ist für sie schlichtweg ideal und einfach gut für alle Musiker und solche, die es werden wollen, für Lehrer wie Schüler und für Bühnenkünstler, die sich auf eine Vorstellung oder Prüfung vorbereiten möchten. Was bei dieser Kombination in der Schramberger Musikschule passiert ist, lesen Sie in der nebenstehenden Reportage.
Warum Musik und Kinesiologie so gut zusammenpassen
Ein Experiment der Schramberger Musikschule mit Cello-Lehrer und Lernberaterin - Elternabend in der Musikschule in Schramberg. Ein neuer Kurs wird vorgestellt, der mehr sein soll als Cello-Unterricht. Und so steht neben Andreas Rossmy, dem Cello-Lehrer, eine
junge Frau, die mit Noten nicht viel am Hut hat. Patricia Kunz ist Lernberaterin und versucht in ihrer Praxis Kindern und Erwachsenen mit Lern- und Lebensproblemen zu helfen. Lese-, Schreib- oder Rechenprobleme, Konzen- trationsschwierigkeiten und herabgesetzte Leistungsfähigkeit sind ihr nicht fremd und wenn das Lernen mehr Frust als Lust bedeutet, arbeitet sie mit pädagogischer Kinesiologie, einem Spezialgebiet der Angewandten Kinesiologie. 26 sogenannte BRAIN-GYM-Übungen lassen linke und rechte Gehirnhälfte gut zusammenarbeiten, was notwendig ist, um Informationen zu verarbeiten. ,, Wenn beide Hemisphären zusammenarbeiten sind wir kreativ, sowohl unsere intuitiven als auch unsere logischen Fähigkeiten führen zur Problemlösung", erklärt sie den interessierten Eltern und nennt ein Beispiel: ,,Jeder Mensch hat eine dominante Gehirnhälfte. Unter Stress hat man auf die nicht dominante Gehirnhälfte keinen Zugriff mehr und die Zusammenarbeit ist nur noch eingeschränkt möglich. Das bedeutet im Musikunterricht: Wer linkshirn-dominant ist, spielt seine Stimme stur nach Noten ohne auf die anderen Spieler einzugehen. Wer rechtshirn-dominant ist, nimmt die Gesamtsituation mit seinen Gefühlen wahr und hat keinen Zugriff auf Details." Doch Unausgeglichenheiten entstehen bereits beim Üben und beim gemeinsamen Musizieren, der Takt wird nicht gehalten, schwierige Stellen nicht richtig gespielt und Einsätze verpatzt. Außerdem kommt jedes Ensemblemitglied mit einer unterschiedlichen Gemütsverfassung in die Gruppe und nicht jeder ist gut drauf, denn plagt den einen der letzte Streit mit der Freundin, ist der andere vielleicht noch geschockt von der fünf im Diktat. Mit spielerischen Übungen, die Körper und Geist in Bewegung bringen, sowie dem kinesiologischen Muskeltest, können solche verdeckten Stressoren und Energieblockaden aufgespürt und abgebaut werden. Worauf der Musiklehrer und die Lernberaterin hinauswollen, merken die Eltern schnell. Musikunterricht und Kinesiologie sollen unter einen Hut gebracht werden, was praktisch bedeutet, dass in den Proben am Montag gemeinsam Brain-Gym-Übungen durchgeführt werden und an einigen Samstagen sollen individuelle Stressoren und Energieblockaden in Einzelarbeit angegangen werden. Denn es gibt eine Musikkinesiologie, die durch körperlich- geistige Ausgeglichenheit die musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten erweitert. ,,Musiker erleben ein hohes Maß an Stress", berichtet Andreas Rossmy, der Musiklehrer, ,,denken Sie nur an das Lampenfieber, das uns Schweißausbrüche und Zittern beschert, doch von der Ursache her bei jedem äußerst unterschiedlich sein kann und auf das wir bewusst keinen Einfluss nehmen können." Gerade in der Musik laufen viele Dinge über das Unterbewusstsein, da die
Beziehung zwischen der Musik und dem Individuum nicht bewusst in der Musik- ausbildung stattfindet. Die Kinder lernen Tonarten, wissen aber nicht was sie bedeuten, sie haben Schwierigkeiten ein bestimmtes Intervall sauber zu intonieren und wissen nicht warum. Hier greift die Musikkinesiologie, stärkt die Verbindung zwischen Musik, Emotionen und Individium und lässt stressfreier und im Einklang mit der eigenen Person musizieren. Schulleiter wie Eltern stehen den Ausführungen positiv gegenüber und beschließen, dieses Experiment zu wagen, auch wenn es natürlich teuerer ist, als der reguläre Musikunterricht. Doch die Schule will die Hälfte der Kosten übernehmen und der Musikunterricht der besonderen Art beginnt. Sechs Wochen werden Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren gemeinsam Kinesiolgie und Musikunterricht haben und zusätzlich in Einzelstunden ihre speziellen Probleme angehen können. Was dann passiert, überrascht Musiklehrer wie Lernberaterin. Denn jedes Kind hat in dieser kurzen Zeit an Stärke und Stabilität gewonnen und bringt sich und seine Fähigkeiten besser ein. Heute ist das Gemeinschaftsgefühl wesentlich ausgeprägter und selbst das zurückhaltendste Kind lässt sich nicht mehr von dem Ton angebenden unterbuttern, denn es hat gelernt, nicht nur nach dem ersten zu schauen, sondern den eigenen Beitrag so wichtig zu nehmen, wie er ist, damit die ganze Sache zum Klingen kommt. ,,Jedes Kind hat seinen Platz in der Gemeinschaft gefunden und kann selbstbewußter seine Stärken einbringen", sagt Andreas Rossmy. Auch die Eltern merken, dass es irgendwie anders geworden ist, dass die Starre gewichen und eine Lockerheit eingezogen ist, die sich nicht nur auf den Musikunterricht beschränkt, sondern auch auf andere Bereiche des alltäglichen Lebens übergegriffen hat. Denn wer sehr früh mit Rhythmik und Bewegung zu tun hat, lernt einfach leichter und ist den schulischen Anforderungen besser gewachsen. Patricia Kunz kam durch die Arbeit mit ihren eigenen Kindern, die manchmal musikalische Schwierigkeiten hatten und sie durch die kinesiologische Arbeit überwunden haben, auf diese Idee. Das Projekt ,,Musikkinesiologie" ersetzt natürlich nicht den Musiklehrer, doch fragt man alle Beteiligten, so scheint die Kombination einfach ideal um herauszuholen was drinsteckt, um selbstbewußter zu werden und mit Freunde seine musikalischen Talente auszuleben - egal ob sie groß oder klein sind.
Patricia Kunz hat sich schon sehr früh für Pädagogik und die unterschiedlichsten Lernmethoden interessiert, denn als Kind ist es ihr manchmal schwer gefallen, bestimmte Dinge zu lernen. Lernen ohne Stress
Barbara Dickmann
