Krisen gehören zum Leben. Siegfried und Heidi Schreiber haben gemeinsam eine bewÀltigt. Bild: SK
Sie entdecken das erste graue Haar! Es schĂŒttet wie aus Eimern und Sie haben den Schirm vergessen! Sie kommen mĂŒde nach Hause und die Wohnung sieht aus wie ein TrĂŒmmerhaufen. "Oh Gott, ich krieg die Krise", werden Sie jetzt ausrufen oder denken, denn dieser Spruch ist einfach in uns drin, ist das Zeichen der Zeit. Doch sind diese kleinen, unangenehmen Dinge des alltĂ€glichen Lebens wirklich schon eine Krise?
Das Wort bzw. der Begriff ,,Krise" stammt aus dem Griechischen ,,Krisis" ab und bedeutet zunĂ€chst nichts anderes als ,,Entscheidung" (so steht es im Lexikon). Im psychologischen wie im allgemeinen Sinn ist eine Krise immer eine besonders schwierige Situation. Eine wichtige Entscheidung muss gefĂ€llt werden oder wir sind an einem Wendepunkt oder Höhepunkt einer Entwicklung angelangt. Also nicht der vergessene Schirm ist dramatisch, fast immer ist eine Krise eine groĂe Herausforderung durch das Leben!
Siegfried Schreiber, bekannter "typisch frau" - Referent, kann ein Lied davon singen. Seine gröĂte Krise war seine Erkrankung. Sechs Jahre lang schwer depressiv, acht Suizidversuche, dann zurĂŒck ins Leben. Er findet Hilfe in der Kognitiven Verhaltenstherapie und in der Positiven Psychologie. Siegfried arbeitet auf, setzt sich intensiv mit der Krankheit auseinander und wird aktiv. Er bewegt seinen Körper und seinen Geist. Mittlerweile ist er Experte in Sachen Depression und in Sachen Lebenskrisen. Was die Positive Psychologie dazu sagt, hat Siegfried Schreiber zusammengetragen und in einem seiner Themenabende besprochen. Hier eine Zusammenfassung:
Unser Leben verlĂ€uft in ganz unterschiedlichen Abschnitten. In jeder Zeit gibt es mehr oder weniger unvermeidbare und natĂŒrliche Entwick-lungskrisen. In der Kindheit sind es zum Beispiel AlbtrĂ€ume, Kindergarten, Schule oder das Abwenden eines Freundes. In der Jugend die PubertĂ€t, Beginn des Berufslebens oder Studiums, die erste Liebe oder das Loslösen vom Elternhaus.
Im Erwachsensein können es Wechsel-jahre, Einsamkeit, Arbeitslosigkeit, der Verlust an AttraktivitĂ€t, Beziehungs-probleme oder die Panik vor dem Ălterwerden sein. Wirkliche Alterskrisen sind oft der endgĂŒltige Ruhestand, Partnerverlust, Vereinsamung, Pflege-bedĂŒrftigkeit oder die Einweisung in ein Alters- oder Pflegeheim. Aber es gibt auch furchtbare SchicksalsschlĂ€ge, die meist mit Verlustereignissen zusammenhĂ€ngen. Schwere und/oder lebensbedrohliche Erkrankungen in der Familie, die zu Amputation oder Erblindung fĂŒhren oder gar der Tod eines Kindes, sind fast nicht zu bewĂ€ltigen und stĂŒrzen uns ins Chaos. "Ich bin im Stress", bedeutet noch lange nicht, dass derjenige, der sich so Ă€uĂert, auch in einer Krise ist.
Umgekehrt ist es immer richtig: Jede Krise hat die unangenehme Eigenschaft, dass sie Stress beim Betroffenen auslöst. Je ernster und schlimmer die Krise, umso brutaler und schÀdlicher der so genannte Disstress (schÀdlicher Stress). Und der wirkt sich sehr wahrscheinlich negativ auf die seelische und körperliche Gesundheit aus.
Wichtig: Wer sich in einer Lebenskrise befindet und in tiefe psychische Konflikte gestĂŒrzt wird, sollte unter allen UmstĂ€nden dem Chaos seiner GefĂŒhle nicht noch weitere seelische TrĂŒmmerfelder hinzufĂŒgen. Manche Menschen fallen bei dem leisesten Windhauch um und andere dagegen sind erstaunlich krisenfest. Was schĂŒtzt sie?
Dazu ein Zitat aus ,,Psychologie Heute 1/2005", das jeder Erwachsene kennen sollte, der Kinder betreut und/oder erzieht: "Wissenschaftler haben in entsprechenden Untersuchungen folgendes festgestellt: Eine ganz bestimmte psychische Haltung, eine Art innere StĂ€rke scheint diese Menschen zu schĂŒtzen. Sie haben Zutrauen in sich selbst, sind von der Wirksamkeit ihres Tuns ĂŒberzeugt, neigen nicht zum GrĂŒbeln, zum Lamentieren, zu haltlosen VorwĂŒrfen an sich selbst oder den Lebenspartner. Schon als Kinder hatten sie ein starkes SelbstwertgefĂŒhl. Sie besitzen diese innere StĂ€rke entweder von Natur aus oder - auch dafĂŒr gab es Hinweise in den Studien - weil sie in ihrer Familie die UnterstĂŒtzung und den Entfaltungsfreiraum fanden, der sie in ihrem Selbst bekrĂ€ftigte." Fazit: Egal wie viel innere StĂ€rke die Natur unseren Kindern mitgibt, wir können sie in jedem Fall stĂ€rker machen.
Wenn wir Krisen bewĂ€ltigen wollen, sollten wir ungefĂ€hr wissen, was im Verlauf einer Krise auf uns zukommt. Mehr darĂŒber und ĂŒber die fĂŒnf unterschiedlichen Krisen-typen in der kommenden ,typisch frau`.
Barbara Dickmann
