Dr. Andreas Jakob, Arzt für Hämatologie und Onkologie, leitender Oberarzt
Bild: Privat
Im Wartezimmer der Gemeinschaftspraxis Dres. Marianne Müller, Bernhard Linz und Andreas Jakob, Fachärzte für Hämatologie und Onkologie in Offenburg, liegt ein in Leder gebundenes Buch. Es ist ein Patientenbuch - mit Sprüchen von Krebskranken oder deren Angehörigen. Blättert man darin, findet man die gegensätzlichsten Aussagen, was ganz deutlich zeigt, wie unterschiedlich Menschen mit schweren Erkrankungen diese neue Lebenssituation begreifen und versuchen zu verarbeiten. Hier einige Eintragungen: "Du weißt nicht mehr wie Blumen duften, kennst nur die Arbeit und das Schuften! So gehen sie hin die schönen Jahre, auf einmal liegst du auf der Bahre und hinter dir da grinst der Tod - kaputt gerackert, Vollidiot!"
Ärzte sind heute keine Götter mehr in Weiß. Sie sind Menschen, die helfen wollen, sind oft genug Begleiter in schwierigen Zeiten. Nächster Eintrag:
"Frage nie, was das Geschick morgen wird
beschließen. Unser ist der Augenblick - lass uns den genießen".
Eigene Erfahrungen sind oft der beste Wegweiser. Dr. med. Andreas Jakob, der im vergangenen Jahr im Europa-Park einen beeindruckenden Vortrag hielt (wir berichteten), kann das nur bestätigen. "Ich war ein junger Student und saß nach einem Sportunfall in der Klinik mit einem verletzten Auge. Ich hatte Angst um mein Augenlicht. Der Arzt untersucht mich, murmelt vor sich hin und speist mich mit lateinischen Wörtern ab. Das war einfach furchtbar und ich habe mir damals geschworen nie so mit meinen Patienten umzugehen", berichtet er.
Nächster Eintrag:
"Es dreht sich die Welt um des Menschen Geschick. Es wechselt die Liebe, es wechselt das Glück. Drum, wenn es dir schlecht geht, verlier nie den Mut. Es wechselt ja wieder und wird wieder gut!"
Der Hämatologe hat noch ein zweite Erfahrung als Patient: "Ich hatte einen Knoten in der Schilddrüse und wusste, dass er bösartig sein könnte. Die Zeit bis dann endlich der Befund kam, verbunden mit der Aussage der Ärzte, war einfach grauenvoll. Seither weiß ich, dass jede Stunde, die man früher den Befund hat, einfach wichtig ist. Das Warten ist etwas ganz dramatisches. Wir bemühen uns so schnell wie möglich unsere Patienten zu informieren, auch wenn die Diagnose schlecht ist, muss sie sofort weiter gegeben und gleichzeitig überlegt werden, wie wir jetzt weitermachen".
Nächster Spruch: " In jeder Minute, in der
man Ärger hat, versäumt man 60 Sekunden glücklich zu sein".
Keine Frage, ein Arzt, der mit Schwersterkrankten arbeitet, wird professionell und funktioniert. "Doch jeder Patient ist wieder ein neuer, ganz individueller Fall. Wir stumpfen nicht ab, sondern versuchen immer, das optimale herauszuholen", sagt der Onkologe. Noch zwei Sprüche:" Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man die schönsten Sachen bauen". Oder: "Halte Dein Gesicht der Sonne entgegen, so bleibt der Schatten hinter dir".
Kraft schöpfe er aus dem Glauben, aus seiner tiefen religiösen Verwurzelung, die ihm durch die Mutter ins Leben gesät worden sei, sagt Dr. Andreas Jakob, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, wachzurütteln, aufzuklären und die Ängste vor Krebs zu nehmen. Eine Patientin schreibt dazu:" In jungen Jahren lernte ich - wer kämpft kann verlieren. Aber wer nicht kämpft hat bereits verloren. Der Wille ist der Weg zum Ziel. Ich wünsche jedem die Kraft zu kämpfen".
Barbara Dickmann
