Hans-Joachim Tilgner aus Donaueschingen liest regelmäßig unsere Seite. Das freut uns sehr. Zu unserer Reportage über Susanne Schroff, einer 41jährigen Frau, die ihren Mann und ihre vier Kinder im Teenager-Alter verlässt, um ein eigenes Leben aufzubauen und die unter dem Titel: "Wirklich eine Rabenmutter?" am 30. August erschien, schreibt er folgenden Leserbrief:
"Das Mutterbild dieser Frau bekommt durch die Art ihrer Darstellung - je nach Leseart - eine Opfer- oder eine Täterrolle und erregt beim Lesen Mitleid oder Hass. Der Artikel "Auf eigenen Beinen" ist nach meiner Meinung keine Hilfe, weder für die Frau, noch für die Kinder oder den Mann. Wenn ein Mann seine Familie verlässt, ist es keine Rarität mehr. Bei dem deutschen Mutterbild jedoch ist es sehr mutig, den Weg als "Rabenmutter" zu gehen. Sicherlich eine Lösung, aber ist sie die einzige Lösung und ist sie vielleicht etwas zu einseitig? Ich denke, dass das Frauenbild sowie das Männerbild in keiner Form eine Veränderung erfährt, indem man das eine oder andere Verhalten so darstellt wie es ist. Man löst gar nichts, man öffnet oder entblößt lediglich Tatsachen. Tatsachen aber sollten durch eine Beratung Veränderungen erfahren und alle Betroffenen bereichern, beglücken. Bei ihrer Darstellung ist nicht einmal der Denkanstoß einer Lösung enthalten. Im Gegenteil, es kann durch diese Form der Berichterstattung so mancher Männerhass auf Frauen und umgekehrt ausgelöst werden, natürlich völlig ungewollt.... Von den Ängsten aller anderen mal ganz zu schweigen. Es gibt bei ihnen keine zwingende Beweisführung
einer Betrachtung des Problems. Es ist schlicht gesagt zu einseitig. Auf Grund ihres Artikels ist es mir wichtig, ihnen meine Sichtweise zu erklären. Meine Vorstellung ist nicht typisch Mann, weil ich zu diesem Thema bereits mit vielen weiblichen Wesen gesprochen habe, die es ähnlich sehen. Wie sähe dann eine Lösung aus? So wie es zwei Geschlechter gibt, gibt es ,,ein Oben, ein Unten", ein ,,Rechts und ein Links". Man kann sich an Eis ebenso verbrennen wie an Feuer, durch übergroße Helligkeit erblinden, wie an absoluter Dunkelheit. Im Einzelnen diese Tatsachen zu erläutern würde den Rahmen dieses Briefes sprengen. Ab er in einfachen Worten: Es gibt in jedem Paarverhalten ein Spannungsverhalten, das wie ein Gummiband wirkt: mal etwas gespannter, mal etwas entspannter. Das Gummiband funktioniert aber nicht mehr, wenn es entweder nur lasch ist (ausgeleiert), oder zu fest, weil es überspannt ist. Beides ist stressig. In so einem Spannungsverhältnis befindet sich jede Partnerschaft. Ein Spannungsverhältnis zwischen Geist und Körper, zwischen Denken und Handeln hat ebenso jeder Mensch. Spannungs-verhältnisse sind nie einseitig, also weder weiblich noch männlich, sondern eben sachlich. Da der Mensch nur biologisch Mann oder Frau ist - geistig gibt es keine Geschlechtlichkeit - sind nur geistige Lösungen möglich. Stellen wir uns ein Ehepaar vor, das gemeinsam an einen Tau zieht, jedoch jeder am anderen Ende. Bei ungleicher Stärke wird irgendwann der Schwächere aufgeben und das Handtuch werfen. Da der Stärkere weiter seine Kräfte einsetzt, stürzt er ab. Ist also das stärkere Element der Gewinner? Kommen
wir zur Problemlösung. In der Ehe liegt die Einheit des Glückes weder bei der Frau, noch beim Mann. Das Gesetz der Spannung in einer Ehe verlangt eine Lösung, die rein menschlicher Art ist und daher von dem Menschenbild diktiert wird, dem das Ehepaar angehört. Unsere (auch gesellschaftlichen) Probleme sind unser uraltes Denken: ,,Schwarz - Weiß", "Gut - Böse", "Opfer - Täter". Der Mensch lebt immer in einem Spannungsverhältnis, wobei der Eigenanteil eines Opfers sogar nur darin bestehen kann, dass die betroffene Person lediglich weiblich oder männlich ist oder schwarz ist bzw. in Armut geboren wurde. Wer kann was dafür in Indien oder Afrika geboren zu sein? Wenn es uns gelingt, die Einheit des Menschen zu akzeptieren, bedeutet es in einfachen Worten gesagt: "Der Mensch ist unabwendbar Individuum und Gemeinschaft". Suchen wir nach Lösungen benötigen wir das Einheitsprinzip: Mann Frau = Einheit ,,Ehe", Mann Frau Kind = Einheit ,,Familie". Also, einen solchen Artikel rein ,,fraulich" oder rein ,,männlich" zu betrachten ist zwar unterhaltsam, ich denke jedoch es bleibt fruchtlos."
Zugegeben, man muss manche Sätze zweimal lesen um den Inhalt und die Gedanken, die dahinter stehen, zu erkennen, doch eins ist völlig klar - oft ist der vermeintlich Schwächere in Wirklichkeit der Stärkere. Was sagen Sie dazu? Wir freuen uns über ihre Meinung per Email, Brief oder Telefon (siehe oben).
Barbara Dickmann
