Wenn aus Liebesunterschriften - Schulden werden

-eine wahre Geschichte-

Karin (Name geändert) ist Friseurin und ihr Mann Dachdecker. Karin arbeitet Teilzeit und ist zusätzlich für die drei K`s - Kinder, Küche, Kirche verantwortlich. Ihr Mann fährt immer ein schnelles Auto, das eigentlich eine Nummer zu teuer ist, braucht unbedingt den Plasma-Bildschirm, einen neuen Rechner und da wäre auch noch die Digitalkamera, ohne die es einfach nicht mehr geht. Ein Kredit löst den anderen ab und die Raten fließen nicht immer pünktlich. Mal ist die Handy-Rechnung zu hoch, mal ist es die Klassenfahrt der Kinder, mal der Urlaub... irgendetwas kommt immer dazwischen. Doch dann kommt es ganz dicke - Karins Mann wird arbeitslos. Eigentlich kommt ihm das nicht so ungelegen, denn er wollte sich schon immer selbständig machen, auf eigenen Füßen stehen und das Zepter in der Hand halten. Eine GmbH wird gegründet und ein Kredit muss her. Doch Karins Mann ist nicht kreditwürdig, die letzte, unbezahlte Handy-Rechnung bricht ihm das Genick und er steht auf der Schwarzen Liste. Die Bank will nicht - jedenfalls nicht mit ihm. Wenn überhaupt, dann nur mit Karin. Karin soll Geschäftsführerin und Kreditnehmerin werden. Doch Karin zögert. Sie ist keine Geschäftsfrau, sie hat von Tuten und Blasen keine Ahnung und Karin will eigentlich gar nicht. ,,Das ist doch reine Formsache. Das ist doch nur eine Unterschrift. Das ist doch für uns und für unsere gemeinsame Zukunft", argumentiert ihr Mann und Karin unterschreibt.....
Das wird schon bald zur Gewohnheit. Denn in den nächsten zwei Jahren unterschreibt Karin so einiges, was sie nicht versteht. Ihr Mann stellt Mitarbeiter ein, nimmt Aufträge an, gibt Bestellungen auf, Steuererklärungen ab, kauft ein neues Auto und, und, und... So ganz nebenbei verwechselt er Umsatz mit Gewinn. Unbezahlte Rechnungen stapeln sich, das Konto rutscht in die Miesen, die Zuliefererfirmen wollen bares ehe sie liefern und dann brechen auch noch die Kunden weg.

Karin ahnt nicht, was sich über ihr zusammenbraut. Ihr Mann redet alles gut, doch neuerdings trinkt er mehr als ihm gut tut, ist ziemlich nervös und schreit die Kinder ständig an. Doch dann kommt der Tag X. Die EC-Karte wird eingezogen, der Gerichtsvollzieher steht auf der Matte , die Sozialversicherungsbeiträge sind nicht bezahlt, die Mehrwertsteuer auch nicht, eine Lohnpfändung landet bei ihrem Arbeitgeber und was die absolute Krönung ist: Karin hat eine Straftat begangen und wird verurteilt . Insolvenzbetrug nennt man die ganze Geschichte, denn als Geschäftsführerin einer GmbH ist sie per Gesetz verpflichtet, bei Überschuldung Insolvenz anzumelden. Auch hier gilt der Spruch: Dummheit (oder Ahnungslosigkeit) schützt nicht vor Strafe. Karin weiß nicht wie ihr geschieht, wo ihr der Kopf steht und was das alles soll. Karin ist ruiniert. Eine Privatinsolvenz kommt nicht in Frage, da sie wegen Insolvenzbetrug rechtskräftig verurteilt wird. Ihre Ehe ist im Eimer und Karin muss lernen, mit Lohnpfändungen und dem Existenzminimum zu leben. Als sie der Richter fragt, wie um alles in der Welt sie so naiv sein könne, wieso sie einfach den Kopf in den Sand gesteckt habe, und einfach immer nur unterschrieben habe ohne sich auch nur einmal etwas durchzulesen, schaut sie ihn nur entsetzt an. ,,Er war doch mein Mann, ich habe ihm vertraut , mich auf ihn verlassen, da kann ich doch nicht ,,Nein" sagen......".

Es ist doch nur eine Unterschrift
- Wenn Mahnbriefe ins Haus flattern -
Um es gleich vorweg zu sagen - natürlich sind Frauen keine Engel und im Geld ausgeben nicht zu schlagen. Natürlich gibt es etliche Familien in denen Frauen Schulden produzieren und Mann und Kinder in den Ruin treiben. Doch ,typisch frau` ist die Seite für das schwache Geschlecht, deshalb bitten wir das starke Geschlecht, quasi die Herren der Schöpfung, um Verständnis für die, zuzugeben, sehr einseitige und subjektive

Behandlung dieses Themas. Luitgard Schmieder, Sozialpädagogin (BA) und zuständig für die Soziale Beratung in Existenzsicherungs- und Schuldenfragen beim Diakonischen Werk im Schwarzwald-Baar-Kreis kann ein Lied davon singen, wie oft Frauen bereit sind aus Liebe, auf Druck des Partners oder einfach weil sie denken, ihren Partnern etwas zu ,,schulden" Schulden machen. Deshalb bietet sie einen Workshop nur für Frauen an. Titel: Schulden aus Liebe! (Termin, siehe Infokasten)
Mehr als achtzig Prozent aller Frauen, die zu Luitgard Schmieder kommen, haben diesen Hintergrund. Mal ist es eine unterschriebene Bürgschaft, mal die Hoffnung auf ein gemeinsames Leben und manchmal sind es Verträge von denen die Frauen überhaupt keine Vorteile haben. ,,Die Motive sind so vielfältig wie wir Frauen", sagt Luitgard Schmieder und oft genug läuft es so ähnlich wie in unserer wahren Geschichte, die wir ebenfalls auf dieser Seite schildern. Frau steckt den Kopf einfach in den Sand, ignoriert Mahnbriefe und Gläubiger und sucht erst kompetente Hilfe, wenn der Druck nicht mehr auszuhalten ist und sie nicht mehr weiß, wovon sie Butter und Brot kaufen soll. Frauen mit Schulden sind oft unstrukturiert und haben keinen Überblick - und einen Aktenordner noch viel weniger. Luitgard Schmieder fängt dann ganz von vorne an. Mit sortieren, abheften, zusammenrechnen. ,,Erst mal einen Überblick verschaffen, dann konkrete Hilfsmöglichkeiten suchen und den Weg aus der Überschuldung planen", ist für Luitgard Schmieder der richtige Anfang um das Leben wieder in den Griff zu kriegen. Weitere Tipps und kompetente Ratschläge dazu in der kommenden ,typisch frau`. Auch bei diesem Thema freuen wir uns über ihre Reaktionen, ihre Geschichte und ihre Anregungen - egal ob am Telefon (siehe oben), per Brief oder Email.

Barbara Dickmann