Nur ein Funke Gefühl fürs Baby genügt

- Schwangeren- und Schwangerschaftskonflikt-Beratung bei pro familia -

Das Team: Beate Berg-Haller, Dr. Karin Geiger, Gitta Benker, vorne Corina Stollbert und Michael Malina. Bild: B. Dickmann

Die Räume sind hell und freundlich, die Möbel farbig und bequem. Und das Ambiente zum Wohlfühlen. Und doch wird hier nicht Kaffee getrunken, sondern oft sogar Tränen vergossen... Pro Familia Beratungsstelle in Villingen-Schwenningen. Wir sitzen alle zusammen, um über ein Thema zu reden, das genauso glücklich wie unglücklich machen kann: Über Schwangerschaft, Schwangeren-Beratung und Schwangerschaftskonflikt-Beratung. Grundlage ist unser Beispiel aus der letzten "typisch frau". Erinnern Sie sich: Ein junges Paar, beide blutjung, er in der Ausbildung, sie hat einen Teilzeitjob. Die Wohnung: 1-Raum-Apartment und dann meldet sich plötzlich Nachwuchs an - und das auch noch dreifach. Was tun? Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Wichtig bei unseren Beispiel: Das junge Paar hatte sich eigentlich schon für die Kinder ent-schieden, wussten aber beide nicht, ob sie es schaffen würden. Was die Beraterinnen und Berater bei pro familia in diesem Fall leisten, ist eine Schwangeren-Beratung. "Schwangeren-Beratungen sind immer Einzelfallberatungen", sagt Dipl. Soziologin Gitta Benker. Warum: Weil einfach der Rahmen so kompliziert geworden ist. Ob nun Gelder über eine Stiftung fließen oder es irgendwelche anderen Geldquellen gibt, liegt nicht auf der Hand. Und das Geld spielt eine große Rolle. "Ich will doch

meinem Kind etwas bieten", hört Beate Berg-Haller, Dipl. Sozialarbeiterin und Leiterin der Beratungsstelle oft von Schwangeren. Doch Kinder brauchen in erster Linie Liebe und Geborgenheit. Und Kinder sind nicht nur das angebliche Armutsrisiko Nr. 1, sondern Kindern machen Freude und das Schöne überwiegt!
"Es gibt nichts Schlimmeres als Ablehnung. Aus ungeliebten Kindern werden Erwachsene, die lebenslänglich dieses Loch nicht stopfen können." Doch steht man zu dem Winzling, der heranwächst, freut man sich darauf, dann sollte der finanzielle Aspekt nicht entscheidend sein. Und hier geht es schon weg von unserem jungen Paar, das ja ihre Kinder gerne haben will. Also weg von der Schwangeren-Beratung in die Schwanger-schaftskonfliktberatung.
Eine Schwangerschaftskonflikt-Beratung hat eine völlig andere Struktur. Hier geht es um die grundsätzliche Entscheidung zum Kind oder zum Abbruch der Schwanger-schaft, der vor der 14. Woche erfolgen muss. Schein oder nicht Schein, ist hier die Frage. Hier die Zielsetzung von pro familia:
Grundsätzlich gilt: Die Beratung im Schwangerschaftskonflikt dient dem Schutz des ungeborenen Lebens. Doch dabei wird davon ausgegangen, dass dieser Schutz nur durch die Schwangere selbst, also nicht durch den Vater, oder die Großeltern, gewährleistet werden kann. Natürlich wird das soziale Netz trotzdem gründlich geprüft. Und die Kunst der Beratung ist es herauszufinden, ob die Schwangere das Kind eigentlich doch austragen und großziehen möchte. "Wenn nur der Funke des Gefühls da ist, dass sie das Kind will, dann tun wir alles, was in unserer Macht steht, um sie von einem Abbruch abzubringen", sagen die Beraterinnen einhellig.
98 Prozent der Frauen machen sich die Entscheidung schwer. Jede ungewollte Schwangerschaft ist eine Krise, da bleibt immer etwas! Der Sinn einer Beratung ist

es, die Perspektiven zu verdeutlichen, darüber zu reden, wie das Leben weiter gehen könnte. Was während einer Beratung immer wieder durchkommt ist Einsamkeit. "Viele Frauen haben wirklich keine Menschenseele und wo sind die Männer?" Corina Stollbert und Michael Malina, Dipl. Sozialpädagogin und Dipl. Pädagoge erleben sie selten.
Selbstzweifel plagen die Frauen oft. Sie fühlen sich nicht erwachsen genug, die Beziehung sei nicht tragfähig und der Partner kümmere sich überhaupt nicht. ... "Man muss Respekt haben vor den Fragen", sagt Dr. Karin Geiger, die Ärztin von pro familia. "Kinder bestimmen mindestens 20 Jahre unser Leben und es ist etwas anderes, ob man immer Mutter und Vater gleichzeitig sein muss". Weiterer Grundsatz von pro familia: Die Beratung wird auf der Grundlage des geltenden Gesetzes geführt und soll die Selbstbestimmung der Frau stärken. Die Atmosphäre muss offen und vertrauensvoll sein und bevor sie ihre letzte Entscheidung fällt, erfährt sie von den ihr zustehenden Hilfen, gesetzlichen Leistungen, von den Angeboten diverser Stiftung. Auf Wunsch gibt es darüber hinaus psychologische Hilfestellungen, die zur Lösung von Problemen in Ehe und Partnerschaft, im Zusammenhang mit Sexualität und in Lebenskrisen beitragen sollen. Und natürlich werden auch medizinische Informationen über den Verlauf einer Schwangerschaft, über Familienplanung und über die Anwendung verschiedener Verhütungsmittel gegeben.
"Pro familia" ist eine politisch und konfessionell unabhängige Beratungsstelle. Und ob mit oder ohne Konflikt, jede Schwangere kann gerne kommen, sich informieren, vielleicht über ihre Ängste sprechen und sich kompetenten Rat holen. Rufen Sie an: 07721-59088. Oder kommen Sie an den Stand beim "typisch frau" - Geburtstagsfest am 6. Juli in der Neuen Tonhalle!

Barbara Dickmann