Hund Albert verhindert, dass der innere Schweinehund gewinnt, wenn es darum geht, morgens durch den Wald zu laufen. Bild: B. Dickmann
Eigentlich wollten Sie jeden Tag mit einem Waldlauf starten. Einfach früher aufstehen, die herrliche Natur genießen, tief durchatmen, dem Stress weglaufen und so ganz nebenbei strammere Schenkel und schlankere Hüften bekommen. Doch der Abend war lang, das Bett so wunderbar warm und draußen ist es noch dunkel... Andere Beispiele: Überstunden bleiben grundsätzlich an Ihnen hängen! Ihre Freundin haben Sie schon seit Wochen nicht gesehen, weil Ihr neuer Partner sie nicht leiden kann. Und nach wie vor schaffen Sie es nicht, auf das dumme Geschwafel Ihrer Schwägerin endlich mal die passende Antwort zu geben...
Wie auch immer Sie gelagert sind, schuld am Elend sind nicht Sie, sondern ein ganz bestimmtes Tier: Ihr innerer Schweine-
hund. Er pfuscht in Ihr Leben und block- iert. Sucht für Sie den bequemsten Weg und gibt immer wieder die gleichen Tipps. Denn der innere Schweinehund ist faul, will keine Veränderungen, keine Anstreng-ungen und scheut alles, was neu ist. Seine Lieblingssprüche: "Lass das sein! Mach das doch später! Das schaffst Du sowieso nicht!" Und schon geben Sie auf, bevor Sie richtig angefangen haben!
Den inneren Schweinehund gibt es schon lange. Laut Wikipedia, der freien Enzyklopädie "umschreibt die Bezeichnung innerer Schweinehund - oft als Vorwurf - die Willensschwäche, die eine Person daran hindert, unangenehme Tätigkeiten auszuführen, die entweder als ethisch geboten gesehen werden (z.B. Probleme anzugehen, sich einer Gefahr auszusetzen), oder die für die jeweilige Person sinnvoll erscheinen (z.B. eine Diät einzuhalten). Sie kann damit in direkte Verbindung gebracht werden zur Motivation und ist eine metaphorische Umschreibung der Akrasia (das bedeutet Willensschwäche, Unbe-herrschtheit, Handeln wider besseres Wissen). Der innere Schweinehund war bereits im und nach dem Ersten Weltkrieg im Gebrauch. Für diesen Ausdruck wurde im deutschen Reichstag der SPD-Abgeordnete Kurt Schumacher am 23. Februar 1932 zur Ordnung gerufen. Er hatte es in dem Sinne verwendet, dass die Nationalsozialisten an den inneren Schweinehund appellierten, also an die niedrigsten Motive der Menschen. Heute wird der innere Schweinehund meliorativ
(positiv aufgewertet) verwendet.
Hunde- Karikaturen dienen der Illustration von Motivationsbüchern, in denen Methoden zum Umgang mit Willens-schwäche formuliert werden." Klingt nicht gerade schmeichelhaft, die ganze Geschichte, doch der innere Schweinehund ist nicht unbesiegbar, wenn auch schwer besiegbar. Und sollte er mal wieder morgens zu Ihnen sagen: "Lass das doch sein! Im Bett ist es viel schöner! Fang doch Morgen damit an! Das schaffst Du sowieso nicht!" Dann strecken Sie ihm einfach die Zunge raus, träumen einen Augenblick von schlanker Taille, strammen Waden, neuer Jeans, stehen dann motiviert auf, ziehen sich die Jogginghose an und laufen los... Übrigens, Carl Scheffler vertritt in seinem Buch: "Der Schweine-hund-Effekt, wie sie ihre schlechten Eigenschaften Gewinn bringend einsetzen (ISBN 3-478-37990-3) eine besondere Theorie. Wer schlechter ist, lebt besser, meint er. Die vermeintlich schlechten Eigenschaften bergen auch große Potenziale in sich: Wer faul ist, wird ein Meister in der Kunst des Delegierens sein, wer Ellenbogen hat, wird sich nicht ausbeuten lassen, wer fies ist, wird garantiert kein Mobbing-Opfer. Voraus-setzung sei, dass man seine "Qualitäten" erkennt und sie bewusst und zielgerichtet einsetzt. Witzige Bücher zum Thema: "Günter", der innere Schweinehund von Stefan Frädrich hilft mit seinen Motivations-Tipps, die Hürden des Lebens
Barbara Dickmann
