Margot Schwörer bei der ehrenamtlichen Arbeit. Bild: Privat
Keine Frage - der Staat zieht sich zurück. Er zeigt immer weniger soziale Verantwortung und fordert immer mehr von den Bürgern. Ob das jetzt gut und richtig ist oder nicht, wollen wir hier nicht vertiefen. Die Schlagzeilen der letzten Wochen, die Kommentare von mehr oder weniger kompetenten Fachleuten müssen nicht auch noch auf Ihrer Frauenseite Einzug halten (obwohl das schwer fällt, denn da gäbe es einiges zu sagen...).
Sprechen wir lieber von Margot Schwörer, selbständige Friseurmeisterin aus Hüf-ingen. Eine Frau, die weiß, was sie will. Als alleinerziehende Mutter wagt sie vor über 20 Jahren den Sprung in die Selbständigkeit. Sie wagt und gewinnt. Und sie ist bereit, soziale Verantwortung zu übernehmen. Und das seit vielen Jahren.
Doch vor fünf Jahren hat sie eine Aktion ins Leben gerufen, die einfach genial ist. Der Auslöser: Eine Reportage im Fernsehen. Über krebskranke Kinder mit riesengroßen Augen und Glatzen. Über Eltern, denen Bankenkrise und Abgeltungs-steuer grad egal sind. Eltern, die gemeinsam mit ihren Kindern oft um das nackte Leben - um das Überleben kämpfen! Diese Bilder lassen Margot Schwörer nicht mehr los.
Hier muss man doch helfen! Margots Idee: Haare schneiden für krebskranke Kinder! Wann: Immer wenn in Hüfingen Töpfermarkt ist. Das Ungewöhnliche: Nicht während der Arbeitszeit, sondern in der Freizeit, am Samstag nach offiziellem Geschäftsschluss, wird einfach weiter gearbeitet - Margots Mitarbeiterinnen spielen mit. Doch das Geld landet nicht in ihrer Kasse, sondern in ein großes Sparschwein, dessen Inhalt dann am folgenden Montag auf das Konto des Förderverein für krebskranke Kinder e.V. eingezahlt wird. Am 11. September 2004 legen sie zum ersten Mal los. Die Kunden kommen, sie strömen förmlich, sie sind begeistert und füttern das Sparschwein. Am Ende dieses ersten Tages sind Margot Schwörer und ihr Team fix und alle - und einfach glücklich. € 1.251,72 landen auf das Konto des Fördervereins für krebskranke Kinder. Machen wir es kurz - es wird die Erfolgsstory schlechthin. Am 10. September 2005 nehmen sie € 787,90 ein. Im Mai 2006 wendet sich Margot Schwörer an uns und eine Idee springt von frau zu "typisch frau." Warum eigentlich nur in Hüfingen? Warum nicht in Villingen-Schwenningen, Donaueschingen, Radolf-zell, Singen?? "Wenn ganz viele Friseure am gleichen Tag zur gleichen Zeit
die gleiche Aktion starten würden. Wenn wir gemeinsam ganz viel Geld für krebskranke Kinder einnehmen würden - das ist mein Traum", sagt Margot im ersten Gespräch.
Den Rest kennen Sie, denn als "typisch frau"- Leserin sind Sie ja einiges gewöhnt. Am 9. September 2006 erfüllt sich Margots Traum. Trotz Urlaubszeit und extrem kurzer Planungsphase sind neun Betriebe mit dabei. Das Ergebnis: € 6.500 gehen an den Förderverein. Und Margot Schwörer wird zum Modellprojekt. Warum: Weil sie, ohne das geringste zu ahnen, dem Trend der Stunde gefolgt ist und der heißt: Corporate Citizenship (CC), zu deutsch: Unternehmerisches, bürgerschaftliches Engagement. Margots Projekt und unsere Unterstützung wird als gutes Beispiel für unternehmerisches Engagement in das "Unternehmen BE", einem Landesprojekt der Stabstelle für Bürgerengagement beim Sozialministerium Baden-Württemberg aufgenommen.
In 2007 und 2008 geht die Erfolgsstory weiter. Obwohl "typisch frau" aus dem Gesamtblatt genommen wird und ausschließlich im Schwarzwald-Baar-Kreis erscheint, bleibt die Friseurin Maria Angilletti aus Radolfzell der Aktion treu. Am 13. September schneiden beide Friseurinnen und ihre Mitarbeiter wieder für die krebskranken Kinder und deren Familien. Das Ergebnis in 2008: € 1.034,89 in Hüfingen und € 980,00 in Radolfzell.
Margots Traum von vielen fleißigen Friseurinnen und vielen Menschen, die einmal im Jahr Haare lassen für besondere Kinder, versuchen wir in 2009 wieder Wirklichkeit werden zu lassen. Wir freuen uns auf Ihre Hilfe und auf eine gemeinsame Aktion.
Barbara Dickmann
