Die Akteure der ersten Stunde: Annette Kliche, Margot Schwörer und Katharina Baumann (von links). Bild: Privat
Kinderlieder sind einfach schön – Kinderlieder sind fröhlich. Sie begeistern und lassen das Herz höher schlagen. Doch manchmal sieht die Sache anders aus. Dann klopft unser Herz wie wild und unsere Augen werden feucht. So wie bei diesem hier, dass von Georg (Name geändert), einem krebskranken Jungen gedichtet wurde. Es geht so:
"Ich liege hier im Krankenhaus, mir gingen alle Haare aus. In meinem Zimmer gibt`s kein Schrank und alle Kinder sind hier krank! Manchmal ging`s mir nicht so gut, doch immer hab ich sehr viel Mut! Die Schwestern sind alle lieb und nett, ich liege hier sehr viel im Bett, krieg Medizin, die gesund mich macht, darauf geben alle Ärzte acht! Mein Mund tat weh, ich konnt` nicht sprechen, doch Gott sei Dank musst` ich nicht brechen. Das Essen bekam ich über`n Schlauch, da blieb er leer mein kleiner Bauch. Ich durfte nicht raus aus meinem Zimmer, hab viel gespielt, war oft Gewinner! Doch bald komm` ich wieder heim, dann woll`n wir alle fröhlich sein!"
Gedicht eines krebskranken Jungen
Margot Schwörer, selbständige Friseurmeisterin in Hüfingen, kennt dieses Kinderlied der besonderen Art nicht. Doch in 2004 läuft eine Reportage im Fernsehen, die ihr unter die Haut geht. „Diese Bilder werde ich nie vergessen“, sagt sie. Kleine Kinder mit Glatzen, verzweifelte Eltern, die zwischen Angst und Hoffnung schwanken und sich irgendwann sogar die Schuldfrage stellen. Geschwisterkinder, die zurückstecken müssen und oft nicht begreifen, was hier geschieht.
Margot Schwörer will helfen! Wenige Monate später, am 11. September 2004, startet sie zum ersten Mal eine Aktion, die seither nicht mehr wegzudenken ist. „Schneiden für die Krebshilfe – lassen Sie Ihre Haare für einen guten Zweck“, ist das Motto. Margot Schwörer und ihr Team arbeiten an diesem Tag bis abends ohne Verdienst und viele Menschen machen mit. Sie lassen sich die Haare schneiden, runden den Preis großzügig auf und versorgen das Friseur-Team mit Kuchen. Es ist eine Stimmung, wie auf einem Volksfest. Es ist das ganz besondere Gefühl mit jedem Haarschnitt, jeder Färbung, jeder Tönung ganz gezielt zu
helfen. Das Sparschwein, das auf der Theke steht, wird immer voller. Am Montagmorgen trägt Margot Schwörer es fast andächtig zur Bank. Das Ergebnis: € 1.251,72 werden an den Förderverein überwiesen. Mittlerweile ist Haare schneiden für krebskranke Kinder eine feste Einrichtung geworden. Am 12. September werden Margot Schwörer und Ihr Team wieder am Tag des Töpfermarkts in Hüfingen auch nach Geschäftsschluss noch weiter im Geschäft stehen. Es wird das sechste Mal sein. Margot Schwörer hofft auf viele Haare, die sie schneiden und viele Kunden, die sie bedienen möchten. Denn „es ist einfach ein gutes Gefühl, etwas zu tun“, sagt sie. Und eigentlich sei jeder dazu verpflichtet, dem es gut gehe.
Jedes Jahr erkranken rund 1.750 Kinder unter 15 Jahren an Krebs. Am häufigsten werden in dieser Altersgruppe Leukämien, Tumoren des Gehirns und des Rückenmarks sowie Lymphknotenkrebs diagnostiziert. Sie haben eine relative 5-Jahres-Überlebensrate von 55 Prozent. Schaffen krebskranke Kinder diese ersten fünf Jahre, ist ihre Lebenserwartung genauso hoch, wie die der allgemeinen Bevölkerung (Quelle: Wikipedia). Darauf baut Margot Schwörer. Auf möglichst viele Kinder, die dann singen werden wie der kleine Georg: ...Bald komm ich wieder heim, dann wollen wir alle fröhlich sein...
Die Aktion
Margot Schwörer, selbständige Friseurmeisterin aus Hüfingen, sucht Gleichgesinnte. Die Aktion: „Haare schneiden für krebskranke Kinder“! Die Zielgruppe: Sie sind selbständige(r) Friseur/Friseurin. Die Aktion: Sie und Ihre Mitarbeiter sind bereit, einen Samstagnachmittag von 14 bis etwa 20 Uhr in Ihrer Freizeit umsonst zu arbeiten. Auf Ihrer Theke steht ein großes Sparschwein, darin wandern sämtliche Einnahmen dieses Nachmittags, die zu 100 Prozent an den Förderverein für krebskranke Kinder e.V. Mathildenstraße 3, Freiburg fließen. Sollten Sie in Hüfingen arbeiten, bietet sich der 12. September an. An diesem Tag ist wieder Töpfermarkt und der Andrang ist groß.
Doch sollten Sie in Villingen, St. Georgen, Triberg... oder irgendwo anders im Schwarzwald-Baar –Kreis Ihren Betrieb haben, dann ist uns jeder andere Tag auch recht. Vielleicht steht ja ein Herbstfest in Ihrer Region an, das wäre natürlich ein viel besserer Tag.
Was wir, die „typisch frau“ -Autorinnen tun werden, ist folgendes: Sollten Sie bereit sein mitzumachen, einfach das Datum Ihrer Aktion per FAX (07722-869528 von 9 – 17 Uhr) rechtzeitig mitteilen. Wir werden den Namen und die entsprechende Aktivität Ihres Betriebes auf „typisch frau“ veröffentlichen und über den Erfolg berichten.
Margot Schwörer und ihre Mitarbeiter starten diese Aktion bereits zum sechsten Mal. Es ist immer ein ganz besonderer Tag für sie. Denn helfen hilft allen.
Helfen hilft!
Der Vorstand des Förderverein für krebskranke Kinder e.V. arbeitet ehrenamtlich. Jeder Cent kommt an. Er garantiert, dass die Gelder ausschließlich für die Belange der kranken Kinder und deren Eltern verwendet werden. Seit mehr als 20 Jahren unterstützt er die Forschung an der Uni-Kinderklinik in Freiburg, finanziert zusätzliches Klinikpersonal für eine bessere Betreuung, bietet einen Sozialdienst und einen Geschwisterkindergarten an. Auf dem Gelände der Uni-Kinderklinik wurde von Spendengeldern ein Elternhaus gebaut, damit betroffene Familien während der extrem belastenden Therapie in die Nähe ihrer Kinder sein können. Das Motto des Vereins: Helfen hilft! Und das Motto von Margot Schwörers beispielhaften Friseur-Spendenaktion heißt dementsprechend: Helfen durch Haare schneiden! (ck)
Mitfühlendes Verhalten
- Tipps für Angehörige -
Ihre Freunde oder Mitglieder Ihrer Familie haben gerade die Diagnose Krebs erhalten. 1. Sie brauchen jetzt vermehrt Zuwendung. Geben Sie sie und denken Sie nicht an sich selbst.
2. Bedenken Sie, dass sie sehr erregt sind und Reaktionen auch schwer verständlich sein können.
3. Hören Sie geduldig zu, verstärken Sie aber nicht das „Schreckliche“, zeigen Sie Verständnis und Anerkennung für das Verhalten.
4. Versuchen Sie, mit ihnen soweit wie möglich, Alltag und Normalität wieder zu finden und Dinge zu tun, die sie gemeinsam auch vor der Diagnose-Stellung getan haben.
5. Versuchen Sie, die Betroffenen in der nächsten Zeit vor unnötigen und zusätzlichen Stress zu schützen, greifen Sie aber nicht zu sehr in die Alltagsaufgaben ein.
6. Lassen Sie sich und Ihren Angehörigen oder Freunden in der nächsten Zeit bewusst etwas Gutes zu kommen! Machen Sie jetzt vermehrt und bewusst das, was Ihnen gut tut.
7. Wenn Sie Sport treiben, Hobbys haben, kann das helfen, den Stress abzubauen. Fördern Sie diese Tätigkeiten.
8. Passen Sie auf Reaktionen Ihrer Angehörigen oder Freunde auf, die ungewöhnlich sein können (z.B. Schlafstörungen, Alpträume, Reizbarkeit, Isolation, vermehrtes Grübeln, Schuldgefühle usw.). Sollten sich diese verstärken und andauern, versuchen Sie sie zu bewegen, psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
9. Ganz wichtig: Haben Sie Geduld! Die Integration einer solchen Diagnose in das Familienleben kann einige Zeit dauern. Sie können Ihren Angehörigen dabei nur beistehen. (Quelle: Marion Domdey, Diplom-Psychologin, Elterninitiative krebskranke Kinder München e.V.). (ck)
Barbara Dickmann
