Margot Schwörer mit ihrer Urkunde
Bild: B. Dickmann
Hüfingen. Ihr Lieblingstier ist ein Schwein! Genauer gesagt: ein großes, buntes Sparschwein, möglichst gut gefüllt und kaum zu tragen. Und ihr Lieblingstag ist ein ganz besonderer Montag im September, denn dann wird das Schwein fast andächtig geleert, das Geld gezählt und gleich eingezahlt. Es wandert auf ein ganz bestimmtes Konto, dessen Bezeichnung sie schon auswendig kennt. Und was sie dabei fühlt ist unbeschreiblich. Versuchen wir es einfach mal...
Die ganze Geschichte beginnt in 2004. Margot Schwörer, selbständige Friseurmeisterin aus Hüfingen sieht einen Fernsehfilm, der ihr den Schlaf raubt. Krebskanke Kinder! Kleine zarte Geschöpfe mit Glatzen und großen Augen! Ihr Leiden, ihr Mut - daneben ihre gesunden Geschwister, oft vernachlässigt und völlig überfordert mit der Situation, in der sich die ganze Familie befindet. Margot Schwörer will helfen. Nicht durch eine Spende, sondern durch ihrer Hände Arbeit. An einem Samstag im September startet sie durch. Ihre Aktion: Haare schneiden für einen guten Zweck! Nach der Arbeitszeit! Alle Einnahmen gehen an den Förderverein für krebskranke Kinder e.V. in Freiburg. Wie selbstverständlich stehen ihre Mitarbeiter neben ihr im Salon Haarlekin - ohne Bezahlung.
Es fallen eine Menge Haare und zum ersten Mal steht neben der Kasse das große Sparschwein, das immer voller wird. An diesem Nachmittag sieht Margot Schwörer aber auch viele bekannte, gut frisierte Gesichter, die einfach mal reinschauen und nur Geld in ihr Sparschwein werfen, ja sogar einen Kuchen vorbeibringen, ihr auf die Schulter klopfen und einfach super finden, was da läuft. An diesem Abend - nach einer zwölf Stunden-Schicht - ist Margot Schwörer völlig fertig und total glücklich. Und dann kommt dieser besondere Montag und das unbeschreiblich gute Gefühl, etwas bewegt zu haben. Nicht einfach nur zu reden, sondern mit dem ganzen Einsatz ihrer Arbeitskraft zu zeigen, dass man ganz nah dran ist - in Gedanken, in Worten und ganz besonders in Taten.
2005 die nächste Aktion und 2006 zum ersten Mal mit Unterstützung von `typisch
frau`. Wir starten einen Aufruf und neun weitere Friseure machen mit. "Haare schneiden für einen guten Zweck" wird die Erfolgsstory.
2007 bekommt dieses gute Gefühl einen Namen und Margot Schwörer wird ein "Modellprojekt". Die Hochschule Ravensburg-Weingarten beginnt mit "Unternehmen BE" , ein Projekt unter der Leitung von Professorin Dr. Sigrid Kallfass, mit dem Ziel, das soziale Engagement von Unternehmen zu fördern und zu unterstützen. Projektleiter Christoph Schlegel setzt sich mit uns in Verbindung. Seine Aufgabe ist es, eine umfangreiche Sammlung gelungener Projekte zu erstellen, die das vielfältige Engagement regionaler Firmen aufzeigt. Er ist von Margot Schwörers Aktion total begeistert. Denn Margot ist, ohne das geringste zu ahnen, dem Trend der Stunde gefolgt und der heißt: Corporate Citizenship (Unternehmerisches Bürgerschaftliches Engagement). Was im groben bedeutet: Mit guten Tagen auch etwas für den guten Ruf tun. Nicht einfach nur spenden, sondern durch persönlichen Einsatz Verantwortung tragen. Margot landet als "gutes Beispiel" auf der Internetseite und in einem Kalender.
In 2008 kommt das Sparschwein wie selbstverständlich im September wieder zum Einsatz. Und 2009 ist "lassen sie ihr Haar für einen guten Zweck" schon fast Kult geworden. Margot bringt - wie immer - ihr gut gefülltes Schwein zur Bank und ahnt nicht, dass es den "Lea-Mittelstandspreis für soziale Verantwortung in Baden-Württemberg" gibt. Unter der Schirmherrschaft von Wirtschaftsminister Ernst Pfister MdL und Dr. Gebhard Fürst, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, werden Preise und Urkunden an Unternehmen verliehen, die sich nachhaltig sozial engagieren. Doch Christoph Schlegel, Dipl.-Sozialarbeiter, von der Hochschule Ravensburg-Weingarten weiß das sehr genau und schlägt sie vor. Margot will erst nicht, doch dann macht sie mit und reicht ihre Einzahlungsbelege, Dankesbriefe und Spendenurkunden ein.
Am 30. Juni 2010 fährt sie mit dem Zug nach Stuttgart. Im "Haus der Wirtschaft" beginnt um 18 Uhr der feierliche Festakt anlässlich der Verleihung der "Lea-Trophäe". Dabei lernt sie Simone Hauswald, Biathletin, Bronzemedaillengewinnerin bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver 2010 kennen und mit einer Urkunde und dem Titel "Sozial Engagiert 2010" fährt sie zurück nach Hüfingen. Margot freut sich, doch ihr Highlight ist und bleibt das besondere Samstag/Montag-September-Gefühl.
Raten Sie, was am 11. September in Hüfingen passieren wird? Keine Frage, Margot Schwörer, Katharina Baumann und Annette Kliche, die seit 2004 mit dabei ist, werden nach 14 Uhr einfach weiter arbeiten. Wofür? Um etwas zu tun! Um sich sozial zu engagieren. Selbst in einer Zeit, in der es für einen kleinen Betrieb, dem der starke Export wenig nutzt, nicht einfach ist.
Wie gesagt: Ihr Lieblingstier ist ein gut gefülltes Sparschwein und der schönste Tag im Jahr ist der Montag nach der Aktion "Haare schneiden für einen guten Zweck". Sie müssen nicht unbedingt Ihren Friseur wechseln, doch vielleicht haben Sie Lust, am 11. September, ein Tag, der durch die Terroranschläge in New York City eine besondere Bedeutung hat, den Hüfinger Töpfermarkt zu besuchen und auf diesem Weg im Salon Haarlekin das Sparschwein ein wenig zu füttern und das besondere Gefühl zu erleben, das an diesem Tag wieder in der Luft liegen wird .
Barbara Dickmann
Die Erfolgsbilanz
Die Einnahmen:
September 2004, € 1.251,72. September 2005, € 787,90.September 2006, insgesamt von neun Betrieben € 6.500. September 2007, € 1.719,60.September 2008, € 1.034,89. September 2009, € 975,89. 11. September 2010? Es liegt in Ihrer Hand, oder besser gesagt, in Ihren Haaren. Beginn der Aktion Haare schneiden 14 Uhr, Salon Haarlekin in Hüfingen, Hauptstraße 12.
Dankesbriefe:
Oktober 2006: Herzlichen Dank für ihren großzügigen Einsatz für die gute Sache und die damit verbundene außerordentlich großzügige Spende an unseren Förderverein für krebskranke Kinder. Wir sichern Ihnen zu, dass die Spende ohne jeden Abzug für Verwaltung oder ähnliches zu 100 Prozent den an Krebs erkrankten Kindern zu Gute kommt. September 2007: Für ihre weitere großzügige Unterstützung durch ihre Haarschneideaktion bedanke ich mich bei ihnen und allen Helfern sehr herzlich. Ihre Spende macht es uns möglich, Familien krebskranker Kinder während der Klinikbehandlung in vielfältiger Weise zu unterstützen... Liebe Frau Schwörer, für ihre Anteilnahme am Schicksal der jungen Patienten und deren Familien bedanken wir uns... Beide Briefe von Arnold Willmann, Vorstand, Tel. 07721-7899, arnold.willmann@helfen-hilft.de
