Welches ist denn nun das wahre "Ich"?
Bild: Psychologie heute
Wer bin ich? Was bin ich? Wie bin ich? Viele Menschen möchten mehr über sich selbst wissen. Möchten Antworten auf diese Fragen haben. "Selbsterkenntnis" war auch der Ansatz von Siegfried Schreibers letztem Themenabend im Februar (wir berichteten in der vergangenen "typisch frau"), zu dem Menschen aus dem gesamten SÜDKURIER-LAND kamen. Wer sich auf den Weg zu sich selbst machen will, hat einiges vor sich. Man kann zwar zwischen etlichen Möglichkeiten wählen, doch um zum Ziel zu kommen, sollten Sie alle anwenden.
Methode Nr. 1: Beobachten Sie sich selbst! Ein guter Selbstbeobachter wird man nicht von alleine. Sie müssen sich dazu erziehen. Aber mit eisernem Willen und absoluter Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, kann man über das eigene Fühlen und das eigene Handeln nachdenken und die angestrebten Schlüsse daraus ziehen. Methode Nr. 2: Gehen Sie in sich! Denken Sie über sich selbst nach.
Über Ihr Verhalten in der Familie, in der Partnerschaft, in der Gesellschaft, im Berufsleben! Methode Nr. 3: Beobachten Sie Ihre Umwelt! Wie sieht Ihre Umwelt Sie? Findet man Sie nett? Sind Sie beliebt? Sucht man Ihre Gesellschaft oder sind Sie anderen gleichgültig? Die Antworten auf diese und/oder ähnlichen Fragen sind interessante Beurteilungsmaßstäbe.
Methode Nr. 4: Bewerten Sie Fremdurteile! Zugegeben, Äußerungen und Feststellungen über Ihre Person müssen nicht immer objektiv sein - sind es wahrscheinlich auch nicht. Und doch können sie Fehler bewusst machen, aber auch Ihre Einstellungen, Ihre Gewohnheiten, Ihre Lebensphilosophie auf den Prüfstand stellen. Methode Nr. 5: Stellen Sie das Heute dem Früher gegenüber! Gehen Sie vorwärts oder stehen Sie still? Machen Sie immer noch die gleichen Fehler? Sind Sie noch lernwillig? Welche Fortschritte haben Sie erzielt? Methode Nr. 6: Werden Sie sich Ihrer Stärken bewusst! Kennen Sie Ihre Talente, Ihre Stärken, Ihre Tugenden, Ihren Charakter? Nutzen Sie Ihre positiven Eigenschaften konsequent? Gibt es Möglichkeiten, diese Faktoren noch zu verbessern?
Methode Nr. 7: Werden Sie sich Ihrer Schwächen bewusst! Welchen Preis zahlen Sie für die Folgen Ihrer Schwächen? Stehen Sie zu ihnen und geben Sie sie auch zu? Beobachten Sie Ihre schwachen Seiten bewusst? Wissen Sie, worauf Ihre Schwachstellen zurückzuführen sind? Methode Nr. 8: Durch Selbstanalyse! Habe ich alle aufgezeigten Wege der Selbsterkenntnis beschritten? Bin ich auch wirklich ehrlich mit mir umgegangen? Habe ich mich tatsächlich bemüht, meine Beurteilungen mit größtmöglicher Objektivität vorzunehmen? Sehe ich das Ganze als wichtige Maßnahme im Zusammenhang mit der Entwicklung meiner Persönlichkeit an? Führen Sie ein aufrichtiges Selbst-
gespräch mit Ihrem Selbst - eine Art innerer Dialog. Lassen Sie sich immer wieder überraschen von dem, was in dieser Zwiesprache offenbar wird.
Und noch etwas! Permanent vergleichen wir uns mit anderen Menschen. Mal bewusst, mal ohne es zu merken. So gewinnen wir Eindrücke, die entscheidenden Einfluss auf unser Selbstbild haben. Es ist relativ einfach, sich mit jemandem zu vergleichen, den wir gut kennen; zum Beispiel den Partner, die Schwester, den Bruder, den besten Freund, die Kollegin. Doch Psychologie-wissenschaftler sind der Ansicht, dass solche Vergleiche aus ganz unterschiedlichen Gründen eine recht zwiespältige Angelegenheit sind - vor allem wenn sie in die Selbsterkenntnis einfließen. Um sich auf sich selbst besinnen zu können, braucht man einen Platz, an dem man sich um nichts anderes kümmern muss, als um die eigenen Gedanken und Gefühle. Am besten ist ein ganz persönlicher Rückzugsraum. Suchen Sie sich die "richtige Zeit" aus und schalten Sie alles aus, was Sie stört. Ihre Gedanken sollen ungestört fließen können.
Zugegeben, wir sind uns selbst zu komplex und zu vielschichtig, um uns selbst zutreffend zu beschreiben. Und oft genug haben Wissenschaftler bei ihren Studien auch die Erkenntnis gewonnen, dass manche erst der Mensch werden sollten, für den sie sich halten! Doch jede Selbstbetrachtung bleibt, auch in ehrlichster Absicht, wahrscheinlich immer lückenhaft. Schon Friedrich Nietzsche wusste schon: "Wir sind uns unbekannt. Das hat seinen guten Grund. Wir haben nie nach uns gesucht - wie sollte es geschehen, das wir eines Tages uns fänden?" Vieles wird nur deswegen nicht erreicht, weil man es gar nicht versucht hat. Durch Selbsterkenntnis gewinnen wir Menschenkenntnis. Und wer ehrlich mit sich selbst ist, stellt fest, dass auf dieser Grundlage ein viel solideres Selbstbewusstsein gedeihen kann, als dies bei stetigem Selbstbetrug der Fall ist.
Barbara Dickmann
