Leben ohne Angst vor Einsamkeit

- Der Senioren-Service der Arbeiterwohlfahrt ersetzt die fehlende Familie -

Verlässlichkeit und kompetente Betreuung damit man so lange wie möglich in der vertrauten Umgebung leben kann. Bild: AWO

Erna B. (Name erfunden) geht auf die 80 zu. Erna B. geht es gut. Sie kann sich selbst versorgen, geht noch einkaufen und kocht jeden Tag. Erna B. wohnt seit über 40 Jahren in ihrer Drei-Zimmer-Wohnung mit Balkon im dritten Stock. Und Erna B. fühlt sich dort wohl. Doch die Kinder liegen ihr in den Ohren. Was wird mal, wenn sie nicht mehr laufen kann, nicht die vielen Treppen schafft? Was ist, wenn sie nicht mehr in die Badewanne kommt, oder vielleicht sogar dabei unglücklich fällt und keiner kann ihr helfen? Erna B. soll ins "Betreute Wohnen". Soll in eine Wohnung mit breiten Türen, Fahrstuhl, begehbarer Dusche und Notruf ziehen. Zugegeben, sie ist nur halb so groß, wie ihre jetzige und doch wären die Kinder beruhigt und wüssten genau, dass Erna Bs. Selbstversorgung einfach viel länger funktionieren würde, als in ihrer jetzigen Wohnung. Und außerdem hätte sie viel schneller Kontakt, da ja viel mehr Menschen in ihrem Alter im Haus wohnen würden. Erna B. hat nur noch wenige Freunde und die Kinder sind weit weg, sie sieht sie oft nur dreimal im Jahr.
Doch Erna B. wehrt sich mit Händen und Füßen. Sie will nicht ins "Betreute Wohnen", will in ihren vertrauten Möbeln, in ihrer vertrauten Wohnung und in ihrem

vertrauten Umfeld leben. Auch wenn das sehr unvernünftig und mit etlichen Gefahren verbunden ist, was Erna B. sehr gut einschätzen kann. "Ältere Menschen wollen erst aus ihrer vertrauten Umgebung heraus, wenn es wirklich nicht mehr geht", sagt Elke Armbruster. Sie ist Dipl. Sozialpädagogin (BA) bei der AWO (Arbeiterwohlfahrt) und betreut ein besonderes Projekt. Er heißt "Senioren-Service" und ist durch die Kooperation von AWO und DRK (Deutsches Rotes Kreuz) auf Kreisebene entstanden. Dahinter verbirgt sich ein ausgearbeitetes Betreu-ungskonzept. Zu dessen Grundleistungen die Beratung durch Fachkräfte, also ausgebildete Dipl. Sozialpädagoginnen zählen.
Sie beraten ältere Menschen ganz individuell in ihrer alltäglichen Lebens-situation. Gegen zusätzliches Entgelt können weitere Leistungen abgerufen werden. Wie zum Beispiel Hausnotruf, hauswirtschaftliche und pflegerische Versorgung im Rahmen der Pflege-versicherung, Essen auf Rädern, Fahr- und Begleitdienste, Betreutes Reisen und viele weitere Angebote, sogar die Wohnungsanpassungsberatung durch einen Architekten. Der Senioren-Service bietet sich als wichtige Alternative zu Heimen oder Seniorenwohnanlagen an. Das Ziel: Den Wünschen älterer Menschen gerecht zu werden, ihnen Sicherheit zu Hause in der eigenen Wohnung zu bieten. Die vorhandene Lebens- und Wohnqualität erhalten und ausbauen. Einen festen Ansprechpartner haben, an den sie sich jederzeit wenden können. Individuelle Beratung und Dienstleistungen anbieten, die speziell auf die Bedürfnisse angepasst werden.
Klingt ja alles ganz gut, doch Erna B. ist trotzdem nicht begeistert. Sie braucht es nicht, sie will es nicht und außerdem soll sie 25 Euro (für Ehepaare € 40,--) im

Monat dafür zahlen. Diesmal sind die Kinder hartnäckig und bestehen darauf. Erna B. willigt schließlich ein und geht in die Sprechstunde... Das ist jetzt ein halbes Jahr her und Erna B. hat es nicht bereut. Sie geht jetzt regelmäßig in die Sprechstunde, aber auch zur Gymnastik, hat neue Freunde gefunden und überlegt sogar, eine Betreute Reise mitzumachen. Als sie krank wurde, kam ihre Betreuerin ins Haus und organisierte ihre Pflege. Jetzt überlegen sie gemeinsam, ob nicht ein Wannenlift angebracht wäre, denn das Duschen in der Badewanne klappt einfach nicht mehr so.
"Das war eine gute Idee", lobt sie ihre Kinder im Nachhinein, denn eine feste Bezugsperson an der Seite zu haben, die auch noch Ahnung hat, gibt ihr viel Sicherheit. Beratungsstunden finden regelmäßig jeden Freitag-Vormittag und jeden Mittwoch statt. "Das größte Problem der älteren Menschen ist die Einsamkeit", sagt Elke Armbruster. Auch auf dem Land ist es heute die Regel, dass die Kinder weiter weg wohnen und sich einfach nicht mehr kümmern können. Auch dass das DRK Seniorenreisen anbietet, die perfekt geplant sind, wissen die wenigsten. Ältere Reisende werden direkt von der Haustür abgeholt, müssen sich um nichts kümmern und selbst im Ausland sind Arzt und Krankenschwester ständig erreichbar.
"Eigentlich sollte man einen Betreu-ungsvertrag abschließen, wenn es früh genug ist. Wenn man die Dinge steuern kann und erst gar nicht in die Einsamkeit fällt", sagt Elke Armbruster. Spätestens ab 75 meint sie, ideal wäre eigentlich der Einstieg mit 70 Jahren. Was der Senioren-Service bietet, erfahren Sie noch einmal in Kürze in der kommenden typisch frau. Und sollten Sie Interesse haben, freut sich Elke Armbruster auf Ihren Anruf unter Tel. 07721-9866-0 (AWO).

Barbara Dickmann