
Mehr Nähe durch Sorge um die Existenz.
Das Ehepaar Siegrist meldet Insolvenz an
Das ist die Geschichte eines Traumes, der zum Albtraum wurde. Die Geschichte eines Ehepaares, die voller Enthusiasmus in den Schwarzwald zog um eine Existenz aufzubauen, für sich selbst und für ihre Kinder. Sie haben ihr gesamtes Vermögen dafür eingesetzt, sich verschuldet bis über beide Ohren, gearbeitet und gekämpft – gekämpft und gearbeitet. Nach 13 Jahren geben sie auf – physisch und psychisch am Ende und in einem Alter, in dem es nicht mehr möglich ist, wieder von vorne anzufangen. Wenn Sie diese Zeilen lesen, hat Heinrich Siegrist das Hotel „Römischer Kaiser“ in Triberg-Nussbach dem Amtsgericht übergeben. Heinrich Siegrist hat die Insolvenz erklärt – nicht mit gebrochenem Herzen, aber mit einem blutenden....Esther und Heinrich Siegrist sind gebürtige Schweizer. Im Herbst 1998 kaufen sie das Hotel-Restaurant „Römischer Kaiser“ in Triberg-Nussbach. Heinrich Siegrist ist Theologe, doch das Ehepaar hat etliche Jahre in der Schweiz ein Hotel für eine kirchliche Einrichtung geleitet und auch zwei ihrer sechs Kinder sind vom Fach. Roger, der älteste, ist diplomierter Hotelier und Benjamin ist Koch. Im touristischen Schwarzwald wollen sie für die Familie eine Existenz aufbauen. Den Kindern gefällt das Hotel, ein Betriebswirt wird hinzugezogen und die Bank spielt mit, denn Familie Siegrist bringt nicht nur alle beruflichen Voraussetzungen mit, sondern auch noch viel Eigenkapital. „Überall in der Region sind wir mit vielen positiven Wünschen und Zusagen aufgenommen worden, doch ich war einfach viel zu blauäugig - dass schon der Kaufpreis viel zu hoch war, habe ich erst viel später erkannt,“ sagt Heinrich Siegrist im Nachhinein.
Die Küche und einige der Zimmer müssen sofort renoviert werden – sonst geht gar nichts. Familie Siegrist investiert gleich auf Anhieb über DM 350.000 zusätzlich zum Kaufpreis, um die nötigen Genehmigungen zu erhalten. Landesmittel werden gewährt und ihre gesamte Altersvorsorge fließt in das Hotel. Heinrich Siegrist ist zu diesem Zeitpunkt 50 Jahre alt und seine Frau Esther 46. Ein, zwei Jahre Anlaufzeit müssten sie wohl rechnen, doch dann sind mindestens DM 50.000 im Jahr zu verdienen, so lautet die Aussage des Betriebswirts, der von der Bank engagiert wurde. Der „Römische Kaiser“ eröffnet am 1. Dezember 1998 um das Weihnachtsgeschäft noch mitzunehmen.
Durch die enormen Abschreibungen erwirtschaftet er gleich zu Beginn den ersten Verlust. Dann steigert er den Umsatz von Jahr zu Jahr. Im 6., 7. und 8. Jahr erwirtschaftet er ein ganz leichtes Plus – doch an einen Unternehmerlohn ist nicht zu denken, was bedeutet, dass Familie Siegrist Tag wie Nacht, alltags wie sonntags, umsonst arbeitet. So kann es nicht weitergehen. Die besseren Zahlen ermutigen zur Flucht nach vorn. Der „Römische Kaiser“ soll einen kleinen Wellnessbereich erhalten und einen ansprechenden Hoteleingang mit Fahrstuhl. Sie wollen den inzwischen gestiegenen Ansprüchen der Gäste gerecht werden. Doch aus der ehemals soliden Finanzierung ist ein Risiko-Engagement geworden. Die Bank verweigert die nötigen Mittel. Familie Siegrist macht weiter wie bisher, bildet aus, organisiert Frauenfrühstücke, Kurse zu den unterschiedlichsten Themenbereichen und ist in das Dorfleben von Triberg-Nussbach gut integriert. „Wir fühlten uns sehr wohl und gut aufgehoben“, sagt Esther Siegrist, doch nach wie vor dümpeln die Umsätze des „Römischen Kaiser“ dahin.
In 2005 wird die Erlebniswelt Triberg AG gegründet. Mitten in Triberg soll eine Attraktion entstehen, ein touristisches Highlight vom feinsten. Familie Siegrist jubelt! „ Ein Quantensprung für die Region und der Durchbruch für uns“, berichtet Heinrich Siegrist. Sie müssen unbedingt wettbewerbsfähiger werden, schon im Hinblick auf ihre Kinder und erreichen zumindest die Finanzierung des neuen Hoteleingangs und des Fahrstuhls. Doch die Erlebniswelt Triberg lässt auf sich warten und bis heute ist unklar, ob und was und wann außer der im Bau befindlichen Tiefgarage einmal umgesetzt wird. Für Familie Siegrist ist es wie ein Schlag ins Gesicht. Zwar steigen die Umsätze leicht, doch der Kapitaldienst und die astronomisch hohen Energiekosten sind nicht aufzufangen. Sie sparen und optimieren ihr Personal, was bedeutet, dass sie nun noch mehr arbeiten müssen. 2009 bricht der Umsatz ein. 2010 wird ein Rekordjahr an Übernachtungen. Der Bustourismus boomt, doch zu welchen Konditionen! Dafür bleibt der Individual-Urlauber zwei Monate völlig weg, denn ausgerechnet in der Hochsaison wird die B 33 zwei lange Monate saniert und teilweise komplett gesperrt. Gähnende Leere im „Römischen Kaiser“. „Wir wussten von gar nichts und eine Entschädigung haben wir auch nicht erhalten“, sagt Esther Siegrist. Am Ende des Jahres fehlen € 60.000 um über die Runden zu kommen. Heinrich Siegrist wird krank, sein Rücken bereitet Probleme und das Arbeiten wird immer schmerzhafter und schwerer. Immer wieder suchen sie nach Lösungen. Versuchen günstigere Finanzierungen zu bekommen, oder doch noch den großen Umbau umzusetzen. Es funktioniert einfach nicht. Am 30. Dezember 2010 wird die Insolvenz von einem Sozialversicherungsträger angeleiert. Sie sind mit den Beiträgen ihrer Angestellten zur Kranken- Renten- und Arbeitslosenversicherung im Rückstand.
In 2005 wird die Erlebniswelt Triberg AG gegründet. Mitten in Triberg soll eine Attraktion entstehen, ein touristisches Highlight vom feinsten. Familie Siegrist jubelt! „ Ein Quantensprung für die Region und der Durchbruch für uns“, berichtet Heinrich Siegrist. Sie müssen unbedingt wettbewerbsfähiger werden, schon im Hinblick auf ihre Kinder und erreichen zumindest die Finanzierung des neuen Hoteleingangs und des Fahrstuhls. Doch die Erlebniswelt Triberg lässt auf sich warten und bis heute ist unklar, ob und was und wann außer der im Bau befindlichen Tiefgarage einmal umgesetzt wird. Für Familie Siegrist ist es wie ein Schlag ins Gesicht. Zwar steigen die Umsätze leicht, doch der Kapitaldienst und die astronomisch hohen Energiekosten sind nicht aufzufangen. Sie sparen und optimieren ihr Personal, was bedeutet, dass sie nun noch mehr arbeiten müssen. 2009 bricht der Umsatz ein. 2010 wird ein Rekordjahr an Übernachtungen. Der Bustourismus boomt, doch zu welchen Konditionen! Dafür bleibt der Individual-Urlauber zwei Monate völlig weg, denn ausgerechnet in der Hochsaison wird die B 33 zwei lange Monate saniert und teilweise komplett gesperrt. Gähnende Leere im „Römischen Kaiser“. „Wir wussten von gar nichts und eine Entschädigung haben wir auch nicht erhalten“, sagt Esther Siegrist. Am Ende des Jahres fehlen € 60.000 um über die Runden zu kommen. Heinrich Siegrist wird krank, sein Rücken bereitet Probleme und das Arbeiten wird immer schmerzhafter und schwerer. Immer wieder suchen sie nach Lösungen. Versuchen günstigere Finanzierungen zu bekommen, oder doch noch den großen Umbau umzusetzen. Es funktioniert einfach nicht. Am 30. Dezember 2010 wird die Insolvenz von einem Sozialversicherungsträger angeleiert. Sie sind mit den Beiträgen ihrer Angestellten zur Kranken- Renten- und Arbeitslosenversicherung im Rückstand.
Freunde helfen mit Geld und sie beschließen, weiter zu kämpfen. Doch der Schock sitzt tief. Sie können nicht mehr schlafen, gesundheitliche Probleme verstärken sich und acht Monate später ist die letzte Kraft dahin. „Jetzt geht es einfach nicht mehr, wir haben keine Perspektive, massiv steigende Kosten bei stagnierendem bis rückläufigem Umsatz“, Heinrich und Esther Siegrist sind am Ende. Sie müssen sich lösen von dem „Römischen Kaiser“ - endgültig.
Heinrich Siegrist ist jetzt 63 Jahre alt und seine Frau wird 60.
Ihr Resümee: „Wir haben 13 Jahre nichts verdient und über € 500.000 eigenes Kapital vernichtet. Das war die mühsamste Epoche unseres Lebens. Natürlich gab die Sorge um die Existenz Stoff für Spannungen, aber insgesamt sind wir noch näher zusammen gewachsen. Der Glaube hat uns über die schwere Zeit geholfen und die Kinder sind eine große Stütze. Wir sind nicht unglücklich, doch wir wünschen uns, dass die nächsten 13 Jahre, die wir vielleicht noch leben, anders laufen werden“.
Der Kommentar:
Eigentlich eine Bilderbuch-Existenzgründung. Die Gastronomen vom Fach, die Nachfolge gesichert, erhebliches Eigenkapital vorhanden und doch geht es schief. „Ich war die Immobilienpreise in der Schweiz gewöhnt, habe nicht genug aufgepasst und natürlich auch Fehler gemacht , „ sagt Heinrich Siegrist, der nicht die Schuld bei anderen sucht. Und doch ist es leider so, dass die Konditionen für eine Finanzierung genau bei denen am höchsten sind, die es am wenigsten zahlen können, dass die Beiträge zur Krankenversicherung für Selbständige extrem hoch sind, dass ohne Steuerberater gar nichts geht, die Auflagen immer höher und höher werden, ganz zu schweigen von den Energiekosten, Grundsteuern, Versicherungen..... und so weiter und so fort. Familie Siegrist ist angeschlagen und gibt den „Römischen Kaiser“ schweren Herzens auf. Heinrich Siegrist wird zurück in die Schweiz gehen und seine Frau bleibt hier. Erst einmal. Eine Insolvenz durchzustehen kostet viel, viel Kraft. Man muss diese Menschen auf ihrem Weg unterstützen und ihnen vermitteln, dass sie ungeheuer mutig waren. Sie haben unsere Hochachtung und Unterstützung verdient – sonst nichts.
Insolvenz:
bedeutet, dass man seine akute oder drohende Zahlungsunfähigkeit, oder eine Überschuldung erklärt. Die Anmeldung zur Insolvenz hat ein Insolvenzverfahren nur dann zur Folge, falls die Vermögensmasse ausreicht, um die gerichtlichen Verfahrenskosten und die Vergütung des Verwalters voll abzudecken. Ansonsten wird das Verfahren mangels Masse abgelehnt.
Ihr Resümee: „Wir haben 13 Jahre nichts verdient und über € 500.000 eigenes Kapital vernichtet. Das war die mühsamste Epoche unseres Lebens. Natürlich gab die Sorge um die Existenz Stoff für Spannungen, aber insgesamt sind wir noch näher zusammen gewachsen. Der Glaube hat uns über die schwere Zeit geholfen und die Kinder sind eine große Stütze. Wir sind nicht unglücklich, doch wir wünschen uns, dass die nächsten 13 Jahre, die wir vielleicht noch leben, anders laufen werden“.
Der Kommentar:
Eigentlich eine Bilderbuch-Existenzgründung. Die Gastronomen vom Fach, die Nachfolge gesichert, erhebliches Eigenkapital vorhanden und doch geht es schief. „Ich war die Immobilienpreise in der Schweiz gewöhnt, habe nicht genug aufgepasst und natürlich auch Fehler gemacht , „ sagt Heinrich Siegrist, der nicht die Schuld bei anderen sucht. Und doch ist es leider so, dass die Konditionen für eine Finanzierung genau bei denen am höchsten sind, die es am wenigsten zahlen können, dass die Beiträge zur Krankenversicherung für Selbständige extrem hoch sind, dass ohne Steuerberater gar nichts geht, die Auflagen immer höher und höher werden, ganz zu schweigen von den Energiekosten, Grundsteuern, Versicherungen..... und so weiter und so fort. Familie Siegrist ist angeschlagen und gibt den „Römischen Kaiser“ schweren Herzens auf. Heinrich Siegrist wird zurück in die Schweiz gehen und seine Frau bleibt hier. Erst einmal. Eine Insolvenz durchzustehen kostet viel, viel Kraft. Man muss diese Menschen auf ihrem Weg unterstützen und ihnen vermitteln, dass sie ungeheuer mutig waren. Sie haben unsere Hochachtung und Unterstützung verdient – sonst nichts.
Insolvenz:
bedeutet, dass man seine akute oder drohende Zahlungsunfähigkeit, oder eine Überschuldung erklärt. Die Anmeldung zur Insolvenz hat ein Insolvenzverfahren nur dann zur Folge, falls die Vermögensmasse ausreicht, um die gerichtlichen Verfahrenskosten und die Vergütung des Verwalters voll abzudecken. Ansonsten wird das Verfahren mangels Masse abgelehnt.
