Statistiken sind einfach wunderbar. Wir Journalisten arbeiten damit, die Wirtschaft und natürlich nicht zuletzt die Politiker. Doch wehe dem, der einfach glaubt, was ein paar Zahlen wiedergeben, denn hinter jeder "Statistik" stehen Menschen. Menschen mit ganz persönlichen Meinungen und Interessen. Und manchmal sind so grobe Fehler in der Fragestellung enthalten, dass das Ergebnis so falsch ist, wie ein falscher Fünfziger.
Ein Beispiel: Für eine Testreihe wurden Männer verschiedenen Alters aufgefordert, ihren Arm in ziemlich heißes Wasser zu halten und zwar so lange wie es eben geht. Überwacht wurden die Tests von einer Krankenschwester, die die Zeit stoppen sollte. Bei der ersten Testreihe war die Krankenschwester ganz bewusst sehr unattraktiv und dabei noch scheußlich angezogen. Die zweite Testreihe begleitete eine Krankenschwester, die als Model hätte durchgehen können und dazu noch mit tiefem Dekolleté und kurzem Rock. Eine der beiden Gruppen schnitt deutlich besser ab. Die Männer konnten das heiße Wasser viel länger ertragen. Und zwar
alle! Raten Sie mal welche? Natürlich die mit der hübschen Krankenschwester. Denn keiner wollte sich die Blöße geben, als Weichei dazustehen. Also bissen die Herren der Schöpfung die Zähne zusammen. Das ist ja noch ganz witzig. Doch was jetzt die CDU-Bundestagsabgeordnete Kristina Köhler aufs Trapez bringt, ist einfach unglaublich. Sie will eine Änderung der Bevölkerungsstatistik. Warum? Hier die Geschichte: Seit Jahren beklagen wir, dass ausgerechnet die schlauesten Frauen von Deutschland die wenigsten Kinder bekommen. Ca. 40 Prozent aller Akademikerinnen bleiben kinderlos, heißt es in den meisten Veröffentlichungen. Eine erschreckende Zahl, wenn man bedenkt, dass der Durchschnitt aller kinderlosen Frauen bei ungefähr 25 Prozent liegt!
Und unsere Politiker reagierten: Elterngeld und Ausbau der Kinderbetreuungsplätze sind einige ihrer Antworten auf das gravierende Problem, die Familienministerin Ursula von der Leyen durchgesetzt hat. Und jetzt kommt folgendes heraus: Nach einer Schätzung
des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung bleiben nicht 40 sondern lediglich 25 Prozent aller Frauen mit Hochschulabschluss ohne Kinder und damit würden sie nur unwesentlich vom Bundesdurchschnitt abweichen. Wie kommt es zu dieser wundersamen Vermehrung? Bei der statistischen Erhebung wurde nicht einfach die Frage gestellt, wie viele Kinder eine Frau hat, sondern wie viele minderjährige Kinder im Haushalt von Frauen leben, die jünger als 40 Jahre sind. Die Folge: Eine 39jährige, die mit ihrem 18jährigen Kind zusammenlebt, war auf einmal kinderlos und eine 41jährige mit Baby ebenfalls, da Geburten jenseits der 40 überhaupt nicht ausgewertet wurden. Nun weiß wirklich jeder, dass gerade Frauen mit Hochschulabschluss manchmal erst jenseits der 40 zum ersten Mal Mutter werden. Die große Koalition hat jetzt eine Änderung des Mikrozensusgesetzes beschlossen. Der Mikrozensus (,,kleine Volkszählung") ist die amtliche Repräsentativstatistik über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt in Deutschland.
Barbara Dickmann
