FĂĽr die Mutter Albtraum ihres Lebens

Mit Haschischzigarette fing sozialer Abstieg an

Mit einem "harmlosen" Joint fängt oft eine Drogenkarriere an: Auf was Eltern achten sollten, damit ihre Kinder nicht in irgendeine verhängnisvolle Sucht abrutschen. Bild: SK-Archiv

Diese Geschichte ist so wahr, wie sie nur sein kann. Sie handelt von Frank, dem Wunschkind, von seiner Mutter Brigitte und vom Heroin, einem mächtigen Feind, der alles zerstört und vernichtet und sich langsam anschleicht....
Franks Probleme beginnen mit der Pubertät, mit trotzigen Blicken, dem Rückzug in das eigene Zimmer und mit Zigaretten. Brigitte ist leicht verunsichert, doch nicht nicht sonderlich beunruhigt. Irgendwann bringt Frank zwei Grünpflanzen mit, Brigitte pflegt sie gerne und sie gedeihen prächtig . Doch dann nimmt Frank sie mit in sein Zimmer. Warum eigentlich? Brigitte beschäftigt das. Bald mischt sich unter dem bereits bekannten Zigarettenqualm ein eigenartiger, süßlicher Geruch, Franks Clique kichert und lacht pausenlos, Frank läuft mit roten, glänzenden Augen und großen Pupillen durch das Haus und entwickelt plötzlich einen Heißhunger auf Süßigkeiten. Durch Zufall findet sie in Franks Zimmer Tütchen sowie andere komische Utensilien. Rauschgift? Dass das eine illegale Droge ist, mit der man cool drauf ist, weiß sie, doch was zum Beispiel Haschisch bewirken kann, ist ihr völlig unbekannt. Brigitte fragt ihren Sohn – ganz sachlich und Frank gibt es sofort zu. „Ach Mama, mach dir keine Sorgen, einen Joint zu rauchen, ist völlig harmlos. Alkohol ist viel schlimmer.“
Doch Brigitte will es genau wissen. Sie fragt bei der Drogenberatungsstelle an und wird beruhigt. Ein bisschen Kiffen sei nicht schlimm, das probieren einige Jugendliche halt aus. Frank schafft die Realschule, doch kapituliert in zweiten Lehrjahr, scheitert an der nächsten Schule, jobbt vorübergehend und hat aber nie Geld. Was ist nur mit ihm los? Brigitte verdrängt die Drogen erfolgreich, denn was nicht sein darf kann nicht sein.

Frank wird ein anderer Mensch. Seine Hobbys und seine Unternehmungslust sind verflogen. Er hat keine Freundin, trägt nur noch schwarze Klamotten, kommt morgens kaum aus dem Bett, verschläft wichtige Termine, ist kühl und abweisend. Sein Gesicht ist bleich, dunkle Ränder unter dem Augen und hin und wieder Pickel. Er isst anders als früher, verschlingt Unmengen Jogurt und Süßigkeiten oder oft gar nichts. Frank ist 18 und auf Droge, ein Junkie, der auch noch spritzt - ein Fixer! Seine Geliebte heißt Heroin und für die tut er alles. Für die Mutter beginnt der Albtraum ihres Lebens. Frank braucht immer häufiger Geld und Brigitte gibt. Immer wieder und immer wieder. Frank bittet und bettelt und verspricht den Stoff nie mehr anzurühren. Alles Lüge, nichts als Lüge. Doch Brigitte will nicht, dass er in die Kriminalität abrutscht. Ihr Mann ist keine große Hilfe, er arbeitet in einer anderen Stadt, kommt nur am Wochenende und will einfach seine Ruhe haben. Brigitte ist allein mit ihren Problemen, die immer größer werden. Frank kifft, kokst, spritzt und trinkt dazu auch noch Alkohol. Und Brigitte lässt sich beherrschen, erpressen, ist völlig verzweifelt, fühlt sich schuldig. Aus dem netten, fröhlichen, sympathischen Jungen ist ein Egoist, ein Tyrann ohne menschliche Gefühle geworden, der seinen Körper vernachlässigt und mit Opas altem Auto ständig auf Beschaffungstour ist. Irgendwann steht die Polizei vor der Tür. Sie haben eine Durchsuchungsbefehl und müssen nicht lange suchen. Frank wird mit Handschellen abgeführt und bald danach wieder freigelassen. Es wird nicht das letzte Mal sein.
Es verändert sich nichts und die Jahre vergehen. Brigitte durchlebt die Hölle auf Erden. Eines Tages , als ihre Ängste sie fast um den Verstand bringen, stellt sie ihren Mann zur Rede. Gemeinsam gehen sie in die Elternberatung der Drogenberatungsstelle. „Geben sie ihm kein Geld, zahlen sie keine Rechnungen, damit wird die Sucht nur verlängert“, lautet der erste Rat. Brigitte erkennt, dass sie ihr Kind in die Selbständigkeit entlassen muss, sie begreift, dass die Sucht ihren Sohn beherrscht, Argumente ihn nicht erreichen und Kontrollen zu nichts führen. Auch ihr Mann begreift schnell, worum es geht. Nach acht Besuchen ist es zu Ende, denn die Drogenberatung ist in erster Linie

Anlaufstelle für Abhängige. Doch die Eltern kaufen sich Bücher - sie wollen informiert sein. Frank ist jetzt 22 und es ist kein Ende in Sicht. Alle „Auswege“ scheitern: Methadon, Polamidon - beides Medikamente, die helfen sollen, sind für Frank kein Drogenersatz. Entgiftungen in Kliniken bricht er ab und Hausdurchsuchungen durch die Kripo sind nichts ungewöhnliches mehr. Doch Brigitte verändert sich. Über einen Kripobeamten findet sie eine Elterngruppe, die einer Drogenberatungsstelle angeschlossen ist und trifft zum ersten Mal auf Menschen, die verstehen, die mit ihr weinen, sie trösten, ihr den Rücken stärken und ihr helfen, den einzig richtigen Weg einzuschlagen. Nein, Brigitte ist nicht verantwortlich für das Leben ihres Sohnes, nein, sie gibt ihm kein Geld mehr....Und irgendwann stellt sie ihm den Koffer vor die Tür – Frank muss ausziehen, ja selbst den Schlüssel muss er abgeben....Brigittes Herz blutet.
Kurze Zeit später landet Frank im Knast. Brigitte bleibt ganz ruhig, ja eigentlich ist sie richtig froh. Endlich haben sie ihn erwischt. Keine Drogen mehr, kein Dealen und ihre innere Stimme spricht zu ihm: Frank, das ist jetzt deine letzte Chance, mehr abstürzen kannst du nicht. Hoffentlich nutzt du sie und hältst durch.“
„Das Ende war der Anfang – ein Mutmachbuch für Eltern von Kindern, die Drogen nehmen“ geschrieben von Mutter und Sohn – unter dem Pseudonym Brigitte und Frank Hansen, ist keine gute Schlaflektüre, doch ein besonderes Buch, weil Mutter und Sohn von ihrer Warte aus versuchen aufzuarbeiten, zu informieren und zu erklären. Erschienen im Blaukreuzverlag (€ 10,90), bietet es wirkliche Hilfestellung nicht nur für betroffene, sondern für alle Eltern, die die Vorzeichen erkennen möchten. Und es hat ein wunderbares Happy-End, denn Frank hält durch, doch der Weg ist unendlich steinig und schwer.