Susa Bobke im Einsatz als "Gelber Engel".
Es gab einmal eine Zeit, da war das Leben leicht. Wir Frauen kümmerten uns um den Nachwuchs, sammelten Früchte und Nüsse und fegten die Höhle. Unsere Männer gingen auf die Jagd und verteidigten uns vor wilden Tieren und Feinden sogar unter Einsatz des Lebens. Die Rollenverteilung war klar: Wir waren die Nesthüterin und unsere bessere Hälfte der Beutejäger.
Doch dann kam die Emanzipation. Das Nest wurde uns zu eng, wir erlernten die Jagd und Karate oder Boxen. Sollte „Er“ doch mal die Höhle ausfegen und die Windeln wechseln...
Die ganze Geschichte ist bis heute nicht gelöst – trotz Bundeskanzlerin. Denn sobald sich Frauen in Männerdomänen breit machen, werden sie argwöhnisch beäugt , müssen doppelt so gut sein und verdienen dafür aber nur die Hälfte. Richtig dramatisch wird es erst, wenn es Frauen gibt wie Susa Bobke. Sie ist ein „Gelber Engel“ von Beruf , eine der wenigen weiblichen Pannenhelferinnen! Eine Frage: Kann man(n) sich etwas Schlimmeres vorstellen, als auf dem Seitenstreifen der Autobahn mit einem qualmenden Auto zu stehen und eine Frau kommt um die Ecke? Wohl kaum, denn was sich Susa Bobke in fünfzehn Jahren Engel-Dienst im Bodenseebereich so alles anhören musste und was sie erlebt hat, ist genau die richtige Urlaubslektüre – leicht und witzig , obwohl es die unausgesprochene Aufforderung enthält, seinen Weg zu gehen, ohne Punkt und Komma. „Männer sind anders. Autos auch. Meine Erlebnisse als Gelber Engel“ (ISBN 978-3-426-78353-5 ), ist eine Auto-Biografie (€ 8,95), gepaart mit Erlebnissen aus rund zwanzigtausend Pannen....
Susa Bobkes Vater ist Tierarzt, ihre Mutter leidenschaftliche Familienfrau, ihre Schwester vergöttert Winnetou und ihre beiden Brüder interessieren sich für Mädchen und Musik. Der Job des Handwerkers in der Familie ist also frei und Susa will ihn. Sie treibt sich viel auf Bauernhöfen herum, zuerst wegen der Tiere, später wegen der Traktoren, Maschinen, Werkzeuge, Zäune und Autos. Wenn irgendwo eine Motorhaube offen steht, versinkt Susa darin. Sobald das Familienauto kaputt ist und in die Werkstatt muss, ist Susa dabei und löchert die Mechaniker mit Fragen. Ab ihrem fünfzehnten Lebensjahr bewirbt sie sich bei verschiedenen Werkstätten. Liebend gerne würde sie die Schule abbrechen. Doch außer Polizei und Bundeswehr will sie niemand und das ist ihr nicht geheuer. Susa studiert, zuerst Rechtswissenschaften und später wechselt sie zu deutscher Literatur und Portugiesisch. 1987 erfährt sie von einer Autowerkstatt in München, die – vom Arbeitsamt gefördert – schwer vermittelbare Jugendliche ausbildet. Flüchtlinge, Ausbildungsabbrecher, ehemalige Drogenabhängige, Vorbestrafte ...mit einem Wort: Problemfälle lernen dort und Susa ist ein Problemfall. Sie besteht die Probetage und geht in die Lehre als Kfz-Mechanikerin. Der Geruch von Öl, Benzin, scharfem Reinigungsmittel und Zigarettenqualm mischt sich zu einem Parfüm, das sie sofort mag. Das ist für sie viel lebendiger und spannender als die Hörsäle und Bibliotheken an der Uni mit den geschlossenen Fenstern, den Geruch von versagendem Deo, Kohlendioxyd und zu wenig Bewegung.
1989 wird Susa Gesellin, versöhnt mit Eltern und Oma, die jetzt richtig stolz auf ihre Tochter sind. Sie lässt sich sofort auf die Liste für die Meisterschule setzen, bleibt bei ihrem Arbeitgeber und bildet nun auch Lehrlinge aus, pubertierende Jungen, die sich von einer Frau oft genug nichts sagen lassen wollen. Susa bleibt cool und gelassen und schafft sie alle – früher oder später. Sie arbeitet ein Konzept für Autopannenkurse für Frauen aus und arbeitet zusätzlich als Dozentin an der VHS.
Im Dezember 1993 hält sie ihren Meisterbrief in Händen. Seitdem ist sie ein „Gelber Engel“ und ein sehr attraktiver. Ob Susa einen Mann hat, der die „Höhle“ fegt, bleibt leider offen. Doch sollte das der Fall sein, hoffen wir auf ein zweites Buch, indem sie uns sagt, wie man an solch seltenes Exemplar kommt.
Barbara Dickmann
Coole Sprüche von Susa Bobke:
„Haben sie eigentlich eine Ausbildung?„ , fragte mich der Mann mit der verklemmten Handbremse. „Nö. Ich bin die Aushilfe aus dem Büro und habe mich hochgeschlafen“, erwiderte ich, hob den Hammer und schmetterte ihn auf die Bremstrommel.
„Wo ist ihr Kollege?“, fragte ein anderer und schaute rechts und links an mir vorbei. Er hat seine Tage, dachte ich und schwieg. „Sind sie allein unterwegs?“ „Ja, wo sie mich jetzt fragen: Ist mir noch gar nicht aufgefallen!“
„Sind sie jetzt ein Frau oder ein Mann? „Wie sie wollen.“
„Was sagt ihr Freund dazu?“ „ Der spricht nicht.“
„Seit wann gibt es denn Mädchen beim Pannendienst?“ „Meinen sie so Mädchen zwischen dreißig und fünfzig?“ „Da können Sie doch bestimmt gut einparken. Sogar als Frau.“ Mein Auto stöhnte gequält auf. Nur ich hörte es. „Haben Sie keine Angst?“ „Sollte ich denn? Vor Ihnen?“
„Können sie das überhaupt?“ „ Ja, ich kann.“ (Quelle: Männer sind anders. Autos auch.)
