Dr. Barbara Fink ist Ärztin. Als ihr ältestes Kind geboren wird, will sie ihren qualifizierten Beruf nicht aufgeben und arbeitet weiter. Auch mit zwei Kindern bleibt sie voll berufstätig. Erst als das dritte kommt, steigt sie um auf Teilzeit. Ihre Kinder werden von einer Tagesmutter betreut, denn Barbara will, dass ihre Kinder in einer Familie leben, zusammen mit anderen Kindern und in dem familiären Rahmen, den sie sich für ihre Kinder wünscht. Erst bei der Geburt der jüngsten Tochter steigt sie aus und wird hauptberuflich Mutter und Hausfrau. "Zumindest vorläufig wird das so bleiben", sagt sie und doch ist die Betreuung der Kinder von berufstätigen Müttern und Vätern für sie nach wie vor ein Thema. Denn seit Barbara Fink ausschließlich zu Hause arbeitet, fühlt sie sich verpflichtet ehrenamtlich zu arbeiten, obwohl der Tag mit vier Kindern sicher nicht von Langeweile geprägt ist. Als am 11.12.2003 ,,TaPS" (Tagesmütter / Tagesväter-Pflegekinder-Service e.V.) gegründet wird, wird sie die erste Vorsitzende. "Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es nicht immer einfach ist, als berufstätige Mutter die optimale Kinderbetreuung zu finden", berichtet die Ärztin, doch gerade ihr eigenes Erleben und mit einem Job, der keine festen Arbeitszeiten hat, ist ein flexibles Betreuungsangebot durch eine Tagesmutter für sie die beste aller Lösungen. Keine Frage, Frauen sind auf dem Arbeitsmarkt begehrt. Gerade in sozialen Einrichtungen, in der Altenpflege im Tourismus und generell im Gesundheitswesen sind sie unentbehrlich geworden. Und immer mehr Frauen wollen und müssen auch mit Kindern arbeiten. Wenn sie allein erziehend sind, haben sie gar keine andere Wahl und gerade die zunehmende Zahl von Alleinerziehenden, die oft auch keine Familie in der Nähe haben, stellt den Verein vor eine große Herausforderung. Doch auch für Familien in sozial benachteiligten Situationen ist der Kontakt zu einer ,intakten` Familie, die nicht nur die Kinder betreut, sondern auch mit Rat und Tat zur Seite steht, oft sehr wichtig und stabilisierend.
"Im Wettbewerb der Regionen und der Betriebe um qualifizierte Arbeitskräfte ist Kinderbetreuung ein wesentlicher Standortfaktor", argumentiert die Ärztin und spricht damit ein weiteres Thema an, um den Wirtschaftsstandort Deutschland attraktiver zu gestalten. Denn nur gute Kinderbetreuung ist für Eltern eine Grundvoraussetzung, damit sie ihren Beruf konzentriert und motiviert ausüben können. Sind die Gedanken ständig und voller Sorge bei den lieben Kleinen, klappt das einfach nicht. Hier hat, TaPS` einiges zu bieten, denn vorrangige Aufgaben sind die Qualifizierung von Tagemüttern / Tagesvätern, deren Vermittlung und die Begleitung und Beratung. Zukünftige
Tagesmütter / Tagesväter müssen einen Basiskurs von 12 Stunden absolvieren, der für Vereinsmitglieder kostenlos und in vier Einheiten aufgeteilt ist. Hier werden finanzielle, versicherungs- und steuerrechtliche Fragen geklärt , was eigentlich Tagespflege bedeutet , wie ein Betreuungsverhältnis zustande kommt, was man schriftlich festhalten sollte und wie die Kontakt- und Eingewöhnungsphase ablaufen, wissen die zukünftigen Tagesmütter schon nach der ersten und zweiten Einheit. Die dritte und vierte Einheit vermittelt Fachwissen. Wie fühlt sich ein Kind in zwei Familien, wie geht man mit Konflikten in der Tagespflege um, welche Erziehungsvorstellungen und Erziehungsstile gibt es und wer ist die bessere Mutter? Tagesmütter / Tagesväter werden die Entwicklung von Kindern verstehen lernen, welche Veränderungen im Betreuungsverhältnis passieren können und wie man mit Übergängen und dem Abschied umgehen muss.
Tagesmütter / Tagesväter, die tiefer in das Thema einsteigen möchten, können auch einen weiteren Kurs absolvieren, der ebenfalls kostenlos ist und detailliert in pädagogische Fragen einsteigt und eigentlich Pflicht für alle Eltern sein müsste - egal ob Pflegekind oder eigenes. Denn so seltsam es ist - in Deutschland muss man Mofa- und Segelscheine haben, ein Wirt ein polizeiliches Führungszeugsnis vorlegen damit er ihnen ein Bier zapfen darf, doch bei den eigenen Kindern scheint der Staat sich auf den untrüglichen Instinkt der Eltern zu verlassen und nicht an eine ,Elterschule`, zumindest auf freiwilliger Basis, zu denken.
Der gemeinnützige Verein arbeitet seit dem 1.3.04. Gelder erhält er vom Land Baden-Württemberg, die wiederum vom Landkreis kofinanziert werden. Der Schwarzwald-Baar-Kreis hat in einem Delegationsvertrag dem TaPS e.V. den gesamten Bereich der Tagespflege übertragen. Der Verein sieht sich als Ergänzung zu den anderen Angeboten, der ganz speziell den Bedürfnissen der berufstätigen Mütter entgegenkommt, indem eine qualifizierte Betreuung außerhalb der Öffnungszeiten von Kindertagesstätten und in den Ferien gegeben ist.
,TaPS`ist kein Einzelkämpfer. Der Verein will das Tagespflegewesen im Schwarzwald-Baar-Kreis in Zusammen-arbeit mit dem Kreisjugendamt bedarfsgerecht ausbauen, die Tagesmütter nicht nur qualifizieren, sondern auch begleiten und somit das Vertrauen der Eltern stärken, die ihre Kinder in die Hände einer privaten Kinderbetreuung geben. Die Tagesfamilie soll die oft nicht mehr verfügbare Oma oder Tante und die Geschwister ersetzen, die heute immer mehr fehlen. Natürlich hilft der Verein auch den Eltern, moderiert zwischen Tagesmutter und Mutter und gibt Tipps zur
Finanzierung, denn unter bestimmten Voraussetzungen werden die Kosten der Betreuung ganz oder teilweise vom Jugendamt übernommen. Dr. Barbara Fink hat noch viel vor. Sie möchte regelmäßige Fortbildungen, insbesondere auf dem Gebiet der Sprachförderung für Kleinkinder anbieten, einen Stammtisch einrichten, neue rechtliche Infos weitergeben, aber auch auf so praktische Dinge wie Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung eingehen. "Gute, bedarfsgerechte und hoch qualifizierte Kinderbetreuung sollte nicht vom Staat übergestülpt werden, sondern muss in vielen verschiedenen Modellen vorhanden sein, damit die Eltern frei aussuchen können was passt", ist die Meinung der Ärztin und Mutter.
Der Verein
Der Tagesmütter/Tagesväter Pflegekinder e.V. (TaBS) ist ein gemeinnütziger Verein. Er unterhält eine Beratungs- und Vermittlungsstelle in Villingen, Benediktinerring 8. Geleitet wird sie von Dipl.-Sozialpädagogin und Dipl. Sozialarbeiterin Andrea Platen (Tel. 07721/844726). Der Verein hat zur Zeit 75 Mitglieder. Mitglied kann jede Person oder Personenvereinigung werden, die die Ziele des Vereins unterstützen möchte. Der Mitgliedsbeitrag beträgt € 15 pro Jahr. Der Bedarf hat deutlich zugenommen. Betrug die Zahl der Vermittlungen bei der Vorgänger-Organisation, PRO-JOB gGmbH, in 2003 noch 77 Kinder, so sind es bis 30.6. dieses Jahres schon 76 Kinder. TaBS übt Kontrollfunktionen aus und besucht angehende Tagesmütter, die als Mitglieder des Vereins auch Haftpflicht versichert sind. Tagesmütter haben in der Regel sehr idealistische Ziele. Zwar wird der Verdienst frei vereinbart, doch als Anhaltspunkt gilt lediglich der Aufwandersatz des Kreisjugendamtes für die Tagespflege und die richtet sich nach Stunden. So beträgt er bei einer täglichen Betreuungszeit von vier bis unter sechs Stunden € 145,-- Grundbedarfssatz, zuzüglich € 84,-- Erziehungsaufwand, zuzüglich € 64,-- Zuschuss zur Altersvorsorge, also insgesamt € 293,--, was einen Stundenlohn von ca. drei bis vier € ergibt. Der Verein ist immer auf der Suche nach potentiellen Tagesmüttern. Sollten Sie interessiert sein, freut sich Andrea Platen auf ihren Anruf (Tel. siehe oben). Übrigens, es gibt insgesamt im gesamten Schwarzwald-Baar-Kreis 169 Tagemütter und zwei Tagesväter, wobei ein Tagesvater 2 Kinder einer allein erziehenden Mutter betreut, was am Anfang gar nicht so einfach war, mittlerweile aber hervorragend funktioniert.
Barbara Dickmann
