Kreativität und Freude im Museum

- Jungen Uhrmachern über die Schulter geschaut -

Was tun, wenn es in Strömen regnet - wenn ein Kindergeburtstag vor der Tür steht oder die Erzieherinnen des Kindergartens einen Ausflug planen? Hier die einfachsten Lösungen: 1. Einen Videofilm kaufen, 2. zu Mac Donalds gehen, 3. den Ausflug einfach absagen. Doch wie wäre es denn mit einem Museumsbesuch? Nein, nein jetzt nicht die Nase rümpfen und die lieben Kleinen gleich verscheuchen, denn das Deutsche Uhrenmuseum in Furtwangen bietet nicht nur spezielle Führungen für Kinder an, sondern auch noch die dazugehörige Uhr, die die Kinder selbst basteln können. Wir haben es für Sie ausprobiert und als kompetente Sachverständige in Sachen basteln Ronja, Jonas und Mio mitgenommen. Ronja ist acht, Jonas sieben und Mio gerade fünf Jahre alt geworden und jetzt wird sich zeigen, wie gut das Angebot des Uhrenmuseums tatsächlich ist. Pünktlich um 14 Uhr laufen wir auf. Im großen Eingangsbereich sind etliche Tische aufgestellt, Wasserfarben, Malstifte und Blöcke liegen schon bereit und mit fachkundigem Blick sind die Kids damit schon einmal zufrieden. Die Mitarbeiterinnen des Uhrenmuseums verteilen schon ziemlich dicke, mit Papier beklebte Holzstücke, deren einzige Ähnlichkeit mit einer Uhr aus dem Ziffernblatt besteht, deren römische Zahlen selbst Mio schon gut erkennen kann. ,, Das könnt ihr jetzt bemalen, wie immer ihr es wollt", erklärt eine der Mitarbeiterinnen, doch die drei Kids sind noch unschlüssig, wie ihre Uhr einmal aussehen soll und sie

entschließen sich, zuerst eine Führung mitzumachen. Und los geht's. Bei den Kinderführungen sind natürlich die Uhren mit beweglichen Figuren die Hauptattraktion. Sie laufen von der Knödelesser-Uhr, die Ronja besonders cool findet, hin zur armen Schneiderlein-Uhr und hier ist Jonas voller Mitleid. Denn der arme Schneider bekommt von seiner Frau zu jeder vollen Stunde einen Schlappen auf den Kopf gehauen. Doch eine Riesenuhr, die über zwei Etagen geht, lässt Mio den Atem anhalten. Er weiß gar nicht, wo er zuerst hinschauen soll. Da sind Sonne und Mond, Mönche und ein Nachtwächter, die Apostel und Kuckuck und Hahn... Mio ist fasziniert. ,,Diese Uhr ist vor hundert Jahren von einem Mann gebaut worden, der August Noll hieß", erklärt die Mitarbeiterin des Museums und lässt natürlich für die Kinder die Puppen tanzen. Jetzt ein Motiv für die eigene Uhr zu finden, ist wirklich kein Problem. Ronja, Jonas und Mio stürzen zurück an ihren Tisch und beginnen. Sie entschließen sich für Wasserfarben und Malstifte, malen Blumen und Ornamente und sind kaum ansprechbar. Es dauert eine ganze Weile, bis sie mit ihren Werken zufrieden sind und nach ausreichender Trocknungsphase kommt der nächste Schritt. Es geht in den Keller, denn dort wartet ein Arbeitstisch mit etlichen Laubsägen, denn aus dem mittlerweile wunderschön bemalten Holzstück soll ja eine Uhr werden. Hier ist Jonas in seinem Element, fachmännisch schnappt er sich die Laubsäge und beginnt. Doch für Ronja ist das ein Problem. Diese

blöde Säge, immer rutscht sie ab und allmählich bilden sich kleine Schweißperlen auf ihrer Stirn. Keine Frage, Ronja braucht Hilfe, die sie natürlich bekommt. Dann klappt es auf einmal und auch ihr Holzstück verwandelt sich allmählich in die typische Form einer Schwarzwälder Uhr. Mio guckt die Laubsäge nicht mal an. Damit hat er überhaupt nichts am Hut und schließlich ist ja Jonas mitgekommen. Doch schmirgeln kann er gut und nach kurzer Zeit haben drei glückliche Kinder drei - wenn auch sehr eigenwillig - ausgesägte Uhren in der Hand. Jetzt fehlen noch das Uhrwerk und die Zeiger und hier helfen die Mitarbeiterinnen des Museums natürlich gerne. Ronja, Jonas und Mio sind total begeistert, denn ihre Uhr läuft tatsächlich. Sie geht richtig, so wie die Uhren zu Hause und alle sind gespannt, was Mama und Papa dazu sagen werden. Doch Mio will noch einmal zur großen Uhr und deshalb dauert es noch eine Weile, bis die Kids sich trennen können. Fast drei Stunden sind vorbei - gefüllt mit Aktivitäten, die die Kreativität fördern und spielerisch Kultur und das Wissen aus alten Zeiten fördern. Die Aktion des Uhrenmuseums Furtwangen ,,wir basteln eine Uhr" ist ein voller Erfolg und steht nach wie vor den unterschiedlichsten Gruppen zur Verfügung. Auskunft erhalten Sie unter Tel. 07723/920117, täglich von 9 - 18 Uhr (bis Oktober) und von 10 - 17 Uhr (von November bis März).

Barbara Dickmann