1966 kommt die Pille auf den Markt, im selben Jahr die Studie der amerikanischen Forscher Masters und Johnson über den weiblichen Orgasmus und die Klitoris. Die sexuelle Revolution beginnt. Die Studentenbewegung, Oswald Kolle, Alice, und die gesamte Frauenbewegung erkämpfen Freiheiten, die das Frauenleben leichter machen.
1976 erscheint das Buch ,,Die Scham ist vorbei", eine persönliche Erzählung von Anja Meulenbelt. Es wird das Buch schlechthin und verschlungen von einer ganzen Frauengeneration. Anja Meulenbelt, Jahrgang 1945, Mutter mit 16. Mit 25 Jahren tritt sie der holländischen Frauenbewegung bei und lebt in Amsterdam. Selbständig, lesbisch, Autorin von ,,Feminismus und Sozialismus", Mitbegründerin des Frauenverlages ,,Sara". Unterrichtet an der Universität von Amsterdam und wird Dozentin für feministische Sozialarbeit. Ihr Buch ist ein Skandal. Es geht um die sexuellen Bedürfnisse von Frauen, ihre Einstellung zum eigenen Körper, um Orgasmus, sexuelle Phantasien, um Beziehungen zwischen Männern und Frauen, um Bisexualität. Es befasst sich mit Vergewaltigung und der Frage, was und ob sie mit normalem Sex zu tun hat. Mit Pornographie und deren Folgen für Frauen, mit Therapien, Sexualtherapien und den verschiedenen Verhütungsmitteln!
2006 ist die moderne Frau frei und lebt erfüllten Sex. Oder? Mehr Freiheit gab es nie! Alles ist heute möglich. Leder, Lack und Peitsche, Sex auf der Parkbank, Dinge von denen unsere Mütter - wenn überhaupt - nur Fantasien hatten. Alles darf sein. Jede fünfte Frau hat heute erotische Erfahrungen mit einer anderen Frau. Wir können unsere Partner wählen und wir dürfen ,,Nein" sagen. Aber wie viel Lust, Leidenschaft und Körperlichkeit, wie viel dieser sexuellen Freiheit können wir wirklich zulassen? Was ist das überhaupt - sexuelle Freiheit? Ist es der Orgasmus? Der One-Night-Stand? Der Besuch in einem Swingerclub? Sind es Sado- Maso-Techniken oder Sex in der Öffentlichkeit?
Claudia Haarmann, 54jährige freie Hörfunk- und Fernseh-Journalistin aus dem Ruhrgebiet hinterfragt das - genau 30 Jahre später und ganz nüchtern. Wo sind wir wirklich mit unserer Sexualität? Ist die Scham vorbei? Claudia, die auch als Kommunikationstrainerin, Psychothera-peutin (HP) und Lehrbeauftragte tätig ist, legt los. Sie überlegt, recherchiert und schreibt auf. Ein Buch entsteht, das Märchen, Frauenbiografie und Wissenschaft zugleich ist. Frauen zwischen
20 und 70 Jahre erzählen ihre Geschichte - höchst intime Geschichten über Sexualität im Alltag. Expertinnen berichten über verschiedene Kulturen, die einen anderen Umgang mit dem weiblichen Körper lehren.
,,Das ist der Waschlappen für oben - und der ist für unten rum!" Ihr Buch beginnt mit dem eigenen Kindheitserlebnis. ... ,,Aha, für ,,unten rum". Ohne dass ich meine Mutter fragen muss, weiß ich bereits mit vier Jahren: ,Unten rum` ist eine besondere Zone. Aber ab wo fängt das ,Unten rum` an? Ab dem Bauchnabel? Oder noch tiefer? Ich habe keine Ahnung, und fragen mag ich nicht. Normalerweise fängt bei mir ,unten rum` ab den Knien an, die sind immer dreckig und haben meist eine dicke Kruste zum Knibbeln. Auf jeden Fall ist ,unten rum` so schmutzig, dass es für oben rum gefährlich ist. Ich darf also den Waschlappen auf keinen Fall verwechseln. Das ist mir klar, auch ohne dass meine Mutter es sagt. Die Erwachsenen beschäftigt das Thema schwer: ,,Hast du dich auch ,unten rum` gewaschen?" ,,Jaa-aa!".... So lebendig wie es beginnt, so lebendig bleibt das Buch. Wie nennt ihr diesen Teil eures Körpers? Fragt die Autorin etliche Frauen. Eine ,handfeste Beziehungsstörung` nennt eine 35-Jährige diesen zarten Ort, der Wohlgefühl, Freude, Lust und Aufgeschlossenheit genauso kennt wie Trauer, Schmerz und Zurückgezogenheit. Doch dieser weiblichste Teil des Körpers bleibt bis heute überwiegend namenlos. Und der wilde, lustvolle, häufige Sex, von dem so viel die Rede ist: Wo findet der statt? Das Leben der Freundinnen von Claudia Haarmann und der Frauen, mit denen sie arbeitet, sieht anders aus. Sie haben Beziehungsprobleme, vermissen Sex, kämpfen mit ihren Pfunden, um attraktiv zu sein. Sie suchen Nähe, sind nach der Arbeit platt und wollen bestenfalls kuscheln. Sie haben Fantasien, trauen sich aber nicht, sie auszusprechen, geschweige denn, sie auf der Parkbank auszuleben. Fazit: Trotz sexueller Aufklärung, trotz Dauerberieselung von sexuellen Botschaften in den Medien - Frauen sind heute weit davon entfernt von dem, was täglich an tollkühnen erotischen Erlebnissen geboten wird. Sie sind voller Zweifel und voller Stress. Es gibt sie immer noch - die Scham, sie ist noch längst nicht vorbei, wenn es um das Verhältnis von Frauen zu ihrem Körper und ihrem ureigensten weiblichen Organ, der Vagina geht." ,,Unten rum". Die Scham ist nicht vorbei" (ISBN 3-936360-15-4, € 16,80) schaut genau hin. Doch mit diesem Hin-
schauen, mit dem Anerkennen der Wirklichkeit, meint die Autorin, ist der erste Schritt getan.
Ist sie oder ist sie nicht?
Ihre Meinung ist gefragt
,,Wirst Du nun davon glücklich, von dem Feminismus?", wird Anja Meulenbelt 1976 gefragt. Sie weiß keine Antwort. Sie zögert. Na ja, nein, manchmal. Glücklich? Einfacher sei es nicht geworden. Manchmal fühle sie sich überfordert von den eigenen Idealen, von denen sie doch so wenig zustande bringt. Manchmal fühle sie sich wie ein Muscheltier ohne Schale. Doch sie könne nur weiter vorwärts gehen, ein Zurück gibt es nicht. ,,Lasst uns Geduld miteinander haben und uns ehrlich die Dinge eingestehen, die wir noch nicht können", sagt sie zu der Frau. Doch Scham? Nein, nein, keine Scham, die Scham sei vorbei! (Quelle ,,Die Scham ist vorbei" ISBN 3-88104-044-7).
Das war 1976 und heute? Gelten sie nicht immer noch, die starren und alten Normen? Schämen wir uns nicht nach wie vor, wenn wir den vorgeschriebenen Standards von Jugend und Schönheit nicht mehr entsprechen. Schämen uns nicht mehr für unseren Körper, wenn er alt und dick wird? Und wie sieht es bei den jungen Mädchen aus? Haben sie sich befreit von Unsicherheit und Unkenntnis und eine Beziehung zum eigenen genitalen Körper, zur Scheide und zu den Schamlippen? Oder stecken sie trotz Genitalpiercing, trotz Push-up, trotz Intimfrisur noch immer im Tümpel der sexuellen Scham? Wie ist Ihre Meinung? Wie sind Ihre Erfahrungen? Auf Ihre Reaktionen, egal ob am Telefon (Telefonnummern oben), schriftlich oder per Email freuen sich Barbara Dickmann und Sabine Prezwolka
Neues vom Mond
Heute ist ein idealer Tag für eine Saftkur. Doch möchten Sie eine Blutreinigungskur mit Brennesseltee machen, dann beginnen Sie damit nicht an einem Jungfrauen-Tag. Viele Menschen vertragen dann diesen heilenden Tee nicht und bekommen Sodbrennen. Bis Donnerstag steht der abnehmende Mond in der Jungfrau, ab Freitag in der Waage. Und sollten Sie Lust auf Fenster putzen haben, dann legen Sie erst am Freitag los. Als Reinigungsmittel genügt Wasser mit einem Schuss Spiritus, denn der Mond hilft mit (Quelle: Das Mondjahr 2006, Johanna Paungger und Thomas Poppe). ck.
Barbara Dickmann
