Siegfried Schreiber bietet auch im nächsten Jahr seine Themenabende an. Bild: Privat
Räumen Sie auch gerade mit dem alten Jahr auf? Fangen Sie beim Schreibtisch an, bei den Schränken oder gar im Kopf? Schaffen Sie Platz für das kommende Jahr, haken Sie ab, was nicht war und nicht sein konnte? Und denken Sie manchmal voller Groll an die Menschen, die Sie in diesem Jahr verletzt und die Sie Lebenslust und Lebenskraft gekostet haben? Schaffen Sie es einfach nicht großzügig zu vergeben - zu verzeihen, wie es die großen Religionen seit Tausenden von Jahren predigen?
Siegfried Schreiber aus Villingen und bekannter typisch frau - Referent, hat sich mit dem Thema "Vergeben/ Verzeihen" im Rahmen seiner vier Themenabende, die er im November/Dezember im Gemeinde-zentrum Münster angeboten hatte, auseinander gesetzt. Alle Themenabende waren ausgebucht und die Teilnehmer begeistert. Lassen Sie uns einsteigen in ,,Vergeben/Verzeihen" - um das Alte zum Abschluss zu bringen und dem Neuen entgegen zu sehen.
Wenn Sie verletzt werden, leidet ihre Seele und ihr Körper. Je mehr Wut Sie empfinden, desto mehr schüttet ihr Körper chemische Stress-Substanzen aus, die mit der Zeit die Gesundheit belasten. Doch es gibt keine heile Welt. Menschen verletzen einander. Doch wie wir damit fertig werden, wird in frühester Kindheit durch unsere Bezugspersonen geprägt - meinen jedenfalls die Experten. Fühlen wir uns zutiefst verletzt, sind hasserfüllte Gedanken und Rachegelüste überhaupt nichts Ungewöhnliches. Ja selbst der Gedanke, ihn einfach umzubringen, ist in Ordnung - natürlich nur, solange es sich in der Fantasie abspielt. Je schlimmer die Kränkung, desto tiefer die negativen Gefühle. Auch das ist völlig normal und doch schaden wir uns nur selbst damit. Denn eine tiefe Kränkung wird unter ,,Unerledigtes" in unserem Innersten gespeichert und taucht immer wieder im Unterbewusstsein auf. "Verleugnen Sie diese seelischen Schmerzen der Verletzung nicht - durchleben und verarbeiten Sie sie", meint Siegfried Schreiber.
Und warten Sie nicht auf eine Entschuldigung. Entscheiden Sie selbst und unabhängig, ob, wann und wie Sie verzeihen wollen. Falls Sie zu dem Schluss kommen, dass die Tat für Sie unverzeihlich ist, haken Sie die Sache im eigenen Interesse trotzdem ab. Und doch müssen Sie deshalb nicht "Friede, Freude, Eierkuchen" spielen! Der "Angreifer" hat kein Recht auf ein Vergeben. Denn Sie haben die Möglichkeit, sich zu trennen und dem Menschen aus dem Weg zu gehen. Doch zeigt er Reue, schafft man meistens
Die Hände reichen zur Versöhnung - manchmal klappt es wirklich von Herzen.
Bild: B. Dickmann
die Versöhnung leichter und ohne lange darüber zu lamentieren. Auch wenn es schwer fällt - vermeiden Sie es, den Moralapostel zu spielen und mit erhobenem Zeigefinger seine Schuld anzuprangern oder gar Forderungen zu stellen. Verzeihen ist freiwillig und bedingungslos. Hüten Sie sich vor falschen Versöhnungen, vor vorschnellen Entschuldigungen. Wer berechtigten Ärger vordergründig großherzig abtut, hält einen faulen Frieden aufrecht. Dieses oberflächliche Verzeihen macht Sie als Opfer nicht stärker, sondern schwächer und eine große Frage steht im Raum! Sind Sie vielleicht gar nicht so großherzig? Haben Sie vielleicht nur große Ängste vor weiteren Angriffen oder gar vor einem Verlust, weil dieser Mensch Sie dann links liegen lässt?
Doch umgekehrt gibt es ein Vergeben auch ohne Versöhnung. Denn wenn der Verursacher seine Verfehlung nicht einsieht oder Sie einfach nicht verzeihen können, weil Sie sich zu verletzt fühlen, muss man einfach abhaken, was geschehen ist. Es ist für Sie und ihre Gesundheit wichtig, das Geschehene als Teil der eigenen Lebensgeschichte zu akzeptieren, ohne das Erlittene zu bagatellisieren. Hören Sie nicht auf schlaue Sprüche: ,,Da muss man drüber stehen" ist leichter gesagt als getan und klappt in der Regel überhaupt nicht. Und Niemand kann völlig gelassen und souverän mit Kränkungen und Verletzungen umgehen - selbst ein Psycho-Profi schafft das nicht.
Warum ist es nur so schwer, mit Kränkungen und Verletzungen umzugehen? Eine Demütigung greift das Selbstwertgefühl an. Hinzu kommt die Trauer über das enttäuschte Vertrauen. Das schmerzt!
Auch der Täter leidet, aber nur dann, wenn er echte Reue empfindet. Und wenn er nicht allzu hart gesotten ist, hat er Schuldgefühle, die an seine Schattenseite erinnern. Und gerade dunkle Ereignisse hätte er gerne verdrängt. Viele Menschen können sich einfach nicht entschuldigen oder gar um Verzeihung bitten. Sie betrachten das als Unterwerfung und das ist etwas, was Erwachsene nur ungern tun.
In zwischenmenschlichen Beziehungen kommt es immer zu Ungerechtigkeiten, Kränkungen und Verletzungen. Niemand ist vollkommen, weder wir selbst, noch die Menschen um uns herum. Einmal sind wir Opfer, das nächste Mal sind wir die Täter. Entschuldigen, Verzeihen, Vergeben, Versöhnen ist kein einfacher Prozess. Er braucht Zeit. Denn Verletzungen und Kränkungen heilen nicht von heute auf morgen. Verzeihen bedeutet nicht etwa, das Geschehene zu verharmlosen. Aber ist es nicht sinnvoll, auch einmal nachzudenken und sich in die Situation des Täters zu versetzen? Was hat ihn dazu bewogen, sich so zu verhalten? "Versöhnen befreit - Versöhnen wirft
Ballast von der Seele", sagt Siegfried Schreiber. Verzeihen und Vergeben ist Ausdruck psychischer Reife und Einsicht. Auch Sie sind nicht perfekt und machen Fehler und wer mit Menschen zusammenleben will muss Verzeihen lernen. Und wenn Sie es nicht aus moralischen oder religiösen Gründen können - dann tun Sie es um ihrer Selbst willen. Tun Sie es für ihre körperliche und seelische Gesundheit! Alle Teilnehmer dieses Themenabends mit Siegfried Schreiber haben zwei Stunden zugehört, selbst berichtet und diskutiert. Sie nehmen viel Stoff zum Nachdenken mit nach Hause. Vielleicht kann man ja wirklich etwas verändern - vielleicht im neuen Jahr. Schöne Tage zwischen den Jahren, einen aufgeräumten Schreibtisch und einen ebenso aufgeräumten Kopf wünschen Barbara Dickmann und Sabine Przewolka
Neue Themenabende:
Positive Psychologie ist Lebenshilfe. In Siegfried Schreibers Themenabenden werden insgesamt 24 Bereiche intensiv besprochen und erarbeitet. Für das kommende Jahr möchten zehn Teilnehmer der ersten Runde und sieben der zweiten Runde an weiteren zwei Blöcken teilnehmen. Hier die Termine und die von den Teilnehmern gewünschten Themen: Jeweils Dienstags und zwar am 25. April, Thema: Freundschaft, 2. Mai, Thema: Hoffnung/Optimismus, 9. Mai, Thema: Glück, 16. Mai, Thema: Vertrauen. Zweiter Block: Jeweils Montags und zwar am 24. April, Thema: Gelassenheit, 8. Mai, Thema: Freundschaft, 15. Mai, Thema: Weisheit, 22. Mai, Thema Glück, jeweils von 19 - 21 Uhr im Münsterzentrum in Villingen, noch einige Plätze frei, Anmeldung unter Tel. 07721-51080. (Kosten € 20,-- pro Block). ck
Vortrag im Europa-Park:
Am 18. Januar, ab 19.30 Uhr wird Siegfried Schreiber im Europa-Park einen Vortrag halten. Er beinhaltet seine eigenen Erfahrungen, seine Erkrankung, seine Heilung und das Leben danach. Titel: ,,Wege aus der Depression - ein Betroffener berichtet". Damit eröffnet Siegfried Schreiber im kommenden Jahr die neue Vortragsreihe im Europa-Park, die nicht kommerziell ausgerichtet ist. Der Eintritt in Höhe von € 7,-- wird in voller Höhe gespendet. ck
Danke
Martin ist zwölf Jahre alt. Vor fünf Jahren verlor er seine Mutter an Krebs und jetzt liegt sein Vater auf der Intensivstation, Diagnose: Krebs. Die Karl Ziegler Gedächtnis-Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, Martin zu helfen und zu begleiten. Sie wird eine Patenschaft übernehmen und dafür sorgen, dass Martin betreut und begleitet wird und ihm die Chance auf Bildung und Erziehung geben. Insgesamt € 250,-- haben Sie, liebe Leserinnen und Leser gespendet. Danke - im Namen von Martin und im Namen der Vorsitzenden der Stiftung. Hier noch einmal die Bankverbindung: Karl Ziegler Gedächtnis-Stiftung, Hypovereinsbank München, Konto-Nr. 52056560, BLZ 700 202 70, Betreff: Spende für Kind M., 12 Jahre alt.(, bitte nur Anfangsbuchstabe, da Name geändert). Ihre Spende wird zu 100 % direkt für Martin verwendet werden - nicht für große Geschenke, sondern für intensive Betreuung.
Barbara Dickmann
