Frauen und Geld - zwei Welten begegnen sich

 

Mittwoch, 10. Mai so gegen 17 Uhr. Es ist einer von diesen berühmten Tagen, der schon im Vorfeld schlaflose Nächte bereitet. Heute ist Premiere - der erste ,typisch frau` -Vortrag in Waldshut-Tiengen. Und die Zweifel nagen! Wie wird es laufen? Interessiert das Thema überhaupt? Sind die Räume O.K.? Und wer um alles in der Welt verzichtet an so einem herrlichen Sommertag auf das abendliche Glas Wein auf der Terrasse? Wer träumt nicht von einem kühlen Hellen im Biergarten - gemeinsam mit der besten Freundin, um zu diskutieren. Worüber? Na über Kind und Kegel, Job und Nachbarin, den netten Typen von Nebenan, die neueste Mode, der nächste Besuch beim Frauenarzt und natürlich über diese entsetzlich, aufgetakelte Person mit Silikonbusen, die alle Männerblicke auf sich zieht. Das sind Themen die interessieren. Doch nicht Geld! Wer spricht schon über Geld? Wer will über Altersvorsorge, Immobilien, Kapital, Rendite, Fonds und Aktien nachdenken, wenn die Sonne scheint? Wie konnten wir nur so dumm sein, mit ,,Frauen und Finanzen" einzusteigen? Warum haben wir nicht mit Farb- und Stilberatung, Schminktipps oder die neueste Beinenthaarungsmittel, losgelegt? Das sind Frauenthemen - oder? Natürlich sind das Frauenthemen, doch Frauen vermögen mehr als jeder Mann, wenn es ums Vermögen geht. Sobald sie sich trauen. Das wird Ihnen jeder Finanzberater bestätigen. Und doch ist in meinem Kopf die Hölle los. Können Sie sich vorstellen, wie viele äußerst unangenehme Gedanken durch den Kopf schießen, wenn man schlappe 100 km quer durch den Schwarzwald fährt?
Um 18.30 Uhr ist Waldshut-Tiengen in Sicht und die Gewerbeakademie zum Greifen nah. Das Salatbuffet wartet schon und ich auch. Doch nicht lange, denn um 19 Uhr stehen die ersten drei Frauen auf der Matte und die Hoffnung steigt. Sollte das Thema tatsächlich interessieren? Dreißig Frauen sind es um halb acht und dann kommt der erste Mann. Ob er wohl zuhören dürfe? fragt er ganz bescheiden. Aber natürlich, ,typisch frau` ist frauenfreundlich aber nicht männer-feindlich!
Gut sechzig Interessierte, darunter drei Männer! Junge Frauen, jung gebliebene und ältere Frauen - einfach super! Irys

Ehmann aus Stuttgart, unabhängige Finanzberaterin und Referentin unseres ersten ,,typisch frau` -Vortrags für das Gesamtblatt, legt los. ,,Reichtum fängt im Kopf an", sagt sie. Die Einstellung zum Geld sei einfach wichtig. Also lieber reich und gesund als arm und krank. Irys Ehmann rüttelt auf. Armut im Alter ist weiblich. Haushaltsgeld verwalten auch! Doch Lebens- und Vermögens- Strategien entwickeln, mit dem ,,großen" Geld umgehen, ist männlich. Irys fängt nicht beim großen Geld an, sondern beim kleinen. ,,Überprüfen und reduzieren Sie ihre Ausgaben und erhöhen Sie Ihre Einnahmen!". Ist das Gehalt wirklich leistungsbezogen oder verdienen Sie zu wenig? Ein Blick in die Frauenrunde genügt. Es ist das alte Problem. Wir verkaufen uns unter Wert, wir können einfach nicht artikulieren, was wir leisten und selbstbewusst fordern, was wir verdienen. Doch es gibt eine zweite Seite. Haben wir es wirklich verdient mehr zu verdienen? Sind wir topfit im Beruf? Wäre eine Fortbildung nicht angesagt, die zweite Fremdsprache oder das neue Betriebssystem? ,,Denken Sie darüber nach, sprechen Sie darüber und suchen Sie kompetente Beratung", rät Irys.
Irys geht die Sache psychologisch an. Denn Geld gibt Freiheit und Unabhängigkeit. Mit Geld kann man mehr bewegen als ohne. Mit Geld kann man helfen - wenn man es fließen lässt und nicht hortet. Auch Alfons Tungl-Sontag, Erfinder und Manager eines Dachfonds, geht ans Eingemachte. Was ist ein Dachfonds, wie erkenne ich Risiken und wie hoch ist die Rendite. Keine Frage, der Mann hat Ahnung und nach zwei Stunden Vortrag bleiben die Fragen nicht aus. Denn etliche Frauen haben Lunte gerochen, haben Blut geleckt und die Dollarzeichen in den Augen. Geld ausgeben macht Spaß, vielleicht ja Geld verdienen auch? Um 11 Uhr löst sich die Runde langsam auf. Großes Lob für die Referenten und die schönste und absolut wichtigste Frage des Abends wird mir im ganz persönlichen Gespräch gestellt: ,,Wann kommt denn der nächste Vortrag?" Möchte eine Leserin wissen. Er kommt, mit Freuden - und zwar noch vor den Sommerferien.
Keiner geht an diesem Abend als Vollprofi aus der Gewerbeakademie. Wir sind weiß Gott nicht fit für den Handel an der Börse

und können nur erahnen, welche unendlichen Möglichkeiten der Geld-vermehrung (oder Geldvernichtung) es gibt. Doch was wir ,typisch frau`-Autorinnen und die Referenten erreichen wollten, ist gelungen: Das Bewusstsein zu wecken, die Bereitschaft sich mit Geld auseinander zu setzen. Denn Geld macht nicht glücklich, doch auch nicht automatisch unglücklich.
Donnerstag, so gegen 0.30 Uhr. Noch 100 km (oder 90 Minuten) durch die mondhelle Nacht. Mit vielen Gedanken im Kopf. ,Typisch frau` und Waldshut-Tiengen sind sich näher gekommen. Frauen und Geld - zwei Welten sind sich begegnet. Doch wenn sie sich vereinen und frau trotz Geld fraulich bleibt, wird es vielleicht etwas weniger Kinderarbeit und etwas bessere Arbeitsbedingungen geben - wird die Welt vielleicht ein bisschen besser werden.

Anlagemodelle:
Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten, um ihr Geld in mehr oder weniger risikobehaftete Wertpapiere anzulegen:
Aktien: Direkter Kauf von Anteilen eines Unternehmens. Sie müssen sich selbständig informieren, Kurs- und Geschäftsentwicklung eines Unternehmens beobachten, sich eine Strategie überlegen und konsequent handeln. Je nach Aktie ist das Risiko von gering bis hoch. Sollte Spaß machen und ,,Spielgeld" sein, sonst sind Verluste vorprogrammiert. Richtlinie: Befassen Sie sich jeden Tag eine Stunde mit Ihren Aktien. Fonds:Wenn Sie Anteile an einem Aktienfonds kaufen, kümmert sich der Fondsmanager darum. Er verwaltet das Geld vieler Anleger. Fonds haben jeweils bestimmte Anlagestrategien, an die sie gebunden sind. Sie müssen lediglich entscheiden welche Branche oder welches Land Sie attraktiv finden. Erfordert wenig Zeit. Dachfonds: Dachfonds machen es Ihnen ganz einfach. Die Suche nach passenden Fonds bzw. Branchen nimmt Ihnen Ihr Manager ab. Beispiel: Global Trend Select, Manager Alfons Tungl-Sontag. Investiert aus-schließlich in andere Fonds. Er investiert auf der ganzen Welt, große Einzelpositionen im Augenblick in Asien. Kann jederzeit aussteigen und muss auch nicht investiert sein, wenn der Markt mal schwächelt. ck

Barbara Dickmann