Was ist eigentlich Kinesiologie

- ,typisch frau-` Vortrag mit Anja Chares aus Bräunlingen -

Es beginnt ganz harmlos. Irina B., eine Frau die mitten im Leben steht, ist ständig müde und schlapp, lustlos und einfach nicht auf Draht. Irina B. schluckt Vitaminpillen und Mineralstoffe und gönnt sich ein paar Tage Urlaub - ohne Erfolg. Nach ein paar Monaten kommen starke Kopfschmerzen hinzu, Magen- und Darmprobleme und als auch noch ihr Bruder an Krebs erkrankt, ist sie völlig am Boden und eine vorher nie gekannte Angst schnürt ihr fast die Kehle zu. Irina B. geht zum Arzt, denn jetzt braucht sie Hilfe. Doch dann erzählt ihr eine Freundin von einer besonderen Diagnose-Methode mit dem seltsamen Namen Kinesiologie und hält ihr eine ,typisch frau` - Reportage unter die Nase, die einen Vortrag mit Anja Chares, Sportökonomin, Physiotherapeutin und Heilpraktikerin aus Bräunlingen-Unterbränd am 23. September ankündigt. Anja Chares hat sich auf Psycho-Kinesiologie nach Dr. D. Klinghard spezialisiert und so steht Irina B. am vergangenen Donnerstag nicht nur vor dem ,Gasthaus Jägerhaus`, sondern auch noch im Nebenzimmer volle zwei Stunden, denn Sitzplätze gibt es schon eine halbe Stunde vor Beginn des Vortrags nicht mehr. Doch Irina B. will nicht weichen, denn die große Frage, die auch alle anderen fast 200 Zuhörer beschäftigt, soll heute beantwortet werden. "Was ist eigentlich Kinesiologie?" Eine schwere Frage, wie sich im Laufe des Abends herausstellen wird - und Anja Chares legt los.
Kinesologie ist die Lehre von den inneren und äußeren Bewegungen und dem Bewegt-Sein des Menschen (kinein = bewegen und Logos = Lehre). Kinesiologen arbeiten mit dem Wissen um die Zusammenhänge und Resonanzen zwischen Muskeln, Organen, Emotionen und Denkstrukturen. Sie spüren Stress und Blockaden mit Hilfe eines Muskeltests in diesen Bereichen auf. Kinesiologie ist eine moderne Methode, doch keine Erfindung der Neuzeit. Schon vor rund 2000 Jahren verwendete der griechische Arzt Hippokrates das Muskeltesten um neurologische Verletzungen von seinen Soldaten zu diagnostizieren und vor 500 Jahren nutzen es die Maya-Indianer um festzustellen, ob das Wasser an einer bestimmten Stelle trinkbar war. Im 19. Jahrhundert war es Alltag für die französischen Neurologen Charcot und Babinsky mit dem Muskeltest zu arbeiten, doch erst Anfang der 60iger Jahre fand dieses Verfahren immer mehr Beachtung und nach und nach wurden etliche verschiedene Einsatzmöglichkeiten

entdeckt. Der Ansatz ist einfach, doch das Besondere ist, dass es keine festen Abläufe gibt. Nicht Blutuntersuchungen oder Ultraschall, sondern der eigene Körper zeigt, wo Blockaden sitzen, wo Stress verankert ist, welche Wünsche, Ziele oder Bedürfnisse da sind und warum es an Klarheit oder Kraft fehlt, sie umzusetzen. Kinesiologie kann helfen, Denken, Fühlen und Handeln in Einklang zu bringen, aber auch Kindern in der Schule helfen oder die eigene Leistung am Arbeitsplatz verbessern.
Innerhalb der Kinesiologie gibt es die unterschiedlichsten Systeme, die entweder mehr von der körperlichen oder mehr von der psychologischen Seite arbeiten. Anja Chares arbeitet vorwiegend mit der Psyche, denn durch den Muskeltest erhält das Unterbewusste eine Sprache. Hört sich gut an, meint Irina B., doch wie funktioniert die ganze Geschichte? Genau das ist der Hauptpunkt auf Anja Chares Vortragsprogramm, denn jetzt kommt die Praxis und die beginnt mit einem Selbsttest, den Irina B. gleich mitmacht und hier die Anleitung für Sie, liebe Leserinnen und Leser, die leider nicht dabei sein konnten: Setzen Sie sich hin, öffnen Sie die Beine leicht, die Arme hängen lassen und ausschütteln. Führen Sie jetzt die Handflächen wie in einer Gebetshaltung zusammen (siehe Bild), nehmen Sie die Hände wieder hoch und schauen Sie genau hin. Sind ihre Finger gleichlang, oder ist der Mittelfinger der rechten Hand vielleicht länger als an der linken? Nehmen Sie sich Zeit, denn für den Test ist es wichtig, seine Finger zu kennen. Jetzt die Arme wieder hängen lassen. Dann sagen Sie ihren Namen, zum Beispiel: ,,Ich heiße Irina", führen dann die Hände wieder in der vorherigen Gebetshaltung zusammen und schauen wieder genau hin. Alles klar und wahrscheinlich unverändert! Lassen Sie die Arme wieder hängen und lockern Sie sie etwas. Sprechen Sie den gleichen Satz, doch mit einem fremden Vornamen des anderen Geschlechts, zum Beispiel: ,,Ich heiße Theodor" und führen Sie die Hände wieder zusammen. Wie sehen sie jetzt aus? Hat sich etwas verändert, ist vielleicht der Mittelfinger der linken Hand etwas länger als vorher? Bei Irina B ist der Ringfinger der rechten Hand irgendwie länger, oder ist der Ringfinger der linken Hand kürzer? Egal, wie auch immer, irgendetwas ist passiert und bei gut der Hälfte der Zuschauer auch. Anja Chares liefert die Erklärung: ,, Einen falschen Vornamen zu sagen, bereitet Stress" sagt sie und der Körper reagiert sofort. Hier liegt das Problem: Täglicher

und ständiger Stress aktiviert die Blutzufuhr der wichtigsten Organe, doch weniger wichtige werden schlechter durchblutet und das kann auf Dauer zu den unterschiedlichsten Krankheiten führen. Wie Stress wirken kann, will Anja Chares ein weiteres Mal demonstrieren und eine mutige ,typisch frau-Leserin` ist ihr erstes Opfer von etlichen an diesem Abend. Marina (Name geändert) heißt sie und ob sie einen starken Arm hat, wird sich zeigen. Was die nächste Stunde im Stehen und Liegen getestet wird, hat immer den gleichen Rhythmus. Muskeln sind stark und einen ausgestreckten Arm gegen den Willen nach unten zu drücken ist schwierig. Doch bringt man ihn in Verbindung mit Stress, Lebensmitteln, die nicht vertragen werden, mit Schwermetallen die den Organismus belasten oder mit Wasseradern, die genau unter dem Bett verlaufen, dann wird er schwach und lässt sich nach unten drücken. Anja Cahres testet und testet und Irina B. ist verblüfft. Allein schon der Gedanke an das eigene Bett lässt bei Corinna (Name geändert) den Arm schwach werden, bei Monika (Name geändert) ist es eine Narbe, die sie schon seit über dreißig Jahren hat und auch Narben auf ihrer Seele und vielleicht auch an Herz, Lunge, Leber, Niere oder Milz oder an irgendeiner anderen Stelle im Körper hinterlassen haben. Anja Chares testet wieder und wieder. Und jetzt wird klar, warum eine Behandlung bis zu zwei Stunden dauern kann und warum wohl am Ende Therapeutin wie Klientin gleich fertig sind. Doch dafür ist das Ergebnis sofort greifbar und ist für jeden nachvollziehbar. Und im Mittelpunkt steht nicht ein Apparat, sondern der Mensch, der sich mit sich selbst, seinem Körper, seinen Wünschen und Gefühlen aber auch mit seinen Unfällen und Schicksalsschlägen beschäftigen muss. Viele Fragen aus dem Publikum nach anstrengenden zwei Stunden, doch eine Frage immer wieder: Was ist eigentlich Kinesiologie. Irina B. versteht es so: Kinesiologie ist in erster Linie eine wunderbare Diagnosemethode, die wirklich alles abdeckt, aber auch eine Behandlungsmethode. Doch wie die Behandlung funktioniert ist ihr nicht klar. In jeden Fall muss man sensibel werden , auf den Körper hören, die Selbstheilungskräfte aktivieren , um die Fähigkeit freizulegen persönliche Änderungen herbeizuführen und sich einer kompetenten Fachfrau (Fachmann) anvertrauen. Irina B. muss nachdenken, denn ob sie bereit ist, Zeit und Geld für diesen etwas anderen Weg zu investieren, kann sie nicht spontan entscheiden.

Barbara Dickmann