Braucht ihre Leber dringend Erholung? Sind ihre Hüften so ausladend wie noch nie und meinen Sie, dass nach der Fasnachtszeit vielleicht jetzt eine Fastenzeit das richtige wäre? Oder möchten Sie eine tief greifende, reinigende und heilende Wohltat für Körper, Geist und Seele empfinden, sich körperlich wie seelisch entgiften, ihre Selbstheilungskräfte aktivieren und das Immunsystem stärken? Und vielleicht nur ein klitzekleines bisschen attraktiver, schlanker, hübscher, sexiger werden? Kein Problem, das ist völlig legitim und das absolute Hauptmotiv von Legionen von Fastenden, die jedes Jahr im Frühjahr für eine Weile den Blick von allem Essbaren abwenden - denn fasten ist ,in`.
Doch es gibt auch das kirchliche Fasten. Zum Beispiel der Verzicht auf Fleisch, Eier, Milchprodukten, tierischen Fetten und Alkohol oder besonderen Zielsetzungen wie Keuschheit und Nächstenliebe, zum Beispiel um ,,die Einübung der Beherrschung sinnlichen Begehrens, die Bereitung des Geistes auf Höheres, die Sühne für die Sünde als Teilnahme an der von Christus geleisteten Sühne zu erfahren..." (Quelle, Fasten, Karl Hörmann, Lexikon der christlichen Moral). Und dann kann man noch ,,materiell, seelisch und geistig Fasten als Befreiungsmittel bei Fremdeinflüssen", was aus der Esoterik-Ecke kommt und ungefähr und ganz grob gesagt, folgendes bedeutet: Geister von Verstorbenen besetzen unseren Körper um ihre eigenen Laster auszuleben. Tante Klärchens Geist zum Beispiel braucht jeden Abend eine Flasche Wein. Beschließt der besetzte Körper zu fasten und ganz auf Alkohol zu verzichten, ist auch Tante Klärchens Geist auf Entzug und kriegt den (geistigen) Hals nicht voll. Fazit: Tante Klärchen sucht sich einen anderen Körper, der an der Flasche hängt. Seelisches Fasten besteht darin, sich
von falschen und bösen Einstellungen und Handlungen zu enthalten und geistiges Fasten bedeutet vor allem Verzicht, Abkehr oder Lossagung von jeglicher Form von falschem Glauben..... (Quelle Jakob Lober, ,Fremdeinflüsse erkennen und überwinden`). Doch aus welchen Gründen auch immer, auf Alkohol, Kaffee oder Fleisch eine Weile zu verzichten kann nicht schaden, doch richtiges Fasten ist viel, viel mehr. Denn Fasten nach der Buchinger/Lützner- Methode beginnt mit mehreren Vorbereitungstagen, an denen es nur leichte Kost gibt und Kaffee, Alkohol und Zigaretten schon gestrichen sind. Am ersten Fastentag gibt es nicht nur nichts zu essen, sondern auch eine gründliche Darmreinigung, die durch Glaubersalzlösung (schmeckt absolut scheußlich) und mehreren Einläufen durchgeführt wird. Ohne Gästetoilette zur Alleinbenutzung übersteht kein Fastender diesen Tag. Die Einläufe sind auch fester Bestandteil des ganzen Fastenprogramms und auch nicht jedermanns Sache. Der Speiseplan für die Fastenwoche ist denkbar einfach. Verschiedene Tees, viel Wasser, einmal am Tag einen Obst- oder Gemüsesaft und einmal eine Gemüsebrühe - natürlich ohne Gemüse und Salz. Erlaubt ist ein Teelöffel Honig, falls die Beine wackelig werden. Das Hungergefühl ist am zweiten, dritten Tag verschwunden, doch der Duft eines frischen Brotes ist mit leerem Magen und leerem Darm nicht weniger verlockend und sollte vermieden werden. In den ersten drei Tagen stellt sich der Körper auf ,,innere" Ernährung um und die Verdauungsreste werden ausgespült. Unangenehme Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen, niederer Blutdruck, Hautreaktionen, Schlafstörungen und negative Stimmungen können (müssen aber nicht) auftreten. Doch danach lebt der Körper vor allem vom Fettpolster, aber auch angesammelte Giftstoffe, die sich im
menschlichen Organismus abgelagert haben, werden ausgeschieden.
Und so unwahrscheinlich es auch klingen mag, ab dem vierten Tag ist die Welt wieder in Ordnung. Der Kopf ist klar, man fühlt sich fit und pudelwohl. Der Weg, wieder zu sich zu finden, sich neu zu orientieren und sein Leben zu ordnen wird frei. Erstaunlich klare Gedanken kommen und auf einmal kann sogar die Lösung eines Problems da sein, das wir schon lange mit uns herumtragen. Nach sieben Tagen Fasten ist das Gefühl unbeschreiblich. Man fühlt sich wie neugeboren und der Blick in den Spiegel ist viel erfreulicher. Man hat etwas geschafft aus eigener Kraft hat selber STOP gesagt und freiwillig verzichtet. Doch der heikelste Punkt ist eigentlich, wieder ins Essen einzusteigen. Der erste Biss in den Apfel ist unvergleichlich und der Magen ist voll. Schafft man es jetzt den speziellen Speiseplan der Aufbautage durch zu halten, ist der Einstieg in neue, gesündere Essgewohnheiten leicht. Doch dagegen sind sieben Tage Fasten ein Kinderspiel, denn die Lust zu essen und den Geschmack wieder auf der Zunge zu spüren, ist ungeheuer groß.
Heilfasten nach Buchinger dauert mindestens 14 bis 21 Tage und dient konkret der Heilung bestimmter Krankheiten(zum Beispiel Rheuma-Erkrankungen, Fettstoffwechselstörungen oder Migräne). Es wird in der Regel in speziellen Fastenkliniken durchgeführt und unter ärztlicher Aufsicht. Heilfasten wurde schon von Hippokrates in den griechischen Philosophieschulen, im alten Rom und in Arabien als ,,Medizin" angewandt. Ein Fasten der besonderen Art und nicht so extrem, bietet Susanne Guyer-Duden in Königsfeld an. Näheres im nebenstehenden Bericht.
Barbara Dickmann
