Sie konnten nicht zum SÜDKURIER-Forum kommen? Sie waren nicht eine von dreihundert Frauen, die am vergangenen Mittwoch im Münsterzentrum saßen, um Dr. Dorothee Schmalz-Buchholz, Kinder- und Jugend-Psychiaterin und Fachärztin für psychotherapeutische Medizin und Dr. Sanyukta Runkel, eine der wenigen Professorinnen für Frauenheilkunde, zwei absolut hochkarätige Referentinnen zu erleben? Schade, doch kein Problem, denn natürlich waren ihre ,typisch frau`-Autorinnen da und wir werden versuchen ihnen die wichtigsten Infos dieses ausschließlichen Frauen-Forums zum Thema ,Frausein` näher zubringen: Also, machen Sie es sich bequem, setzten Sie sich auf ihren Lieblingsplatz und holen Sie sich vielleicht noch einen Kaffee oder Tee und denken Sie einfach ein paar Minuten nach. Fühlen Sie sich wohl? Welche Schwächen und welche Stärken haben Sie? Sind Sie die Frau, die Sie gerne wären? ...
Was dem überwiegenden Teil der dreihundert Frauen, deren durchschnittliches Alter zwischen Ende 30 und Ende 40 liegt, an diesem Abend durch den Kopf geht, kann man förmlich fühlen. Ihre Schwächen kennen sie zur Genüge - ihre Stärken schieben sie in den Hintergrund und von der Frau, die sie gerne wären, trennen sie Lichtjahre. Wie ist das bei ihnen? Und jetzt auch noch die Wechseljahre, was fällt Ihnen dazu ein? Wahrscheinlich schlaffe Haut und Stimmungsschwankungen, Hitzewallungen, schwindende Jugend, Depressionen und die endgültig letzte Blutung, der Beweis dafür, dass es in die andere Richtung geht. Keine Frage, in den Wechseljahren schwappt eine Hormonwelle durch unser Leben und doch ist es nicht die erste, die wir durchstehen müssen. Wie war das damals, in diesen Jahren, die so unendlich weit in der Vergangenheit liegen, als die Pubertät begann und ihr Leben total auf den Kopf stellte? Welche Träume, welche Wünsche, welche Hoffnungen hatten Sie und was ist daraus geworden? Welche Samen haben Sie in sich hineingelegt, welche sind aufgegangen und welche nicht? Und wie erleben Sie heute die Freundinnen von damals? Sind die Tollen heute noch so toll und die Unscheinbaren immer noch die grauen Mäuse? Auch damals gab es einen Fixpunkt - die erste Blutung, die Sie zur Frau erhob, die in der Lage war Kinder zu gebären. Und so verrückt es im ersten Augenblick auch klingen mag, genau diesen Lebenszeitraum haben Sie noch vor sich, denn die Wechseljahre erwischen Sie in der Regel nach dem 45. Lebensjahr. Doch diese Hormonwelle trifft keine unreife Person, sondern eine reife Frau, die
viel erlebt hat und viel verkraften musste....
Ist ihr Kaffee oder ihr Tee kalt geworden und brauchen Sie eine kleine Denkpause? Dann wird es sie interessieren, was Frauen bis 45 erlebt haben und warum sie Hilfe bei der Psychiaterin Dorothee Schmalz-Buchholz suchen: Frauen in der Mitte des Lebens haben massive Partnerprobleme oder sind allein stehend, haben psychische Verletzungen erlebt und häufig Krebs. Manchmal sind Schmerzen, die offensichtlich keine körperliche Ursache haben, der Grund um Hilfe zu suchen und ganz oft tragen Frauen jede Menge Schuldgefühle wie eine schwere Last mit sich herum. Der Tod eines Nahestehenden lässt sie nachdenklich werden und die Rückschau auf das bisherige Leben fördert so manches ans Tageslicht. Welche Erwartungen haben die Eltern gehabt, waren sie das liebe Mädchen oder der Sohn-Ersatz? Wie waren ihre sexuellen Erfahrungen, haben sie sexuellen Missbrauch erlebt, Schwangerschaften, Fehlgeburten, Abtreibungen? Was dabei herauskommt ist oft ein Leben nach den Erwartungen anderer, nach dem Willen der Eltern, des Partners, oder der Kinder. Was Frauen heute leisten sollen, sind wieder die drei großen K`s - auch wenn die Bedeutung sich verändert hat. Waren es früher Kinder, Kirche, Küche, so ist es heute Karriere, Kinder, Küche - egal in welcher Reihenfolge. Dass die moderne Frau von Heute auch noch perfekt gestylt und gertenschlank ist, versteht sich von selbst. Doch die Zwischenbilanz in der Mitte des Lebens ist oft der Auslöser zu den Fragen des Lebens: Wer bin ich und was sind meine Bedürfnisse? Will ich eigentlich so leben, wie ich lebe? Denn oft sind es nicht die Dinge, die sie getan haben, sondern dass, was ihnen entgangen ist, wo Kraft und Mut fehlten, die eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen. Doch irgendwann reicht`s und Veränderungen stehen an.
So ergeht es vielen Frauen, doch jetzt sind Sie wieder dran. Vielleicht noch etwas zu trinken? Und machen Sie es sich wieder bequem, denn jetzt kommen unangenehme Fragen. Haben Sie eine Lebensplanung? Wissen Sie, wo Sie hinwollen oder schauen Sie nur, wo Sie hinkommen? Und kennen Sie den Spruch: Eine Frau braucht gute Eltern bis sie 18 ist, ein gutes Aussehen bis 35 - bis 55 Persönlichkeit und ab 55 nur noch Kohle. Wissen Sie genug Bescheid, wie viel Geld in der Familie ist, haben Sie eigentlich eine Finanzplanung oder ist Geld nur ein großes Thema, das verschwommen im Dunkeln liegt? Und was ist ihr Traum? Den Garten neu zu gestalten oder 20 Kilo abzunehmen? Für ein Jahr nach Hawaii oder endlich ein eigenes Zimmer? Ein
Studium anzufangen oder einen Marathon mitzumachen? Haben Sie sich ihren Traum schon erfüllt? Wenn nicht, dann tun Sie es, arbeiten Sie daran. Fangen Sie an und zwar sofort, heute noch, denn anders als in der Pubertät haben Sie kein ganzes Leben mehr vor sich, sondern nur noch ein halbes und wenn Sie daran denken, wie schnell die erste Hälfte vorbeigegangen ist....
Keine Frage, Sie sind erwachsen, aber nicht alt. Und doch ist es an der Zeit, den Grundstein für ein gutes Alter zu legen und Vorsorge für sich selbst zu treffen. Machen Sie sich Gedanken über Patientenverfügung oder Organspende-ausweis, denn Sie sind verantwortlich für ihr Leben. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst - also fangen Sie damit an und werden Sie Programmpunkt Nr. 1 und nicht der, der immer ganz hinten kommt wenn alles andere abgehakt ist - die Geschichte mit der Nächstenliebe klappt bei Frauen fast immer von ganz alleine. Keine Sorge, Sie sollen nicht der Egoist schlechthin werden, denn auch große Kinder brauchen Fürsorge. Und hoffen Sie nicht auf Unterstützung. Ganz im Gegenteil, ihnen wird eine starke Brise um den Kopf wehen. Doch wenn die Familie spürt, dass Sie es ernst meinen, wird der Widerstand schmelzen und vielleicht sind sie sogar ein bisschen stolz auf die neue Partnerin oder Mutter.....
Ganz schön viel auf einmal, nachdenkliche Frauengesichter soweit das Auge reicht und im Saal ist es mäuschenstill. Für heute reicht`s denken Sie bestimmt - deshalb nur noch leichte Kost von der Psychiaterin. Ein bisschen Sport, auf die Ernährung achten, es muss nicht immer Größe 38 sein aber auch nicht 56, tauschen Sie die ausgefranste Jeans gegen eine neue, genießen Sie guten Sex - am besten mit dem eigenen Partner, sagen Sie offen, was Sie denken, doch denken Sie nicht, dass Sie allwissend sind, nur weil Sie älter werden. Nehmen Sie häufige Schlaflosigkeit ernst und suchen Sie frühzeitig Rat und Hilfe und nicht erst wenn Sie ganz am Boden liegen.
Die Botschaft dieses Abends ist klar - mit den Wechseljahren verändert sich das Leben, die Kinder werden erwachsen und die eigenen Eltern alt. Krankheit und Tod treten in unser Leben und doch liegt es zumindest zum Teil in unserer Hand, ob es besser oder schlechter wird, denn es gibt eine zweite Chance, aber bestimmt keine dritte. Was Dr. Sanyukta Runkel, eine der wenigen Professorinnen für Frauenheilkunde, zum Thema Hormonersatztherapie am vergangenen Dienstag zu sagen hatte, lesen Sie in der kommenden ,typisch frau`.
Barbara Dickmann
