Phyto-Östrogene - natürliche Hormone, die man essen kann

- wie man Gesundheit in den täglichen Speiseplan integrieren kann -

Zugegeben, Wechseljahre sind keine Krankheit, doch wer hat schon Lust auf Hitzewallungen, auf Depressionen, auf Veränderungen der Haut oder gar auf Osteoporose, Herzinfarkt oder Schlaganfall? Und zusätzlich klang alles sehr logisch, denn die Wechseljahre sind lediglich eine Hormonmangelerkrankung, erklärten viele Gynäkologen und dadurch sei die Lösung der Probleme ganz einfach. Östrogene für alle, am besten bis ins Grab und schon werden die Wechseljahre beschwerdefrei - wir bleiben jünger, gesünder und schöner. Doch dann kam im Sommer 2002 der Schock. In Amerika wurde die so genannte Womens-Health-Initiative nach sieben Jahren vorzeitig abgebrochen, denn die Einnahme von Hormonersatzpräparaten machte die Frauen nicht gesünder, sondern kränker. Schlaganfälle und Herzinfarkte waren deutlich angestiegen und die Brustkrebsrate erhöhte sich sogar um 26 %. Hormonsubstitionen sind also Schnee von gestern, doch Schnee von heute sind Phytoöstrogene. Diese sanften Pflanzenhormone werden immer mehr von Forschern und Wissenschaftlern entdeckt und scheinen ein ungeheueres Potential zu sein, um uns gesünder und sogar attraktiver werden zu lassen (siehe typisch frau vom 12.1.). Und, wie immer, hat die Natur reichlich vorgesorgt, denn über 100 Pflanzen produzieren zu ihrem Schutz Phytoöstrogene. Doch leider sind die meisten von ihnen für uns einfach ungenießbar und außerdem gibt es noch verschiedene Untergruppen von Phytoöstrogenen, die Isoflavone und Lignane. Während Lignane in wesentlich mehr pflanzlichen Nahrungsmitteln enthalten sind, finden sich Isoflavone in nennenswerten Mengen nur in Hülsenfrüchten und es gibt nur eine einzige, die absoluter Hauptlieferant ist - die Sojabohne. Und auch das ist bereits wissenschaftlich bewiesen, dass Soja die einzige Pflanze ist, mit der eine wirklich gute Isoflavonversorgung erreicht werden kann, wenn man Menge mit Wirkung vergleicht und Sie nicht ein einsames Leben führen möchten, denn mit Unmengen von Hülsenfrüchten im Bauch,

kann man wohl kaum unter das Volk gehen. Soja ist eine von fünf heiligen Pflanzen Chinas, die der Kaiser alljährlich selbst aussäte. Sie stammt aus Ostasien, wo sie schon seit mehreren tausend Jahren angebaut wird. Was für die Mitteleuropäer Fleisch Milchprodukte sind, ist in Ostasien die Sojabohne - ein traditionelles Grundnahrungsmittel. Als typische subtropische Pflanze gedeiht sie nicht in unserem Klima, Hauptanbaugebiete sind inzwischen die USA, Brasilien, Argentinien und China. Es gibt verschiedene Sojapflanzen, deren Samen - die Sojabohnen - weiß, gelb, braun oder schwarz gefärbt sein können. Dieunterschiedlichsten Verarbeitungsmethoden ungewöhnliche Produktvielfalt. Die Sojaprodukte unterscheiden sich dabei in Aussehen, Geschmack, Konsistenz, Fettgehalt und Proteingehalt. Sind sie aus der ganzen Sojabohne hergestellt, haben sie einen hohen Proteingehalt und wertvolle Fette und Vitamine. Vollsojamehl und Vollsojagrieß eignen sich zum Abbinden von Suppen und Saucen und als Eiersatz beim Backen - 1 Esslöffel Sojamehl entspricht 1 Ei. Sojaflocken und Sojakleie kann man einfach als wertvolle Nahrungsergänzung nahezu überall einstreuen. Die unverarbeiteten, ganzen Sojabohnen müssen eingeweicht und gekocht werden. Sie lassen sich dann zu Eintöpfen, Bratlingen, Salaten oder Gemüsebeilagen verarbeiten. Echte Sojasprossen oder Sojakeimlinge sind nur selten erhältlich, dazu schwer bekömmlich und aufgrund ihres intensiven Geschmacks in der Küche kaum zu gebrauchen. Die Tradition des Sojakonsums in den asiatischen Ländern ist lange nicht mit unserem Essverhalten zu vergleichen. Gerichte wie Eintöpfe, Bratlinge und Aufläufe sind den Asiaten eher fremd. Was sie tagtäglich essen, ist Tofu in jeder nur erdenklichen Variante. Dafür werden die getrockneten Sojabohnen in Wasser eingeweicht, gemahlen und püriert, dann ausgepresst und durch Erhitzen und einem Gerinnungsprozess zum Ausflocken gebracht. Presst man nun die überschüssige Flüssigkeit heraus, bleibt

eine weiße, weiche und schnittfeste Masse zurück - der Tofu. Tofu ist nahezu geschmacksneutral und daher vielseitig einsetzbar und bei seiner Zubereitung offenbart sich die wahre Kunst des Kochens. Denn ohne Würzen geht hier gar nichts. Tofu pur ist einfach fad, doch dadurch kann man ihn süß oder salzig, scharf oder mild, gekocht, geräuchert, gebraten oder mariniert verwenden, je nach Lust und Laune der Köchin. Und, keine Angst, Sie müssen nicht ihre Tage in der Küche verbringen, Tofu kann man pur, geräuchert und mit Kräutern in Bio-Läden und Reformhäusern fix und fertig kaufen. Bei der Gelegenheit sollten Sie versuchsweise zu Soja-Würstchen greifen, die Sie ganz genauso wie richtige Würstchen kochen oder braten können. Sie werden aus Sojamehl oder Tofu hergestellt, sind besonders reich an Phytoöstrogenen, sehen aus wie ,,richtige" Würstchen und schmecken ziemlich ähnlich. Bringen Sie sie in Zukunft ein- bis zweimal in der Woche mit Erbsen, Linsen oder Bohnen auf den Tisch, sozusagen als Extraportion Phytoöstrogene. Ein wichtiger Tipp, lassen Sie sich im Reformhaus oder Bioladen beraten, Sie merken ganz schnell wer aus eigener Erfahrung spricht und wer nur die Theorie kennt.
Und möchte Sie jetzt wirklich Phytoöstrogene essen, dann sollte die tägliche Aufnahme nicht über dem asiatischen Tagesdurchschnitt von 50 - 60 mg liegen. Mit normaler Nahrung ist es kaum möglich wesentlich mehr aufzunehmen und nur in einem einzigen Fall sollte frau auf eine vermehrte Zufuhr von Phytoöstrogenen verzichten: Bei Schwangerschaften, denn in dieser Zeit schüttet der mütterliche Organismus ja bereits vermehrt eigene weibliche Hormone auf, die eine ganz seltene Komplikation bei männlichen Neugeborenen hervorrufen kann. Ansonsten: Guten Appetit und viel Spaß beim Kosten mit den nebenstehenden Rezepten.

Barbara Dickmann