Manchmal schlägt uns das Herz bis zum Hals, manchmal schlägt es ruhig und gleichmäßig und manchmal stolpert es. Im Herzen sitzt die Liebe und doch ist es ein Hochleistungs-Motor, der alles andere als träge ist. 60 bis 80mal schlägt es in der Minute und pumpt zwischen 5.000 bis 12.000 Liter Blut pro Tag und transportiert Sauerstoff und Nährstoffe in alle Körperzellen. Unser Herz ist eine wunderbare Sache, es läuft von alleine, wie geschmiert und ohne dass wir etwas dazutun müssen.
Doch plötzlich schlägt das Herz falsch. Der Lebensmotor arbeitet dann zu schnell oder zu langsam, er stolpert oder setzt sogar kurz aus. Oft lässt Stress das Herz stolpern. Dann macht es einen zusätzlichen Schlag außerhalb seines normalen Rhythmus, doch dafür setzt es bis zum nächsten regulären Schlag etwas länger aus, um das auszugleichen. Das ist fast immer harmlos und auch Herzjagen ab und zu ist nicht weiter tragisch. Denn was wäre das Leben ohne Herzklopfen, wenn man verliebt ist, ohne Aufregung, die uns das Herz bis in den Bauch spüren lässt oder beim Sport, wenn man sich so richtig fordert und austobt? Immer in solchen oder ähnlichen Situationen gibt das vegetative Nervensystem einfach den Befehl schneller zu schlagen. Doch tritt Herzjagen über einen längeren Zeitraum auf, handelt es sich um eine ernsthafte Störung, die Tachykardie genannt wird. Hierbei rast das Herz bis zu 200 Mal pro Minute, begleitet von Schwindel, Atemnot oder Herzschmerzen. Auslöser sind häufig Herzmuskelentzündungen, chronische Herzschwäche oder auch Schilddrüsenstörungen. Dagegen helfen Medikamente, oder auch ein winziges Gerät (Defibrillator) mit Batterie, das in eine Hauttasche unter dem Schlüsselbein eingesetzt wird, über ein Kabel mit dem Herzmuskel verbunden ist und das Herz durch einen winzigen Stromstoß einfach abbremst, wenn es gefährlich wird.
Bradykardie nennen Ärzte ein Leiden, bei dem das Herz auf Dauer viel zu langsam schlägt und immer wieder kurzfristig aussetzt. Auslöser dieser Blockierung sind organische Veränderungen am Herzen, etwa Verengungen der Herzkranzgefäße
durch eine Arterienverkalkung. Hilfe bringt ein Herzschrittmacher. Rund 200.000 Deutsche leben mit diesem Gerät, das einfach nur den Takt angibt und unter das Schlüsselbein implantiert wird. Schlägt das Herz zu langsam, geben zwei Sonden einen Impuls an den Herzmuskel ab, so dass das Herz wieder normal arbeitet. Treten zu schneller und zu langsamer Herzschlag kombiniert auf, pflanzt man ein Gerät ein, das Defibrillator und Schrittmacher vereint. Ob zu schnell oder zu langsam ist dann egal, entweder tritt der eine oder der andere Taktgeber in Kraft. Über 25.000 Herzschrittmacher wurden im Jahr 1999 in der Bundesrepublik implantiert. Herzschrittmacher gehören seit über 40 Jahren zum Standard, wenn es um Behandlungen von langsamen Herzrhythmusstörungen, beschleunigtem Herzrhythmus, Kammerflimmern, Vorhof-flimmern und Herzleistungsschwäche geht. Ein Herzschrittmacher hat eine ziemlich komplizierte Technik. Es besteht aus dem Aggregat, mit dem Impulsgenerator, der Elektronik, der Batterie und ein oder zwei Elektroden. Sie bieten heute eine Vielzahl verschiedener möglicher Kombinationen der Programmierung, alle mit dem Ziel, das elektrische Reizleitungssystem des Herzens in den richtigen Rhythmus zu bringen. Sie sind heute so ausgereift, dass ihre Funktion den Patientenbedürfnissen genauestens angepasst werden kann. Schon nach kurzer Zeit vergessen viele, dass ihr Herz durch einen Mini-Computer in Takt gehalten wird. Das Einsetzen ist heute ein kleiner chirurgischer Eingriff, der meist nur unter örtlicher Betäubung durchgeführt wird und zwischen dreißig und sechzig Minuten dauert. Die Operation ist nicht schmerzhaft, doch ein unangenehmes Gefühl kann noch ein bis zwei Wochen bleiben. Die meisten Patienten können bereits am selben Tag wieder aufstehen. Eine Narbe bleibt sichtbar und bei ganz schlanken Menschen kann das Schrittmacher-Aggregat sogar erkennbar sein. Ganz selten kommt es zu Komplikationen, doch den Herzschrittmacher-Ausweis, den jeder Patient vor der Entlassung aus dem Krankenhaus bekommt, sollte man immer bei sich tragen. Ein Herzschrittmacher hält
nicht ewig, irgendwann nach fünf bis zwölf Jahren ist die Batterie leer. Das gesamte Gehäuse wird während einer kleinen Operation ausgetauscht. Dafür macht der Arzt einen Schnitt über der alten Narbe, entfernt den Schrittmacher, überprüft die Elektroden und setzt das neue Teil in die bereits vorhandene Hauttasche ein. Herzschrittmacher arbeiten nur bei Bedarf, deshalb ist die Haltbarkeit der Batterien auch so unterschiedlich. Die Gefahr, dass die Batterie leer ist und keiner merkt es, ist fast auszuschließen, solange die halbjährlichen Kontrollen durchgeführt werden, denn moderne Geräte registrieren schon lange vor dem erforderlichen Austausch ein Abnehmen der Batterieladung.
Das Leben mit einem Herzschrittmacher kann nach abgeschlossener Wundheilung genauso spannend sein, wie vorher, als das Herz noch von allein arbeitete. Die meisten können ihren Beruf wieder ausüben, der Alltag zu Hause, in der Freizeit und auf Reisen, kann wieder seinen normalen Gang gehen. Duschen, baden, schwimmen kann man wie bisher, ein normales Sexualleben führen und den alt vertrauten Hobbys nachgehen. Auto, Bahn, Schiff und Flugzeug sind kein Problem, Fernreisen sollten jedoch vorher mit dem Arzt besprochen werden. An Flughäfen muss man in jedem Fall seinen Herzschrittmacherausweis vorzeigen, um nicht durch die Kontrollschleusen zu müssen und auch nicht mit den üblichen Handmetalldetektoren untersucht zu werden.
Natürlich gibt es einige Gefahrenquellen, wie zum Beispiel die elektrische Zündung des Auto-Motors, auch Mobiltelefone und Funksprechgeräte sollte man einige Zentimeter entfernt von dem Herzschrittmacher halten und Lautsprecher oder Magnete sollten einen Mindestabstand von etwa einer halben bis einer Armlänge haben. Doch Kopierer oder FAX, Waschmaschine, Fernseher, Videorekorder oder Computer sind unbedenklich(Quelle: Medtronic, Herzberatung).
Barbara Dickmann
