Macht ihr Kind Sie schon morgens um zehn völlig fertig. Und träumen Sie oft davon, dass Sie eines Tages aufwachen und niemandem mehr erklären müssen warum ihr Kind so ist, wie es ist? Sind Sie oft unglücklich, haben Sie depressive Gefühle und geben Sie sich selbst die Schuld an ihren Schwierigkeiten? Und fühlen Sie sich sozial isoliert und inkompetent in der Kinderziehung? Dann ist die Zeit reif für zwei Dinge: 1. zu überlegen ob das impulsive, leicht ablenkbare und hyperaktive Verhalten ihres Kindes nicht Gott gegeben, sondern eine Krankheit ist, die Aufmerk- samkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) heißt und 2. gleich darüber nachzudenken, wo Sie sich Hilfe holen, um mit den hohen Belastungen in ihrem Leben fertig zu werden.
ADHS ist eine neurologische Störung, wahrscheinlich genetischen Ursprungs, die drei herausragende Merkmale hat: Hyperaktivität, Impulsivität und Unauf-merksamkeit. ADHS-Kinder zappeln herum, Laufen und Klettern übermäßig viel, können in der Klasse nicht stillsitzen, platzen ungefragt während des Unterrichts mit Antworten heraus, unterbrechen andere Schüler und können einfach nicht abwarten, bis sie an der Reihe sind. Sie sind vergesslich, desorganisiert, verlieren einfach alles und machen jede Menge Flüchtigkeitsfehler.
Die Ursachen dieses Aufmerksamkeits-defizitsyndroms sind heute weitgehend erforscht. Neben genetischen Voraus-
setzungen leiden Betroffene meist an einer Störung der Neurotransmitter-systeme, schlechter Blutversorgung des Großhirns und einer Unregelmäßigkeit im Blutzucker-stoffwechsel. Die Behandlung ist schwierig, doch nicht unmöglich. Schimpfen und die Aufforderung, sich einfach mal zusammenzureißen, helfen garantiert nicht. Kinder, die unter ADHS leiden, können in der Schule große Schwierigkeiten haben, unter einem schwachen Selbstwertgefühl leiden, sich im Umgang mit Gleichaltrigen schwer tun und zu Hause Probleme mit der Anpassung an Regeln haben, was oft Konflikte mit den Eltern nach sich zieht. Einige ADHS-Kinder leider außerdem unter Lern- und Verhaltensstörungen und dem Tourette-Syndrom, einer Störung, für die unkontrollierbare motorische und verbale ,,Tics" charakteristisch sind. Ihre Stimmungen schwanken stark und Depressionen oder Ängste können auftreten. Bei machen Kindern scheint ADHS mit der Pubertät zu verschwinden, doch besteht bei der Hälfte der Diagnostizierten die Gefahr, dass ADHS ein Leben lang bleibt. Â
Kinder die nicht auf ihre Eltern hören und ihre Lehrer ignorieren, gibt es wahrscheinlich seit Beginn der Menschheitsgeschichte. Und schon der Arzt Heinrich Hoffmann klagte in einem Kinderbuch, das er für seinen Sohn schrieb: ,, Ob der Philipp heute still, wohl bei Tische sitzen will? Doch Philipp wollte nicht und das Ende der Geschichte ist mehr
als bekannt. So tragisch muss es heute nicht sein und doch ist es manchmal fast unerträglich, mit so einem "komischen" Kind, das oft aggressiv ist, sich nicht konzentrieren kann und ohne Aufsicht innerhalb von 15 Minuten das Kinderzimmer in ein Trümmerfeld verwan- delt. Auch als Erwachsene erkennt man sie noch. Eine gestörte Selbstorganisation, impulsiver Handlungsstil, Selbstwert-probleme sind einige Symptome und manchmal helfen tatsächlich nur noch Medikamente um den Alltag zu meistern. Doch die Kinder wie ihre Eltern müssen lernen, damit zu leben. Kompetente Hilfe gibt es im Schwarzwald-Baar-Kreis gleich vor der Haustür. Denn die Ärztin Oschi Rist, die betroffenen Mütter Virgina Bucher, Anke Steinkamp und Heidi Schulz-Herchenbach haben mit Rektorin Katharina Hirt, der Lehrerin Brigitte Walter- Vetter und Bea Dambitz von der pädagogischen Schülerforderung einen ADS-Arbeitskreis und eine Selbst-hilfegruppe für betroffene Eltern gegründet, die sich austauschen und aussprechen möchten. Oschi Rist gibt gerne weitere Auskünfte während ihrer Sprechzeiten unter Tel. 07720/21122, Email: oprist@tesionmail.de . Der Arbeitskreis wird für typisch frau am 24. März, 2o Uhr im Gasthaus Jägerhaus in Villingen einen Vortrag zum Thema ADHS halten. Barbara Dickmann
Barbara Dickmann
