Hoffnung groß geschrieben

Vortrag über Krebs

Andreas Jakob hält einen Vortrag über Krebs
Bild: Privat

Im Wartezimmer seiner Praxis, ganz hinten in der Ecke, steht der Büchertisch. Er ist gut bestückt, ja selbst die Fensterbank ist voll mit Lesestoff. Unwillkürlich greift man zu und blättert, denn es sind Bücher der besonderen Art. Einfühlsame und ermutigende Texte, mit dem Blick in Richtung Hoffnung. Sie können helfen, Ängste zu überwinden, Verzagtheit zu brechen und das Gefühl der Verlorenheit zu überwinden. Oft sind sie klar und prägnant und unterlegt mit stimmungsvollen Naturfotos.
Doch ein etwas größeres, in Leder gebundenes Buch, fällt aus dem Rahmen. Schlägt man es auf, schaut man dem Schicksal ins Gesicht, denn hier schreiben Patienten für Patienten. Menschen für Menschen. Mal mit Füller, mal mit Kugelschreiber oder Bleistift - einfach

mit dem, was sie gerade zur Hand haben. Es sind Sprüche, Zitate oder Gedanken, die oft erkennen lassen, wie diese Frau, dieser Mann gerade empfinden. Gleich auf der ersten Seite steht: "Wer den ganzen Tag fleißig ist wie eine Biene, Kräfte hat wie ein Stier, arbeitet wie ein Pferd, abends müde ist wie ein Hund, der sollte zum Tierarzt gehen - es könnte sein, dass er ein Kamel ist". Hier war wohl einer ziemlich sauer, sauer auf sich selbst, auf sein bisheriges Leben, das nur aus Arbeit bestand und jetzt auf einmal aus der Bahn geworfen wird...
Die Menschen, die im Wartezimmer der Gemeinschaftspraxis für Hämatologie und Onkologie Offenburg sitzen, haben Krebs, oder begleiten ihren an Krebs erkrankten Angehörigen. Ein Raum, in dem ambulante Therapien verabreicht werden, etliche Behandlungszimmer, Informationsschriften und Hilfsangebote zeigen deutlich, dass das kein Spaziergang ist. Keine Frage, hier wird professionell gearbeitet, geholfen und versucht, das Optimale herauszuholen. Doch ein Wort wird hier ganz groß geschrieben. Es heißt HOFFNUNG, es lohnt zu kämpfen, denn Krebs hat heute viel von seinem Schrecken verloren. "In den letzten Jahren haben wir ernorme Fortschritte gemacht, fast jeden Monat wird ein neues Medikament entwickelt und

wir erzielen heute viel mehr Heilungen", sagt Dr. med. Andreas Jakob, Chefarzt im Ortenau Klinikum. Der Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie & Onkologie, Palliativmedizin, ist zusätzlich der Dritte im Bunde der Gemeinschaftspraxis Offenburg, die aus Dr. med. Marianne Müller und Dr. med. Bernhard Linz besteht.
Kein leichter Job, werden Sie jetzt sagen und Andreas Jakob kann das nur bestätigen. "Ich werde getragen von einer tiefen religiösen Verwurzelung, die mir eine tiefe, innere Ruhe gibt", sagt der Arzt, der auf dem Mountainbike den körperlichen Ausgleich findet, den er zusätzlich braucht. Und oft genug bleibt etwas von der Kraft seiner Patienten auch bei ihm - von deren Ausstrahlung, Stärke und Umgang mit dem Schicksal. "Das ist sehr wertvoll und gibt mir enorm viel zurück." Die Ängste zu nehmen, über die neuesten Behandlungsmethoden aufzuklären, Warnzeichen nicht zu ignorieren und ganz deutlich zu sagen, was jeder Einzelne zur Vorbeugung tun kann, sind die wichtigsten Inhalte seines Vortrags am 15. Oktober im Europa-Park. Die Zielgruppe ist klar: Es sind Sie, Sie und Sie - wir alle!

Barbara Dickmann