Die Lebenserwartung steigt weiter. Bereits heute sind knapp 15 Millionen Menschen über 65 Jahre alt. Doch Altersbilder verändern sich. Alt ist nicht alt und die Werbung hat sie längst als wichtige Zielgruppe entdeckt. Denn ihr durchschnittliches Einkommen ist höher als das jeder Familie.
Glaubt man der Werbung, fahren die Alten von heute Cabrio, telefonieren lässig mit dem Handy, segeln mit ihrer Yacht, spielen Tennis und fahren Inline Skater. Schön wär`s! Und ob sie es glauben oder nicht, diese Gruppe gibt es tatsächlich, doch sie ist sehr klein. Doch wie sind die Alten von heute wirklich und wie werden die Alten von morgen sein? Ist es die alte Frau auf der Parkbank, die die Enten füttert? Allein und einsam, gebeugt und mit geschwollenen Füßen, gelangweilt und hilflos, grau in grau und ein Bild des Schreckens? Allein schon der Gedanke lässt uns, die Alten von Morgen, erschaudern. Und natürlich kann das passieren. Doch die Chancen sind gut, dass es nicht so kommt, denn die Realität der Alten von heute sieht ganz anders aus und liegt irgendwo in der Mitte zwischen Cabrio und Parkbank.
Tatsache ist, dass die Alten von heute ungewöhnlich jung und ungewöhnlich aktiv sind und mitten im Leben stehen. Unter den älteren finden sich viele Lebensstile. 21 % sind sehr aktiv, 31 % familienorientiert, ca. 35 % lieben die Gemeinschaft und nur 13 % haben resigniert, wie die Frau auf der Parkbank (Quelle Heinze, Eichener)..
Und die Alten sind fit und nicht schwerkrank. Selbst im Alter von 85 Jahren liegt die Pflegefall-wahrscheinlichkeit noch unter 20 % und selbst über 60 % aller 90jährigen können sich gut allein versorgen. Die Einsamkeit wird nachlassen, denn die Zukunft gehört den älteren Paaren. Die Kriegsgeneration stirbt aus, der Frauenüberschuss wird sich mit den Jahren abbauen und die Männer sind auf dem Vormarsch (Quelle Statistisches Bundesamt). Doch die Alten von heute sind allergisch gegen bestimmte Worte. Sie wollen keine ,,Senioren" sein, keinen ,Seniorenteller` im Lokal bekommen, nicht in einem ,Heim`, oder im ,Betreuten Wohnen` oder in einer ,Wohnanlage` wohnen und erst recht keine ,Bewohner` sein. Und doch verändert sich die Wohnform mit den Jahren und die Wünsche der ,jungen .
Alten` ab sechzig gehen weg vom eigenen Haus, ja selbst die Wohnung mit zwei Kinderzimmern wird zu groß und zu arbeitsintensiv. Vorstellbare Wohnformen für das Alter gibt es einige: Man kann die jetzige Wohnung umbauen, mit den Kindern zusammenziehen, eine Haus- oder Wohngemeinschaft gründen, ins Altenwohnheim ziehen oder in eine Seniorenresidenz. Der Wunsch nach einer Haus- oder gar Wohngemeinschaft ist bei den über 60jährigen sehr gering und liegt bei 6 %, bei den Kindern möchten gut 24 % wohnen und in der Seniorenresidenz 12 %. Doch wenn es bezahlbar wäre, würden über 44 % dieser Wohnform den absoluten Vorrang geben (Quelle Eichener). Denn sie bietet das, was den Alten wichtiger ist als begehbare Dusche und Platz für den Rollstuhl:.
Sie wollen Menschen sein, die mitten im Leben stehen, wollen aktiv sein, viele soziale Kontakte haben, sind bereit Neues zu entdecken, Vertrautes zu pflegen, sind gesellig und aufgeschlossen und möchten das tun, wofür sie früher keine Zeit hatten.
Eine bezahlbare Alternative, ist das ,Betreute Wohnen`, wobei England und Amerika den Ausdruck ,Service-Wohnen` geprägt haben, was eigentlich auch viel zutreffender ist und den Alten viel besser gefällt. Doch hier gibt es große Qualitätsunterschiede. ,Service-Wohnen` sollte in jedem Fall abgeschlossene Wohnungen bieten, die barrierefrei gebaut sind. Es sollten Gruppen- und Hobbyräume, Cafeteria, Garten und Terrasse vorhanden sein. Ein Grundservice hält den Alten alles, was lästig und auf die Dauer anstrengend wird, vom Leib. Die Treppen werden geputzt, der Schnee geschippt, ein Handwerker erledigt kleinere Reparaturen, ein Notrufsystem gibt die nötige Sicherheit, ein Ansprechpartner ist zu bestimmten Zeiten im Haus, der berät und bei Bedarf individuelle Hilfen vermittelt und was ganz wichtig ist: Ein gut ausgewogenes Freizeit- und Kulturprogramm.
Zusätzlich wird ein Wahlservice wie Wohnungsreinigung, Mahlzeiten, Wäscheservice oder Fahrdienst angeboten, der natürlich zusätzlich bezahlt werden muss.
Service-Wohnungen sollten nicht auf der grünen Wiese sein, sondern mitten in der Stadt, dort wo sich das Leben abspielt. Und Alte sollte man nicht mit kleinen Kindern verwechseln, die man mit Singen und Spielen und Basteln unterhält.
Die Alternative zum Plätzchen backen könnte eine Whiskyprobe sein, ein anspruchsvolles Konzert in der Bibliothek (die eigentlich auch vorhanden sein sollte) mit entsprechender Kleidung ist eine andere Geschichte als das gemeinsame Singen in Pantoffeln und dicken Socken.
Bildung und Komfort, Wellness als "genussvoll gesundes Leben", aktives Engagement und Selbstorganisation, Computerkurs und Fitnessstudio und Anregung durch viele Kontakte - das sind die Wünsche der Alten von heute und der Alten von morgen. Und wenn dann noch das Gefühl da ist, dass sich einer kümmert, wenn man tatsächlich Hilfe braucht, ja dann ist die Welt in Ordnung. Mal ehrlich, wenn das nur im Ansatz so klappt, ist es dann wirklich so schlimm, alt zu werden und alt zu sein?
Einen Knackpunkt hat die ganze Geschichte und viele, die alte Eltern haben, können das bestätigen. Denn ist man erst mal auf dem Weg zur alten, einsamen Frau auf der Parkbank, kann man schlecht das Ruder herumwerfen. Die Alten wollen dann nicht mehr ausziehen, haben Angst vor Veränderungen, sind wie gefangen in ihrer Einsamkeit und haben nicht mehr die Kraft zu verändern, was dringend notwendig wäre. Deshalb sollte auch das Leben im Alter frühzeitig geplant werden und dafür reicht es nicht, für die Rente zu sorgen. Die richtige Wohnform mit allem drum und dran sollte nicht erst mit achtzig, sondern schon viel, viel früher eingestielt werden.
Was Service-Wohnen (Betreutes Wohnen) kostet: In jeder Stadt, ja selbst auf den Dörfern werden Service-Wohnungen oder ,Betreutes Wohnen` angeboten. Doch so unterschiedlich Größe, Ausstattung und Angebote sind, variierten auch die Preise. Im Trend liegen Zwei-Raum-Wohnungen mit mindestens 55 qm, der Kaufpreis beträgt ca. € 2.200 bis € 2.800 pro qm, je nach Angebot und Ausstattung. Die relativ hohen Baukosten ergeben sich aus dem barrierefreien Bauen und den Gemeinschaftsräumen, die auf die Wohnfläche umgelegt werden. Natürlich kann man auch diese Wohnungen mieten, doch oft gibt es schon Wartelisten. Im mittleren Niveau liegen die Mieten zwischen € 5 und € 10. Hinzu kommen Nebenkosten in Höhe von ca. € 2 pro qm und eine Betreuungspauschale, die auch wieder von € 30 bis € 100 gehen kann. ck.
Barbara Dickmann
