Ich muss ,,gebraucht" werden, um eine Lebensberechtigung zu erfahren

- Anonyme Co-Abhängige- Selbsthilfegruppe für gesunde Beziehungen -

In Triberg trifft sich eine kleine Gruppe von Menschen aus der Region, die ein besonderes Problem haben. Sie sind abhängig! Nicht vom Essen oder Alkohol, sie sind abhängig von anderen Menschen. Und zwar in so schädlicher und ungesunder Weise, dass sie nicht fähig sind, gesunde Beziehungen einzugehen und aufrechtzuerhalten. Sie neigen dazu, ihren Partner, die Eltern oder Kinder, Verwandte, Freunde, Bekannte oder Kollegen als einzige Quelle ihrer Identität, ihres Wertes und Wohlbefinden zu benützen. Oft haben sie Schwierigkeiten, genau festzustellen, was sie gerade fühlen und was sie wirklichen fühlen, spielen sie herunter, lenken es in Bahnen und wollen es eigentlich gar nicht wahrhaben. Sie sehen sich selbst als völlig uneigennützige Personen, die ganz darin aufgehen, dass andere sich wohl fühlen. Sie haben große Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen und urteilen über alles, was sie denken, sagen oder tun, ziemlich streng und es ist niemals gut genug. Ernten sie Lob oder Anerkennung, werden sie ganz verlegen. Sie fragen andere nicht um das, was sie brauchen oder gerne mögen und die

Anerkennung anderer zu ihrem Denken, Fühlen und Verhalten ist ihnen wichtiger als ihre eigene. Und für besonders liebenswert halten sie sich schon gar nicht..
Doch das ist nur ein Teil einer Co-Abhängigkeit. Anpassung um alles in der Welt, sind weitere Symptome. Um Ablehnung und Ärger zu vermeiden, geben sie ziemlich viel von ihren Werten und ihrer Integrität auf. Sie sind sehr feinfühlig, was die Gefühle anderer angeht und fühlen oft dasselbe. Sie verhalten sich außerordentlich loyal und bleiben oft zu lange in Verhältnissen, die ihnen schaden. Sie schätzen die Meinungen und Gefühle anderer für wichtiger ein als ihre eigenen und trauen sich oft nicht, eigene, davon abweichende Meinungen und Gefühle zu äußern. Sie schieben ihre eigenen Interessen und Hobbys beiseite, um das zu tun, was andere wollen. Sie lassen sich auf Sexualität ein, wenn sie Liebe haben möchten.
Kontrolle ist ein weiterer Punkt. Denn sie glauben, die meisten anderen Leute sind nicht in der Lage, für sich selbst ordentlich zu sorgen. Sie versuchen, andere davon zu überzeugen, was sie denken ,,sollten" und

wie sie sich ,,wirklich" fühlen. Sie werden ziemlich sauer, wenn andere sie nicht helfen lassen. Sie bieten bereitwillig Ratschläge und Hinweise an, auch wenn sie nicht gefragt werden. Sie überschütten die Personen, um die sie sich kümmern, mit Geschenken und benutzen ihre Sexualität, um Anerkennung zu bekommen und sich angenommen zu fühlen. In ihren Beziehungen zu anderen brauchen sie es, ,,gebraucht" zu werden. Erkennen Sie sich wieder und haben sie schon nach Wegen gesucht, aus diesem tief verwurzelten, zwanghaften Verhalten auszubrechen, ist eine CoDA Selbsthilfegruppe der Weg, der den größten Erfolg verspricht. Anonymität in der Gruppe ist die Grundlage, schafft Vertrauen und Gleichheit und schützt den Einzelnen vor unerwünschter Öffentlichkeit. Jeder ist willkommen, der den aufrichtigen Wunsch nach gesunden Beziehungen zu sich selbst und anderen hat. Die CoDA-Gruppe Triberg trifft sich jeden Montag, von 19.30 - 21.30 Uhr in der Asklepios Klinik im kleinen Gymnastiksaal. Der Besuch ist kostenlos.

Barbara Dickmann