Die Kraft der Emotionen

- Dagmar Herzog Methode killt Fettpolster und Rauchgelüste -

Genuss ohne Reue - auch bei einer Sahnetorte. Der Haken bei der Methode von Dagmar Herzog: Sie mögen fette Kuchenstücke nicht mehr. Bild: fotolia.de

Schon als Kind ist sie der kleine, süße Pummel. Als Teenager findet sie das gar nicht mehr lustig und Dagmar Herzog legt los. Trennkost und FDH, Kartoffel-, und Ananas-Diät, Pillen und Pülverchen... Dagmar nimmt ab und Dagmar nimmt genauso schnell wieder zu. Der ewige Kreislauf, den etliche Frauen (und auch mittlerweile viele Männer) zur Genüge kennen. Doch Dagmar gibt sich damit nicht zufrieden und ihr Leidensdruck wird immer größer. Sie entwickelt ihre eigene Methode und macht sich selbst zum Versuchskaninchen. Sie hat Erfolg. Die Pfunde schmelzen, 13 Kilo nimmt sie ab - ohne Diät und ohne Pillen, ohne Apfelessig oder knurrendem Magen.
Dagmar Herzog raucht. 20 Zigaretten am Tag sind das Mindeste. Die Entwicklung ihrer Methode hilft dabei, auch das Rauchen in den Griff zu bekommen. Und sie merkt eins: Ihre Methode kann viel, viel mehr leisten, als nur eine Gewichts-reduzierung. Dagmar schreibt ein Buch. Titel: "Die heilende Kraft der Emotionen". Die wissenschaftliche Begleitung leistet der Mediziner Professor Dr. med. Woelk. Er ist Direktor des Psychiatrischen Krankenhauses in Gießen und unter anderem Gutachter für die Deutsche Forschungsgemeinschaft und für die Fachbereiche Neurobiochemie, Neurologie und Psychiatrie zuständig. Seine Aussage: "Die Dagmar Herzog Methode ist deshalb so erfolgreich, weil sie sofort an die Emotion kommt und weil sie die Erkenntnisse der Emotionsforschung neu und besonders intensiv zur Anwendung gebracht hat."
Das ist jetzt über 29 Jahre her. 2003 erhält sie den Bayrische Gesundheitsförderungs- und Präventionspreis. Stand 2009: Dagmar Herzog ist so schlank wie 1980. Zu ihrem Mentalen Schlankheitstraining ist das Mentale Nichtrauchertraining hinzuge-kommen. "Glück macht gesund" ist das Credo der Herzog-Methode. Ihr Trainingsprogramm wird als Glücks-hormon-Dusche bezeichnet und soll Stresshormone abbauen, depressive

Verstimmungen auflösen, und psycho-somatische Störungen wie Tinnitus (Ohrgeräusche), Verdauungsstörungen und Kopfschmerzen verschwinden lassen. Also eine ganzheitliche Methode im besten Sinne? Durch ihr Konzept erlange man das natürliche Essverhalten zurück, sagt sie. Essen sei wieder eine lustvolle Angelegenheit, und ein positives neues Körpergefühl würde entwickelt werden. Das HerzogConzept ist keine Diät und nicht gegen das Essen - sondern dafür. Was Sie dafür tun müssen, klingt einfach. Nach einen Einstiegsseminar konsequent zwei- bis dreimal am Tag Cds mit harmonischen, positiven und negativen Szenen hören und sich abends vor dem Schlafen Sätze wie "Mein Stoffwechsel arbeitet gut" sagen. Nur so nebenbei: Die harmonischen Szenen sind wirklich schön, doch die Negativ-Szenen sind ekelhaft. Doch alles anderes geschieht wohl von ganz allein. Wasser schmeckt auf einmal besser als Bier, Sie lieben Obst und Gemüse, verachten fettigen Schweine-braten und schaffen nur ein winzig kleines Stückchen Schwarzwälder Kirschtorte. Zusätzlich werden Sie fröhlich und ausgeglichen, genießen Ihr Leben und vor allen Dingen das Einkaufen. Das Vorzelt in Größe 50 gehört der Vergangenheit an, dafür gibt es jetzt die Röhrenjeans in Größe 40 - und vielleicht sogar einen Bikini.
Das klingt zu schön um wahr zu sein, werden Sie jetzt sagen und eine natürliche Skepsis ist ja nicht verkehrt. Doch vielleicht nutzen Sie folgende Gelegenheit: Dagmar Herzog wird im Rahmen der ehrenamtlichen Vortragsreihe von Marianne Mack, die von "typisch frau"-Autorin Barbara Dickmann begleitet wird, ihr HerzogConzept am 18. Juni im Europa-Park vorstellen (siehe unten). Tatsächlich wurde dieses Konzept in 2007 von Medizinern getestet. Die Zusammen-fassung der Studie lesen Sie im nebenstehenden Bericht.

Kontrolle über den Kopf
- Studie über Herzog-Methode -
Vier Institute aus München (Institut für Suchtmedizin und Adipositas, Praxis-zentrum im Tal, Klinikum Schwabing, Max Planck-Institut) haben die Herzog-Methode (siehe unten stehenden ausführlichen Bericht) aufgegriffen und Ende 2007 die Ergebnisse veröffentlicht. Hier die Zusammenfassung. Die Studie: Medien-gestützte Gewichtsreduktion bei über-gewichtigen Menschen - erste Kasuistiken, Korrespondezautor: Dr. Markus Backmund. Der Hintergrund: Lediglich ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland verfügen über ein gesundheitlich wünschenswertes Körpergewicht.
Mit Übergewicht und Adipositas sind schwerwiegende Erkrankungen und Risikofaktoren verbunden. 50 Prozent der Übergewichtigen leiden an Bluthochdruck. Oder anders herum: 70 Prozent der Menschen mit Bluthochdruck haben Übergewicht. Versucht man, die lästigen

Pfunde durch Diäten und körperliche Bewegung loszuwerden, wird eine Verhaltensänderung auf kognitiver, verstandesmäßiger Ebene vermittelt. Nach dem Ende der Intervention nehmen die meisten Patienten wieder zu, teilweise reagieren sie sogar durch vermehrten Gewichtsanstieg. Die Mediengestützte Gewichtsreduktion geht anders vor. Sie versucht auf emotionaler Ebene eine dauerhafte Verhaltensänderung zu erreichen. Wie: Durch Ansprechen unterbewusster Regionen im Zentralen Nervensystem. Nach Beendigung der Therapiephase kann diese Methode selbständig zu Hause durchgeführt werden. Die Studie geht davon aus, dass dadurch die Gewichtsreduktion dauerhaft anhält.
Die Methode: Zehn Patientinnen und Patienten, die an einem Wochenend-seminar der Mediengestützten Gewichtsreduktion teilgenommen hatten, wurden ausgewählt. Das Ausgangsgewicht wurde beim Seminar bestimmt. Der Inhalt des Seminars: Man darf alles essen, wozu man Lust hat. Doch das Unterbewusstsein wird auf die Adipositas-Richtlinien eingestimmt. Medium sind standardisierte, besprochene und musikalisch unterlegte CDs, die aufeinander aufbauen. Sie enthalten "Negativszenen", "Positivszenen", "Harmonieszenen". Sie sollten täglich gehört werden. Zwei Szenen à sechs Minuten morgens, eine à sechs Minuten abends.
In den Negativszenen werden "ungesundes Essen" mit zum Beispiel "Einsamkeit" szenisch gekoppelt. In der direkt folgenden Positivszene wird zum Beispiel "Quellwasser-Trinken" oder Teetrinken mit Bewegung in schöner Umgebung gekoppelt. Eine "Harmonieszene" dient der Ich-Stärkung. 10 Monate und 18 bis 24 Monate nach diesem Wochenendseminar wurden die Teilnehmer nach ihrem Gewicht befragt. Das Ergebnis: Alle zehn Teilnehmer, sieben Frauen und drei Männer im Alter von 28 bis 60 Jahren, haben ihr Gewicht moderat bis sehr stark reduzieren können, durchschnittlich um 16 Kilo, beziehungsweise um 16 Prozent des Ausgangsgewichts. Kein Teilnehmer hat wieder zugenommen oder irgendeine andere Diät gemacht. Das ist eindrucksvoll, denn Studien über Diäten haben meistens nach Ende der Diät wieder einen Gewichtsanstieg verzeichnet.
Die Diskussion: Die Patienten sollten darauf hingewiesen werden, dass sie über längere Zeit nachuntersucht werden und dass sie selbständig die Methode täglich anwenden sollten. Außerdem sollte in einer Studie mit großer, statistisch verwertbarer Fallzahl überprüft werden, ob mit dieser Methode auch längerfristig das reduzierte Gewicht gehalten werden kann. Die Studie wurde zum Teil unterstützt von der Gmünder ErsatzKasse GEK. Die Intervention der Mediengestützten Gewichtsreduktion wurde als "Herzog-Methode" von Dagmar Herzog entwickelt (Quelle: Studie).

Barbara Dickmann